Es geht um alles – für beide

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Blick nach oben: Nach der verpassten Chance von Dortmund (1:2) wollen Wolfsburgs Coach Dieter Hecking (r.) und Manager Klaus Allofs mit einem Heimsieg gegen Nürnberg die Champions League-Ränge ins Visier nehmen.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Die einen wollen ins internationale Geschäft, die anderen nicht zweiter Klasse kicken. Der VfL Wolfsburg wird sich in den kommenden Wochen in der Fußball-Bundesliga vorkommen wie in einer Endlos-Schleife. Vier Mal in Serie heißt es Eu(ropa)phorie trifft Existenzkampf. Angefangen mit dem Heimspiel am kommenden Sonnabend um 15.30 Uhr gegen den 1. FC Nürnberg.

Die Beweggründe hüben wie drüben mögen andere sein, münden aber jeweils in ein und demselben Energie-Fluss. Die Wölfe dürften auf bis in die Haarspitzen motivierte Gegner treffen, sind selbst aber ebenfalls angestachelt. Immerhin gibt es nicht nur im Tabellenkeller ein Hauen und Stechen, auch das Wettrennen um die europäischen Fleischtöpfe spitzt sich zu. Mit dem Unikum gegen die Bayern hat sich auch der zuvor abfallende FC Augsburg noch einmal im Reigen der Anwärter zurückgemeldet.

Wolfsburg muss sich nach hinten absichern, will gleichermaßen aber auch mit Blick nach vorn den Druck auf Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen erhöhen. Diesen elektrisierenden Status Quo hob auch Coach Dieter Hecking eingangs der Trainings-Woche noch einmal hervor: „Wir spielen jetzt gegen Mannschaften, für die es um alles geht. Aber auch für uns geht es um alles. Das sollte man nicht unterschätzen.“

Ob am Sonnabend in der VW-Arena wirklich die Funken sprühen, wird sich noch zeigen. Nürnbergs Coach Gertjan Verbeek steht seit dem Disput mit seinem Freiburger Kollegen Christian Streich (der diese Bezeichnung laut Verbeek nicht verdient hat...) ohnehin unter Strom und mit dem Club seit dem vergangenen Spieltag mehr denn je mit dem Rücken zur Wand. Die Nürnberger hatten beim 0:2 gegen Gladbach dominiert, aber dennoch die sechste Pleite aus den vergangenen sieben Partien schlucken müssen. Gleichbedeutend mit dem Absturz auf Platz 17. Bleibt es dabei, wäre es der achte Abstieg aus dem Oberhaus für die Franken.

Umso sorgenvoller schaute der FCN eingangs dieser Woche auf den wohl wichtigsten Oberschenkel im Verein. Dem von Josip Drmic. Bei Nürnbergs Torjäger (16 Saisontore) zwickte es. Doch Verbeek ist zuversichtlich, dass sein Sturmjubel in Wolfsburg mitwirken kann am Projekt Klassenerhalt. Für den Club wäre ein Ausfall ein neuerlicher Stich ins Herz, ist der Tabellenvorletzte doch vom Verletzungspech geplagt wie kaum ein zweiter Verein. „Man soll nicht jammern“, sagte Taktgeber Markus Feulner gegenüber den Nürnberger Nachrichten. Gerade gegen die großen Teams hätte der FCN eine gute Figur abgegeben.

Der VfL muss – eben auch am Sonnabend – aber erst den Beweis antreten, zu den Größen des deutschen Fußballs zu zählen. Auch Hecking muss auf der Zielgeraden mit einigen Ausfällen klar kommen. Diego Benaglio, Bas Dost, womöglich auch Christian Träsch stehen nicht zur Verfügung. Hingegen sieht Wolfsburgs Coach bei Timm Klose keine Probleme für ein Comeback. Hecking (wechselte in der Winterpause der Saison 2012/13 die Fronten) wie Klose haben eine Nürnberger Vergangenheit, Sentimentalitäten zählen aber nicht.

Genauso wenig bei Emanuel Pogatetz. Kloses Erben beim Club respektive Vorgänger bei den Wölfen. Er saß gegen Gladbach seine Gelb-Rot-Sperre ab, könnte an alter Wirkungsstätte auflaufen. Viel Emotions-Potential also auf dem Wolfsburger Rasen.

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