Fußball – Bundesliga: Allofs relativiert Spekulationen über Transfer-Volumen des Brasilianers

Gustavo in Startelf? Gut möglich!

Schnapszahl, aber keine Schnapsidee: Luiz Gustavo (M.), der beim VfL Wolfsburg die Nummer 22 erhält, war absoluter Wunschspieler von Coach Dieter Hecking (l.) und Manager Klaus Allofs.
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Schnapszahl, aber keine Schnapsidee: Luiz Gustavo (M.), der beim VfL Wolfsburg die Nummer 22 erhält, war absoluter Wunschspieler von Coach Dieter Hecking (l.) und Manager Klaus Allofs.

ib Wolfsburg. Luiz Gustavo ist keine Quasselstrippe. Gestern aber verplapperte sich der stille Star. Der VfL Wolfsburg hätte nicht erst seit kurzem an ihm gebaggert. „Sie wollten mich von Anfang an.“ Ein kleines Geheimnis, dass Klaus Allofs lieber gehütet hätte. Doch der Manager sah es seinem bisher größten Transfercoup bei den Wölfen nach.

Und war einfach nur „superglücklich“, den Wechsel des brasilianischen Balleroberers von Bayern München gewuppt zu haben. Seit Donnerstagabend ist Luiz Gustavo tatsächlich ein Grün-Weißer, setzte zu später Stunde nach letzten Detailgesprächen seinen Karl Gustav(o) unter den langfristig angelegten Fünf-Jahres-Vertrag beim VfL.

Gestern dann die offzielle Präsentation des emsig umworbenen Wunschspielers. Wolfsburg hatte die große Chance gewittert und genutzt. Das enorme Medieninteresse untermauere die Bedeutung dieses schönen Tages, betonte Allofs. Er ist froh, den Triple-Sieger und frisch gebackenen Confed-Cup-Gewinner vom Vereins-Vorhaben überzeugt zu haben. Und auch der Fußball-Bundesliga zu erhalten. Schließlich war der VfL nicht allein auf weiter Flur gewesen – er musste erst internationale Konkurrenz ausstechen. Coach Dieter Hecking wertete den Top-Transfer als „richtig gutes Zeichen“, um selbst wieder das Tor nach Europa aufzustoßen.

Ein Sechser von hoher Qualität hätte dafür noch gefehlt. Nun nicht mehr, glauben die Verantwortlichen. Hecking sagte: „Luiz Gustavo kann ein Fixpunkt werden, wenn er das abruft, was wir uns wünschen.“ Bei der systematischen Suche nach Kandidaten sei man schnell auf den 26-Jährigen gestoßen, erklärte Allofs, der ungewohnt offen mit diesem Deal kokettiert hatte. Was hätte der VfL schon zu verlieren gehabt!? Ein Korb wäre keine Katastrophe gewesen, meinte der Manager. Offenbar ist auch Luiz Gustavo davon überzeugt, dass in Wolfsburg etwas Großes entstehen kann.

Er suche stets das Neuartige, den Reiz. „Das macht mir Spaß, das ist mein Leben.“ Zumal er sich bei den Bayern in einer „schwierigen Luxus-Situation“ befunden hätte. Die Angst, als Bankdrücker die WM 2014 im eigenen Land zu verpassen, war groß. Letztlich spielten aber auch persönliche Aspekte eine Rolle. „Der VfL ist ein Top-Verein und ich will dabei sein bei diesem Projekt. Und ich mag Deutschland. Jetzt fühle ich mich frei und glücklich.“ Für sein Votum fragte er sein Herz. Und seine engsten Vertrauten.

Freilich hatte Luiz Gustavo vor seinem Ja zu Wolfsburg auch mit seinen Landsleuten Diego und Naldo über den Club geplauscht. Mit seinen 136 Bundesliga-Einsätzen für München und die TSG 1899 Hoffenheim stellt der „einfache Typ“, wie er sich selbst bezeichnet, aus Wolfsburger Sicht die perfekte Nahtstelle zwischen dem Kreativkopf und dem Kopfballungeheuer von der Copacabana dar. Das Brasilo-Trio soll die neue kongeniale Kette bei den Wölfen bilden. „Dass kann eine Achse werden, die unser Spiel prägen kann“, bekräftigte Trainer Dieter Hecking.

Für diesen Lückenschluss greift der VfL tief in die Vereins-Schatulle. Wobei Manager Klaus Allofs die herumgeisternden Summen von bis zu 22 Millionen Euro Ablöse und acht Millionen Euro Jahressalär relativierte. Mit dem FCB hätte er Stillschweigen über die Modalitäten vereinbart, doch so viel sei klar: „Die Spekulationen schießen weit über das Ziel hinaus.“ Der Club hätte aber auch keinen Sparkurs ausgerufen. „Wir haben gesagt, wir wollen vernünftige Dinge machen“, so Allofs. Angesichts der Qualität Gustavos sei das Geld gut angelegt.

Ob nun Rekord-Transfer oder nicht: In jedem Fall senden die Wölfe mit der Verpflichtung des zweikampf- und kopfballstarken Abräumers aus dem Ort mit dem Zungenbrecher-Namen Pindamonhangaba ein Signal an die Liga. Womöglich kann sich bereits heute Schalke 04 ein eigenes Bild vom Leistungsvermögen des Neuerwerbs machen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Luiz Gustavo anfängt“, erklärte Hecking gestern bei der Vorstellung seines neuen Mittelfeld-Musterschülers. „Auf jeden Fall wird er im Kader stehen.“

Beim Länderspiel Brasiliens am Mittwoch in der Schweiz hätte sich der Hoffnungsträger in den 60 Minuten Einsatzzeit in guter Verfassung präsentiert, berichteten die Scouts Hecking. Letztlich aber wollte er sich gestern Abend noch einmal in aller Ruhe mit Luiz Gustavo hinsetzen und dann schauen.

Kommt der Diego-Backup gleich zu seinem Startelf-Debüt, wird es einen Härtefall geben. Vermutlich muss Ja-Cheol Koo dann weichen. Hecking dazu: „Unsere Konkurrenzsituation erhöht sich durch ihn. Das brauchen wir auch, um erfolgreich zu sein.“

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