Erstklassig! „Mehr Hardcore geht nicht“

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Wolfsburgs überglückliche und erleichterte Spieler feiern nach Schlusspfiff mit ihren Fans den Klassenerhalt in Hoffenheim.

Sinsheim. Sie haben es geschafft – und waren geschafft. Der VfL Wolfsburg war nach der Hochspannungs-Rettung in einem denkwürdigen Bundesliga-Finale überglücklich, aber auch fix und alle. 20 Minuten lang spielte in Hoffenheim der zukünftige Zweitligist. Erst mit dem Horrorszenario vor Augen schüttelten sich die Wölfe. Doppeltorschütze Mario Mandzukic und Grafite drehten den 0:1-Rückstand in einen erlösenden 3:1-Sieg.

Selbst für den abgebrühten Felix Magath war das des Guten zu viel. „Leer und erleichtert“ entzog er sich nach einigen Umarmungen kurzzeitig dem Trubel und verschwand in der Kabine. „So eine turbulente Saison habe ich noch nie erlebt.“ Auch die Spieler standen lange nach Spielende unter dem Eindruck der Achterbahnfahrt mit Wolfsburg, Mönchengladbach und Frankfurt als Passagieren. „Meine Nerven sind am Ende. Wir waren ja zwischenzeitlich abgestiegen. Viel mehr Hardcore geht nicht“, brachte es der geschaffte Arne Friedrich auf den Punkt, der wider Erwarten in der Anfangsformation stand.

Um ein Haar hätten sich die Wölfe in der 2. Liga wiedergefunden. Durch den Führungstreffer Mönchengladbachs beim Hamburger SV rutscht der optisch überlegene, aber nicht zwingend genug agierende VfL nach 43 Minuten in der Blitztabelle zunächst auf den Relegationsplatz ab.

Nach der Pause überschlagen sich die Ereignisse. In der 49. Minute gerät Wolfsburg in Rückstand, 120 Sekunden später geht Frankfurt in Dortmund in Führung. Plötzlich steht der VfL für 20 Minuten auf einem Abstiegsplatz und taumelt. Sigurdsson vergibt für Hoffenheim sogar die Großchance zum 2:0.

Dann schlägt die Stunde von (Retter) Mario Mandzukic. Nach toller Vorarbeit des eingewechselten Cicero gleicht er mit seinem ersten Auswärtstor aus (60.). Die verrückte Wendung steht noch bevor. Gladbach und Frankfurt kassieren fast zeitgleich den Ausgleich, Sekunden später trifft Mandzukic in der Wahnsinns-Phase per Kopf zum 2:1 (73.).

Grafite, der von Sacha Riether angeschossen wird, verhindert mit dem verdienten 3:1 (78.) gegen die harmlosen Hoffenheimer endgültig das Waterloo und Magaths ersten Abstieg seiner langen Trainer-Laufbahn: „Erst als wir zurücklagen und schon fast in der zweiten Liga waren, da hat die Mannschaft ein anderes Gesicht gezeigt. Die Bundesliga hat heute Geschichte geschrieben.“

Vergessen ist kurzzeitig der Eklat um Diego (siehe Text unten). Minutenlang tanzen und jubeln die Spieler vor der VfL-Fankurve. „Das war sicherlich die schwierigste Situation in meiner Karriere“, steht Riether unter dem Eindruck des Schicksalsspiels.

Für Alexander Madlung ist der Klassenerhalt beinahe mehr wert als der Titel 2009. „Im Moment fühle ich mich fast besser als nach der Meisterschaft“, sagte der Defensivstratege, der vor der Abwehr spielte und dadurch Josué überraschend auf den linke Flügel auswich. Marcel Schäfer blendete im Freudenrausch Schmerzen aus. Beim „Dive“ auf dem Rasen hatte er sich mit nackten Oberkörper eine Schramme zugezogen. „Da kann der Bauch heute auch mal aufgeschlitzt sein“, grinste der Mannschaftskapitän.

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