Veh als Entwicklungs-Helfer?

Wiedersehen macht Freude – nur für wen? Der VfL Wolfsburg (r. Josué) tritt heute Abend beim Hamburger SV mit Ex-Coach Armin Veh an und will etwas Zählbares mitnehmen.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Könnte Armin Veh einfach Teile seines Gedächtnisses löschen: Die Zeit beim VfL Wolfsburg wäre wohl im Nu eliminiert. Auch wenn er selbst davon vor dem Wiedersehen am heutigen Mittwoch (20 Uhr) in der Fußball-Bundesliga nichts wissen will:

Gegen seinen Ex-Klub geht es auch ein Stück weit um Vergangenheitsbewältigung. Na klar wurde Veh vor dem brisanten Duell mit dem Thema VfL konfrontiert. "Ich will vom Jetzt und nicht immer von früher reden", zischte der HSV-Coach. Eine Abwehrhaltung, die verrät, dass der Stuttgarter Meistertrainer dieses dunkle Kapitel in seiner Laufbahn noch immer nicht ganz verknust hat. Nicht viel länger als ein halbes Jahr durfte er als Magath-Nachfolger in Wolfsburg wirken, wurde dann mangels Erfolg entlassen. In Hamburg, so scheint es nach vier Spieltagen, ist Veh besser aufgehoben. Der HSV ist noch ungeschlagen und für seinen ehemaligen Schützlinge Edin Dzeko "ein Titelkandidat". Die Wolfsburger Spieler messen dem Duell mit dem einstigen Lehrmeister eine rein pragmatische Bedeutung bei. "Ich freue mich auf das Wiedersehen. Aber wir spielen jetzt gegen ihn", sagt Dzeko und meint damit: Geschenke aus alter Verbundenheit gibt es nicht. Sein jetziger Vorgesetzter Steve McClaren sagt: "Ich denke, es ist eher ein großes Spiel für Armin Veh als für die Spieler des VfL." Und doch ein ungemein wichtiges für die Wölfe. Der Derbysieg gegen Hannover sei zwar für alle Beteiligten eine "große Erleichterung" gewesen, doch letztlich nur ein Schritt in die richtige Richtung. "Die Spieler wissen, dass wir noch nicht viel erreicht haben, sondern dass wir gleich mit einer guten Leistung weitermachen müssen", proklamiert McClaren vor dem heutigen Auftritt in Hamburg. Die erste englische Woche in der Bundesliga für den Engländer steht an. "Ob es gut für uns ist, nun drei schnelle Spiele in Folge zu haben, wissen wir erst am Sonntag", so McClaren. Doch rein gefühlsmäßig kommt ihm die Schlag-auf-Schlag-Periode gelegen. "Je mehr Spielpraxis wir bekommen, desto schneller wird das Team sich auch finden. Deshalb kann es nicht schaden, nach dem positiven Erlebnis gleich die nächste Aufgabe anzugehen." Trotz des ersten Dreiers ist die VfL-Findungsphase längst nicht abgeschlossen. "Wir haben jetzt einmal gewonnen, aber die Arbeit hört deshalb nicht auf", mahnt McClaren. "Es geht weiterhin darum, uns zu finden und die Mannschaft zu entwickeln." Ein Erfolgserlebnis gegen den HSV würde diesen Prozess unterstützen. Und bei Armin Veh wohl alte Narben öffnen …

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