Übereifer statt Überflieger...

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Gesenkte Häupter, eingefrorene Euphorie: Der VfL Wolfsburg (l. Diego, Bas Dost) erlitt durch die Derby-Pleite zum Rückrundenstart gegen Hannover 96 einen Dämpfer.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Den Begriff Derby kennt auch der bisher in englisch operierende Kevin de Bruyne. Aber auch die neue belgische Waffe vermochte dem VfL Wolfsburg nicht den nötigen Rivalitäts-Impuls zu geben. Gemeinsam mit den leiderprobten Kollegen schlich der Star-Einkauf am Sonnabend nach der 1:3 (1:1)-Auftaktschmach der Wölfe zum Rückrunden-Start der Fußball-Bundesliga gegen Hannover 96 aus dem Eisschrank VW-Arena. Derby-Deppen, Episode drei...

Für die eiskalten Roten unter Trainer-Frischling Tayfun Korkut ausgerechnet beim Debüt und Nachbarn der Auswärts-Befreiungsschlag dank der Tore von Leih-Stürmer Artjom Rudnevs (29.) und Bittencourt (50., 72.). Eingefrorene Euphorie hingegen bei den Grün-Weißen unter dessen Vor-Vor-Vorgänger Dieter Hecking. Die Konkurrenz und Medien hatten den VfL, für den Ivica Olic zwischenzeitlich aus hauchdünner Abseits-Position den Ausgleich hergestellt hatte (35.), schon zum Champions League-Anwärter hochstilisiert.

Hecking hatte sein Team teils in Schönheit sterben sehen. „Da waren ein paar nette Spielzüge bei, aber nichts Konsequentes, um den Gegner ins Wanken zu bringen.“ Denn Hannover hatte sich das emsige, eber ineffektive Treiben des Hinrunden-Fünften in aller Seelenruhe angesehen und hielt in Halbzeit eins nur einmal die Fühler aus dem Schneckenhaus. Schon stand es 0:1 durch Rudnevs nach einem Bock von Slobodan Medojevic und einer entblößten, weil zu weit aufgerückten Innenverteidigung. Sein Team hätte zu viel gewollt, bemängelte Hecking. Das bestrafte 96 gnadenlos. Zweiter Flüchtigkeits-Fehler direkt nach Wiederbeginn, dieses Mal durch Diego, zack das 1:2. Dieser erkannte treffend: „Hannover hat nur auf unsere Fehler gewartet.“ Wolfsburgs Coach kreidete den Übereifer an: „Wir müssen nicht im Hurra-Stil etwas erreichen.“ Auch Manager Klaus Allofs legte den Finger in dieselbe Wunde: „Man will Gutes tun, bringt sich aber eigentlich damit in Gefahr.“

Der VfL nach dem neuerlichen Nackenschlag wie schockgefrostet. „Wir waren zu umständlich, viele Sachen sind ins Leere gelaufen“, fasste Hecking den ernüchternden Verlauf der restlichen zweiten Hälfte zusammen. Auch mit drei etatmäßigen Zehnern auf dem Feld und der Hereinnahme von Offensivkraft Ivan Perisic blieb Wolfsburg blass.

Der Auftakt vermasselt. „Keine Dinge, die mich vom Hocker reißen. Alles im grünen Bereich“, beschwichtigte Allofs. Der VfL hätte als großer Gewinner des Spieltages hervorgehen können, reihte sich aber stattdessen in die Flop-Ergebnisse der anderen Topteams ein.

Allofs trat ohnehin auf die Bremse: „Wir sind nicht plötzlich, nur weil wir Kevin de Bruyne verpflichtet haben, eine Mannschaft vom anderen Stern geworden und auch nicht der Bayern-Jäger. Wir müssen noch viel lernen.“ Vor allem, wie Derbys erfolgreich bestritten werden. Ansonsten heißt es nach dem Rückspiel in Braunschweig: Derby-Deppen, Episode vier verliert...

 

Das Spiel im Stenogramm:

VfL Wolfsburg:Benaglio – Träsch (61. Perisic), Naldo, Knoche, Rodriguez – Luiz Gustavo, Medojevic – De Bruyne, Arnold, Diego – Olic (69. Dost).

Hannover 96: Zieler – H. Sakai, Marcelo, Hoffmann, C. Schulz – Stindl, Schmiedebach – Bittencourt (89. Prib), Huszti (83. Andreasen) – M. Diouf, Rudnevs (90.+2 Schlaudraff).

Tore: 0:1 Rudnevs (29.), 1:1 Olic (35.), 1:2 Bittencourt (50.), 1:3 Bittencourt (72.).

Gelbe Karten: Träsch (59.), Arnold (82.) / H. Sakai (85.).

Zuschauer: 28139.

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart).

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