Uneins zum mageren Eins-Eins

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Redebedarf: Wolfsburgs Coach Dieter Hecking gibt Mittelfeldspieler Vieirinha Anweisungen. Der VfL fand gegen Augsburg trotzdem nicht zu seiner Anfangs-Linie zurück.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Ab und an zog es wie Hechtsuppe in der VW-Arena. Wäre nur so viel Zug im Spiel der Wölfe gewesen... So aber ließ sich Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg im Heimspiel vom FC Augsburg in die Suppe spucken.

Nur 1:1 (1:1) gegen das wackere Kellerkind nach Toren von Naldo (23.) und Jan Moravek (25.): Schmalhans war am Sonnabend Küchenmeister vor 22257 fröstelnden und frustrierten Zuschauern. Augenscheinlich hat sich unter dem neuen Coach Dieter Hecking noch kein wirklicher Fortschritt entwickelt. Der VfL tritt auf der Stelle.

Weil er sich gegen den Underdog als gespaltene Persönlichkeit präsentierte. Was Hecking auf die Palme brachte: „Es kann nicht sein, dass die Mannschaft auf einmal zwei unterschiedliche Spielideen entwickelt. Der eine Teil wollte nach vorne, der andere nach hinten – da muss ich ganz klar sagen, dass mir das überhaupt nicht gefallen hat!“ Uneins zum Eins-Eins...

Dabei wäre das teaminterne Tauziehen vermutlich gar nicht zutage getreten, wenn Wolfsburg nicht im Freudentaumel über die Führung durch Naldos Kopfballtreffer nach einer Ecke seine Abwehr-Aufgaben vernachlässigt hätte. Ehe sich die Grün-Weißen versahen, hatte Moravek nach einem Schnitzer von Marcel Schäfer und feiner Vorarbeit durch Wolfsburgs Leihgabe Ja-Cheol Koo auch schon wieder egalisiert. Aus heiterem Himmel, wohl gemerkt.

Denn bis zu dieser verhängnisvollen 25. Minute (Hecking: „Bis dahin haben wir vieles richtig gemacht“) hatten die Wolfsburger den Gegner klar beherrscht und durch den letztlich enttäuschenden Mittelfeldstar Diego auch schon in der Anfangsphase zwei Hochkaräter auf dem Fuß gehabt. „Wir haben es versäumt, höher in Führung zu gehen“, bemängelte VfL-Keeper Diego Benaglio. „Mit dem 1:1 haben wir dann den Faden verloren.“ Plötzlich trat eben jenes Phänomen auf, dass Hecking sauer aufstieß. Die Wölfe zogen nicht mehr an einem Strang, der Spielfluss wie abgeschnitten.

Je länger das Spiel dauerte, desto häufiger liefen sich die Gastgeber in der FCA-Defensive fest. Diego setzte deutlich weniger Impulse als zuletzt. Mittelstürmer Bas Dost hing völlig in der Luft.

Das entging auch Hecking nicht, der sein Team in der Halbzeit neu anzustacheln versuchte. „Er hat zu uns gesagt: Kommt Männer, dran bleiben“, verriet Naldo das Kabinen-Geflüster. Doch das Gegenteil trat ein. Augsburgs konnte über Wolfsburgs pomadige und fehlerhafte Angriffsversuche nur müde lächeln und geriet, zumindest aus dem Spiel heraus, überhaupt nicht in Schwulitäten.

Stattdessen wurden die Gäste mutiger, setzten Nadelstiche. Hatte der FCA gefährliche Aktionen, dann war oft Koo daran beteiligt. Der vom VfL ausgeliehene Südkoreaner sorgte einige Male für Unruhe. Verärgert war der Mittelfeldspieler, dass er in der 63. Minute keinen Elfmeter erhielt, als Naldo ihn am Arm zog. „Da müsste man auch mal einen Elfmeter bekommen“, sagte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. Naldo hingegen erklärte: „Das war kein Elfmeter, auch wenn es eine Berührung gab.“

Auffälligster Augsburger war indes Alexander Manninger. Der für den angeschlagenen Simon Jentzsch im Tor stehende Keeper hielt einige Male mit tollen Reflexen. „Er war heute ein sehr, sehr guter Torhüter“, lobte Weinzierl.

 

 

Das Spiel im Stenogramm:

VfL Wolfsburg:Benaglio – Fagner, Madlung, Naldo, Schäfer – Träsch (83. Kahlenberg), Polak (67. Hasebe) – Vieirinha, Diego, Perisic – Dost (67. Olic)

FC Augsburg: Manninger – Philp, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek – Baier – Koo, Moravek, Ji (87. Hahn), Werner (46. Vogt) – Mölders (81. Oehrl)

Tore: 1:0 Naldo (23.), 1:1 Moravek (25.)

Gelbe Karten: Diego (28.), Fagner (47.) / Werner (6.), Baier (29.), Ostrzolek (49.)

Zuschauer: 22.257

Schiedsrichter: Fritz (Korb)

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