Hinterlässt diese Schmach Spuren?

+
Die totale Leere nach dem Schlusspfiff: Wolfsburgs trauriger Torschütze Diego auf dem Rasen der Münchener Allianz-Arena nach dem 1:6 im DFB-Pokal-Halbfinale. Wirkt das Debakel für den Bundesliga-Endspurt nach?

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Rausch und Katerstimmung. Während sich Spieler wie Verantwortliche des FC Bayern München an der 6:1-Gala im Halbfinale des DFB-Pokals ergötzten, wurde beim VfL Wolfsburg – na klar – Trübsal geblasen. Nichts wurde es mit dem zweiten Finaleinzug nach 1995, stattdessen ließen sich die Wölfe sogar das Fell über die Ohren ziehen.

Zerfleischen war aber nicht angesagt bei den Grün-Weißen nach der 1:6-Jagdreise. Stattdessen teils beschönigende Worte. „Wir haben die Bayern ganz gut gefordert. Am Ende haben wir den Kopf verloren und uns auskontern lassen, da war es dann eine klare Sache“, meinte Manager Klaus Allofs und versuchte die Schmach ins rechte Licht zu rücken. „Wenn man das Ergebnis für sich betrachtet, hört es sich nach einer Blamage an, das war es aber nicht.“

Letztlich ist Fußball aber ein Ergebnissport. Und das Resultat sprach nun einmal Bände. Das ließ auch Wolfsburgs Coach Dieter Hecking durchblicken. „Wenn man 1:6 verloren hat, muss man kleine Brötchen backen und dem Gegner gratulieren, der es am Ende, wo die Räume dann da waren, natürlich sensationell gut gemacht hat.“

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Teams sei die Effektivität gewesen, führte VfL-Torschütze Diego an. „Gegen Top-Teams wie Bayern muss man die Chancen, die man bekommt, nutzen. Das ist uns heute nicht gelungen.“ In der Tat besaß der Außenseiter in Hälfte eins mehrfach gute Gelegenheiten, um früher zu treffen. Der FCB hingegen erwies sich als eiskalt. Speziell Joker Mario Gomez, der seinen Gegenspieler Alexander Madlung mit einem Hattrick in nur sechs Minuten regelrecht vorführte. „Wenn man solche Stürmer hat wie wir, ist das natürlich ein Gedicht“, schwärmte Münchens Kapitän Philipp Lahm begeistert.

Bayern 2013 – das sei „fast Perfektion“, schnalzte Präsident Uli Hoeneß mit der Zunge. Davon ist Wolfsburg derzeit noch meilenweit entfernt, musste Allofs eingestehen: „Für Mannschaften unserer Kragenweite sind die Bayern kaum zu schlagen.“ Selbst der FC Barcelona hat in den Augen Allofs aktuell nicht die Qualität, den Stern des Südens vom Himmel zu holen. „Bayern wird Champions-League-Sieger, das glaube ich“, legte sich Allofs fest.

Und was wird noch aus Wolfsburg in dieser Saison? Hinterlässt die Schmach von München Spuren für die fünf verbleibenden Bundesliga-Spiele? Der Manager verneinte. „Das sind keine Dinge, die unsere Moral brechen können.“ Stürmer Ivica Olic, der keine schöne Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte erlebte, meinte vorausblickend: „Wir müssen das Spiel vergessen und am Sonnabend eine gute Leistung abliefern.“ Dann gastiert der VfL bei Werder Bremen. In diesem Fall ein Wiedersehen für Allofs, Diego und Naldo mit dem Ex-Club. Ob’s das dann auch wieder ein Spießrutenlauf wird?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare