1:6! Und keiner weiß warum...

dpa
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Der Leuchtturm der Bundesliga und sein Fußvolk: 17 gnadenlos gute Minuten, eingeleitet durch Joker Thiago (oben), reichten Bayern zum 6:1-Kantersieg beim konsternierten VfL Wolfsburg.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Am Vormittag hatte ein technischer Fehler im VW-Kraftwerk praktisch ganz Wolfsburg zum Erliegen gebracht. Ein Vorbote für den abrupten Stromausfall, der am Sonnabend ein paar hundert Meter weiter auch den VfL wie ein Schlag aus heiterem Himmel treffen sollte.

Gut 60 Minuten lang hatten die Wölfe die Allmächtigen vom FC Bayern München wie kein zweites Team in jüngster Vergangenheit „ins Wanken gebracht“, befand VfL-Trainer Dieter Hecking zurecht. Nur eine Zwischenaufnahme. Denn der Stundenlohn war bescheiden. Am Ende kamen sich alle in Grün-Weiß vor wie im falschen Film. 1:6 (1:1) abgeledert – und keiner wusste warum...

„Überragend“ hatte Hecking seine Mannschaft bis zum zweiten Blackout des Tages in Wolfsburg gesehen. „Aber nach dem 1:3 war es so, als ob jemand den Stecker gezogen hat“, blieb er im Sprachbild nach dem unheilvollen Doppelschlag in der 63. und 66. Minute. Sein verschmitzt lächelndes Bayern-Pendant Pep Guardiola hatte mal eben schnell mit Thiago (gab mit einem tödlichen Pass in die Schnittstelle die Vorlage zu Thomas Müllers 2:1) und dem Ex-Wolf Mario Mandzukic (erzielte das 3:1) den Sieg eingewechselt.

„Die Extraklasse auf der Bank“ (Hecking) war das eine. Dass sich die Wölfe aber in nur 17 Minuten nicht nur ihr bis dahin eindrucksvolles Spiel, sondern nach dem 2:6 vorab in Hoffenheim auch „das Torverhältnis versauten“, war dann doch absolut unverständlich. So spiegelte sich die Leistung nicht im Geringsten im Ergebnis wider. „Das ärgert mich maßlos“, meinte Hecking. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs versuchte bei seiner Analyse Milde walten zu lassen, sah den VfL schlichtweg an Grenzen stoßen. Dennoch prangerte er an: „Wir haben mit offenem Visier gespielt. Vielleicht war das Visier zu offen.“ Gegen einen derart brutal effektiven Gegner. Wolfsburg starb den Heldentod...

Dabei hatten es die Gastgeber, bei denen Maximilian Arnold auf die zweite Sechser-Position rückte und Daniel Caligiuri die linke Flanke beackerte, lange Zeit genau richtig gemacht. Extrem frühes Pressing mit hoher Laufbereitschaft ließ Münchens Rekord-Riege zunächst alt aussehen. Die Führung durch Naldo (17.) absolut verdient. Der Ausgleich absolut überflüssig. Die Wolfsburger schauten gleich viermal zu, wie der FCB sich im Ping-Pong probieren durfte. Kurzweilen musste sich der VfL nach dem 1:1 durch Xerdan Shaqiri (26.) sammeln, griff dann den Faden aber wieder auf und war der erneuten Führung mehrfach extrem nah. Arnold (38.) und Kevin de Bruyne (44.) hätten zur Pause auf 2:1 stellen können/müssen.

Ivan Perisic nach exakt einer Stunde ebenfalls. Augenblicke, die kurze Zeit später wie ausradiert waren. Bayern machte einmal kurz ernst – und zeigte dem ambitionierten VfL gnadenlos auf, dass zu einem Spitzenteam noch ein großes Stück fehlt.

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