Gegen Keller aus dem Keller

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Am vergangenen Spieltag landete Schalke-Coach Jens Keller (l.) einen wichtigen 2:1-Sieg dank Joel Matip gegen Düsseldorf. Nun trifft er auf seinen alten Club aus Wolfsburg.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Ich bin wieder hier, in meinem Revier... Ob der Ohrwurm von Marius Müller Westernhagen wohl auch Jens Keller am kommenden Sonnabend kurz mal durch den Kopf geht? Zugegeben: Die Wolfsburger Vergangenheit des heutigen Interimstrainers von Schalke 04 ist verdammt lang her. Von 1995 bis 1998 kickte Keller für die Wölfe, beförderte sie als Abwehrchef in die 1. Bundesliga und schaffte selbst auf diese Weise im zweiten Anlauf den Durchbruch als Profi. Ein verdienter VfL-Veteran also.

Auf alte Verbundenheit können die Wolfsburger am Sonnabend ab 15.30 Uhr aber nicht hoffen. Keller hat mit seinem Club selbst genügend Sorgen. Aktuell sind die Schalker zwar noch in der Champions League vertreten – mit Blick auf die kommende Saison aber liegt die Königsklasse für Königsblau derzeit in weiter Ferne. Keller, rund eine Woche vor der Verpflichtung von Dieter Hecking beim kommenden Kontrahenten aus Wolfsburg als Nachfolger des geschassten Huub Stevens zum Profi-Chef befördert, scheint die Abwärts-Spirale aber aufgefangen zu haben. Jeweils Unentschieden in Mainz und im Champions League-Hinspiel bei Galatasaray Istanbul sowie zuletzt der befreiende 2:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf. Die angestrebte Politik der kleinen Schritte scheint bei S04 allmählich zu greifen.

Keller und die Knappen: Das ist ein Stabilisierungs-Pakt, ähnlich wie bei seinem Gegenüber Hecking. Allerdings auf Zeit. Der Wolfsburger Aufstiegsheld von einst muss den Ruhrpott-Riesen schnell wieder flott machen. Eine Spielzeit ohne internationalen Wettbewerb: fast undenkbar auf Schalke. Momentan liegt der Revierclub fünf Zähler hinter dem Champions League-Qualirang zurück, will und muss so schnell es geht verlorenen Boden gutmachen.

Für Keller ist es übrigens nicht die erste Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Wobei er selbst ja nie in der VW-Arena spielte – die entstand erst Jahre nach seinem Abschied aus Wolfsburg in Richtung Stuttgart. Mit eben jenem VfB kehrte der 42-Jährige 2010, damals ebenfalls als Interimscoach, zum VfL zurück. Und verlor nach dem Doppelpack eines gewissen Edin Dzeko 0:2. Auch dieses Mal stehen zumindest die Statistik-Vorzeichen nicht gut für Keller: Seit neun Bundesliga-Spielen wartet S04 in Wolfsburg auf einen Sieg.

Vielleicht richtet es ja Düsseldorf-Held Joel Matip. Der Zweifach-Torschütze der Vorwoche will den Aufwärtstrend fortsetzen. Und sagt uneigennützig: „Wer die Tore schießt, ist letztendlich auch egal. Viel wichtiger ist, dass wir gewinnen!“

Das sieht der VfL genauso. Schließlich hat Hecking die Tabellensituation zuletzt als trügerisch bezeichnet. Neun Zähler Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsrang bedeuten auf den ersten Blick ein bequemes Polster. Doch im Grunde blicken die Grün-Weißen ohnehin in eine ganz andere Richtung. Das Ziel Europa dürfte nach dem Halbfinal-Einzug am Dienstag in Offenbach zwar weitaus leichter über den DFB-Pokal zu realisieren sein. Doch das Erstliga-Existenzminimum, sprich Platz 15, ist nicht der Anspruch des VW-Clubs. So sehr die zarten spielerischen Fortschritte unter Hecking auch sein mögen – es muss auch etwas Zählbares dabei herausspringen. Das weiß der sportliche Leiter auch. „Wir sind insgesamt auf einem guten Weg, aber in der Bundesliga fehlen uns noch die Ergebnisse. Die Mannschaft wächst jedoch Woche für Woche besser zusammen“, sagt Hecking.

Wer weiß: Womöglich haben die Schalker ja schon das kommende Derby gegen Borussia Dortmund im Hinterkopf. Letzten Endes ist der VfL – auch ohne den gesperrten Alexander Madlung – aber selbst gefordert, gegen Keller aus dem Keller zu kommen.

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