Fußball – Bundesliga: Leipzig und Wolfsburg verfolgen neuerdings gleiche Spielidee

Das Doppelgänger-Duell

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Bremen sie den Express aus? Der VfL (l. Wout Weghorst, Jay Brooks) will im Tableau vor Leipzig (Marcel Halstenberg, Willi Orban) bleiben.

Wolfsburg – Ein Vorbild? Bei dieser Frage stockt Oliver Glasner.

„Ich weiß nicht, ob Vorbild das richtige Wort ist“, entgegnet der Erfolgs-Coach des VfL Wolfsburg nach leichtem Zögern mit Blick auf das gefühlte Doppelgänger-Duell in der Fußball-Bundesliga am morgigen Sonnabend (15. 30 Uhr) in Leipzig.

Als ehemaliger Geschäftsführer und Co-Trainer in Salzburg kennt er die Philosophie der RB-Fußball-Familie nur allzu gut und hat diesen Spielstil im Sommer auch mit nach Wolfsburg gebracht. Geprägt von einer aggressiven Balljagd und einem schnellen Konterspiel. Doch ein unmittelbarer Vergleich zu RB Leipzig, in dieser Hinsicht ohne Frage ein Vorzeige-Beispiel, fällt Glasner dann doch schwer. Doch ein anerkennender Blick rüber nach Sachsen sei schon erlaubt, meint Wolfsburgs Coach: „Wenn ein Verein Jahre an einer Idee festhält wie Barcelona oder Amsterdam, diese konsequent durchzieht, sein Personal – klar auch mit entsprechenden finanziellen Mitteln – danach aussucht und binnen weniger Jahre von der 4. Liga in die Champions League kommst, kannst du schon mal hinsehen und dir das eine oder andere rausnehmen.“

Letzten Endes verfolgt der Österreicher den recht deckungsgleichen Plan auch erst seit Sommer an der Aller. Wolfsburg steckt also spieltechnisch noch in den Kinderschuhen. Beim Pendant aus Leipzig hingegen sei die Spielidee „über Jahre gewachsen. Sie haben sehr wenige Neuverpflichtungen, der Großteil der Mannschaft ist schon lange beim Club, hat das seit Jahren eingeimpft bekommen. RB feilt seit Jahren an der Idee und will sie immer wieder verbessern.“ Mit dem hochgepriesenen Trainer-Jungspund Julian Nagelsmann sei ein weiteres Element hinzugekommen, meint Glasner.

Dennoch: In der Tabelle stehen die Wölfe nach sieben Spieltagen vor RB. Der VfL-Übungsleiter ordnet die eigentlichen Kräfteverhältnisse anders ein: „Der größte Unterschied ist das Anspruchsdenken. RB hat klar kommunziert, heuer um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Soweit sehen wir uns (noch) nicht.“ Dabei ist Wolfsburg unter seiner Regie seit stolzen 19 Spielen noch ungeschlagen. Ein Fakt, auf den Glasner eigentlich nicht schaut, mittlerweile aber kaum drumherum kommt. „Ihr macht mich ganz nervös damit. Sogar vor dem Kiel-Spiel habe ich daran gedacht, obwohl es im Test nicht um Ergebnisse geht.“ Das Thema wäre schlichtweg allgegenwärtig. Und kann es in seinen Augen auch gern bleiben. Denn Glasner formuliert, vermeintlicher Außenseiter hin oder her, auch an den Start der intensiven Herbstwochen das klare Ziel: „Wir wollen auch in Leipzig drei Punkte holen, wissen aber, dass die Trauben dort sehr hoch hängen und wir eine absolute Top-Leistung brauchen.“ RB stehe für ein extremes Tempo in allen Mannschaftsteilen und hätte, das bekräftigte Glasner, jedes einzelne der drei sieglosen Spiele zuletzt gewinnen können. „Sie hatten beim Stand von 0:0 jeweils Riesenchancen.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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