Grün-weiße Schönfärberei

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Noch sieht Dieter Hoeneß nicht schwarz und hält am VfL-Trainer Steve McClaren eisern fest.

Wolfsburg/Köln. Stell dir vor, es ist Krise und keiner merkt’s. Selbst der unterirdische Auftritt beim 1:1 gegen den 1. FC Köln hat Spieler und Verantwortliche des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg nicht auf den Plan gerufen.

Statt endlich Tacheles zu reden, wurde das magere Remis sogar noch zum Teilerfolg hochstilisiert. Allen voran von Trainer Steve McClaren. „Ich bin zufrieden mit der Mannschaft. Sie hat sich nach einem enttäuschenden Rückstand zurückgekämpft, und mir hat gefallen, wie sie im Spiel geblieben ist.“ Wie bitte?! Ähnlich wie beim 1:1 gegen St. Pauli „glänzten“ die Wölfe durch ihr uninspiriertes, unentschlossenes und lauffaules Spiel. Einzige Ausnahme: Ciceros Fallrückzieher-Tor (81.). Dann versprühte der zunehmend unter Druck geratende McClaren doch noch einen Funken Kritik. „Sicherlich hat mir nicht alles gefallen, aber wir sollten besser das Positive sehen.“ So weit ist es also schon gekommen. Der hoch ambitionierte, in der Sommerpause mit VW-Millionen aufgerüstete VfL begnügt sich mit einer armseligen Punkteteilung. Wohl gemerkt nicht bei den Bayern, Dortmundern oder Leverkusenern, sondern beim spielerisch limitierten 1. FC Köln, der vor diesem Spieltag Vorletzter war! Auch Manager Dieter Hoeneß stellte sich schützend vor die Mannschaft. „Der gewisse Biss, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, hat mir noch gefehlt. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir zu wenig Druck aufgebaut. Aber die Mannschaft arbeitet und kommt Stück für Stück voran.“ Und wie! Immerhin steht ein Bundesligasieg aus den vergangenen acht Partien zubuche. Hoeneß wehrt sich aber gegen die aufkommende Trainerdiskussion. Fragen zur McClarens Zukunft wich er aus, verwies auf „wichtigere Themen“. „Nicht ganz zufrieden“ war auch Torwart Diego Benaglio, der das 0:1 mit einer schlechten Faustabwehr verursachte. „Das geht ganz klar auf meine Kappe; den Ball hätte ich festhalten müssen.“ Immerhin. Unter dem Strich überwiegt der Eindruck, dass die Vfler zu bequem oder einfach zu naiv sind, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Dass es auch anders geht, bewies Frank Rost. Der Torwart des Hamburger SV polterte selbst nach dem 4:2 über den VfB Stuttgart gegen seine Kollegen los und versuchte sie wachzurütteln. „Ich will mich nicht daran gewöhnen, die Bude voll zu kriegen. Selbst gegen zehn Mann. Da müssen sie einen anderen reinstellen. Bei uns läuft der eine nicht für den anderen. Spektakel und Theater kann man bei Real Madrid machen.“ Zurück zum Gute-Laune-Klub aus Wolfsburg, wo McClaren das kommende Spiel kaum erwarten kann. „Jetzt freuen wir uns auf das Heimspiel gegen Bremen.“

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