Heckings Herkulesakt: Geht nicht gibt’s nicht

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Ist der VfL Wolfsburg den schier übermächtigen Bayern (Jerome Boateng) gewachsen? Ivica Olic (l.) weiß um die Qualität seines Ex-Clubs. Dennoch sehen die Wölfe gegen den Bundesliga-Primus eine kleine Chance auf eine Überraschung.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Nichts ist unmöglich! Das mag vielleicht der japanische Automobil-Riese Toyota in seiner Werbung proklamieren. Aber trifft das auch auf das Lieblingskind von Markt-Mitstreiter VW zu? Nur schwer vorstellbar, dass ausgerechnet der VfL Wolfsburg dem über allen Dingen stehenden bayerischen Branchenprimus am morgigen Freitag im Heimspiel (20.30 Uhr) erfolgreich die Stirn bietet. Doch einige wagemutige Wankel-Wölfe halten im Duell mit Mega-München nichts für ausgeschlossen.

Der Marsch der Mia-san-Mia-Mannschaft auf die Jubiläumsmeisterschaft scheint unaufhaltsam zu sein. Sage und schreibe 15 Punkte sind die Bayern der Verfolgerschar schon entrückt. Und ganz Deutschland vom neuen Zauber-Fußball entzückt. Der Stern des Südens leuchtet so stark wie schon lange nicht mehr. Jahreswechsel-übergreifend spielten die Juppheidi-Juppheida-Jungs nun schon fünfmal in Folge zu null, haben erst lächerliche sieben Gegentore in 21 Bundesliga-Spielen hinnehmen müssen. Heißt, jeder dritte Gegner darf mal jubeln... Manuel Neuer und Co. nahezu unbezwingbar. Auf der anderen Seite die Wölfe, die sich selten bissig zeigen.

Ivica Olic, in der Vorsaison selbst noch beim großen FCB und damit ein ausgewiesener Insider, betrachtet die Dinge vorweg nüchtern: „Wenn die Bayern so spielen wie in den vergangenen Wochen, wird es sehr schwer. Sie sind im Moment eine der besten Mannschaften in Europa.“ Auch Manager Klaus Allofs bestätigt: „Die Bayern beherrschen die Bundesliga und sind derzeit das Maß aller Dinge.“

Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. VfL-Kapitän Diego Benaglio sieht die Herkulesaufgabe trotz der scheinbaren Übermacht des gigantischen Gegners nicht als Mission Impossible. „Wenn wir umsetzen, was der Trainer uns vorgibt, glaube ich daran, dass wir unsere Chance kriegen können.“

Und die Richtlinie von Wolfsburgs Coach Dieter Hecking lautet: Wir schauen auf uns! Klar hätten die Münchener eine unglaubliche Qualität. „Wenn man sie spielen lässt, hat man keine Chance. Für mich geht es aber vielmehr darum, was wir vorhaben“, betonte Hecking. „Es geht nicht um Bayern München, es um ums und vor allem darum, wie die Mannschaften die Vorgaben umsetzt.“ Die Herausforderung sei nicht im Gegner, sondern vielmehr im eigenen Vermögen zu suchen.

Ziel der Grün-Weißen müsse es sein, den Spitzenreiter weit vom eigenen Tor fernzuhalten. Und dabei auch eigene Offensiv-Akzente zu setzen. Heckings Traum-Vision: „Ich würde mir wünschen, dass wir nach vorne verteidigen, uns nicht zu weit hinten reindrängen lassen und auf diese Weise um jene kleine Chancen ringen, die wir zweifellos auch haben.“

Aber noch einmal zurück zum Abwehr-Prunkstück der Bayern: Das einzige Auswärtsgegentor dieser Saison kassierte München beim 1:1 in Nürnberg. Damals noch FCN-Coach: Dieter Hecking! Für den Neu-Wolfsburger ein Signal: „Das Spiel damals hat gezeigt, dass du immer eine Chance hast, solange es nur 0:1 steht.“ Letztlich sei das aber Schnee von gestern. „Bei uns muss es stimmen“, betont Hecking. Und beim Rekordmeister darf an diesem Abend einiges nicht zusammenlaufen. Dann, ja nur dann, erlebt die ausverkaufte VW-Arena womöglich etwas Unmögliches.

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