Fußball – Europa League: Aber VfL bleibt auch in Saint-Etienne ungeschlagen

Mon Dieu! Fehlpass-Festival beim 1:1

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Die einzige Chance in Hälfte zwei: VfL-Stürmer Wout Weghorst (M.) taucht in der 46. Minute vor dem Tor auf, danach fand Wolfsburg offensiv nicht mehr statt.

Saint-Etienne – Ein Amuse Gueule (französisch für Gaumenfreude) war dieser Auftritt ganz gewiss nicht. Eher ein fußballerisches Malheur. Klingt drastisch, war aber in weiten Teilen so.

Wenngleich sich der VfL Wolfsburg an seine Unbesiegtheit-Serie unter Trainer Oliver Glasner klammern kann, so stellte das gestrige 1:1 (1:1) beim zweiten Europa League-Auftritt bei AS Saint-Etienne einen spielerischen Offenbarungseid der Wölfe dar. Das Positivste am Fehlpass-Festival im vermeintlich schwierigsten Auswärtsspiel: der Punktgewinn, der dem Bundesliga-Siebten die Tabellenführung in der Gruppe I bewahrte.

Schlag ein! Wolfsburgs William (l.) klatscht nach seinem Treffer zum 1:1 mit Jeffrey Bruma ab.

Die frühe Führung der Franzosen durch den Ex-Gladbacher Timothée Kolodziejczak (13.) glich Wolfsburgs William nur zwei Minuten später schon wieder aus (15.). Vor den beiden Duellen mit dem belgischen Club KAA Gent steht der VfL mit vier Punkten aus zwei Spielen gut da und ist insgesamt unter Glasner schon seit neun Pflichtspielen ungeschlagen.

Auch bei einem der populärsten Vereine Frankreichs lockte die Europa League nur 24.815 Fans in das für 42.000 Besucher ausgelegte EM-Stadion Geoffroy-Guichard. Doch die machten dafür Lärm wie andernorts die doppelte Anzahl Zuschauer. Bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellungen pfiffen die Anhänger von ASSE jeden einzelnen Wolfsburger lautstark aus – bis auf einen: VfL-Kapitän Josuha Guilavogui spielte früher mehr als acht Jahre für Saint-Etienne und ist dort immer noch sehr populär. Mehr als 70 Freunde und Familienmitglieder lud er zu diesem besonderen Spiel ein.

Mit Haken und Ösen: Maximilian Arnold (l.).

Von der lautstarken Atmosphäre ließen sich die Wolfsburger nicht beeindrucken. Saint-Etienne hatte mit Tunesiens WM-Spieler Wahbi Khazri und Frankreichs U21-Nationalspieler Arnaud Nordin zwei sehr bewegliche und trickreiche Offensivspieler und war nach seinem desaströsen Fehlstart in Ligue 1 und Europa League auch erkennbar motiviert. Doch der VfL verteidigte von Beginn an konzentriert und konsequent – wenn man einmal von der missglückten Faustabwehr von Torwart Pavao Pervan vor dem 1:0 der Franzosen absieht.

Daran änderte sich auch nichts, als Abwehrchef Jeffrey Bruma von seinem Gegenspieler Robert Beric mit dem Ellbogen getroffen wurde (40.) und mit einem Kopfverband weiterspielen musste – bei genauerer Betrachtung ein rotwürdiges Vergehen. Nur im Spiel nach vorne waren die Wölfe nahezu unsichtbar und fehlerhaft. Der für den verletzten Admir Mehmedi aufgebotene Felix Klaus hatte unmittelbar nach der Pause die bis dahin beste Chance des VfL (46.).

Ein Strohfeuer und andersherum ein Hallo-Wach-Signal für Saint-Etienne: Die Franzosen hielten Wolfsburg in der Folge von der Gefahrenzone fern und entfachten selbst immerhin in der Schlussviertelstunde noch einmal Druck. Der fahrige und uninspirierte VfL lief Gefahr, selbst das Remis noch zu verspielen. Auch noch in der Nachspielzeit, als ASSE dem 2:1 nahe war. Mit dem Punkt konnten die Gäste ergo am Ende deutlich besser leben.

dpa/ib

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