Wo ist Diego und wo bleibt der Held Magath?

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Über 2000 Schlachtenbummler begleiteten ihren VfL Wolfsburg zum Abstiegsfinale bei der TSG Hoffenheim und feierten am Ende ihren Helden Felix Magath.

Sinsheim - Von Eike Hoppmann. Dutzende Journalisten warten weit nach Spielschluss auf die Pressekonferenz, doch Felix Magath ist nicht da. Die Anzeigentafel in der Rhein-Neckar-Arena zeigt einen leeren Stuhl. Den Gesuchten findet man schließlich bei den Wolfsburger Fans. Von Sprechchören gefeiert, singen Magath und Anhänger gemeinsam, als wären sie gerade Meister geworden.

Während des Spiels konnte man jedoch noch einen ganz anderen Eindruck gewinnen, ein Wechselbad der Gefühle zwischen Freude, Leid und Depression.

Während der Eurovision Songcontest unter dem Motto „Feel your heart beat“ (fühle dein Herz schlagen) lief, lautete das Wolfsburger Motto „Niemals, niemals, absteigen“. Beinahe alle zwei Minuten skandierten die mitgereisten Fans aus der Autostadt die drei Wörter. Verwunderung herrscht im Block über den Kader. Wo ist Diego? Warum ist er nicht dabei? Von seiner Flucht aus dem Hotel weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht jeder.

Als in Sinsheim der Halbzeitpfiff ertönt und bis dato alles für die Wölfe noch möglich ist, folgt dann der Schock: Gladbach führt in Hamburg. Ein Anstoß für einige Wolfsburger Chaoten, mächtig Randale zu betreiben. Frankfurter Fans zeigten in Dortmund einen Banner mit der Aufschrift „Randalemeister“. Diese Chaoten, so wirkt es, hätten diesen wenig ruhmreichen Titel wohl auch gern errungen und stehen den Frankfurtern in kaum etwas nach, als Anfang der zweiten Halbzeit bengalische Feuer gezündet werden. Die Stimmung eskaliert.

Zeitgleich erscheint die Führung der Eintracht auf der Anzeigentafel. Die durch die vorherigen Aktionen aufgehetzten Hoffenheimer antworten mit „Absteiger“-Sprechchören und bringen alle Wolfsburger mit provokanten Gesten gegen sich auf. Das Fass ist am Überlaufen. Die Blitztabelle bringt traurige Gewissheit: Platz 17. Gegenstände fliegen.

Felix Magath zerreißt auf der Gegenseite beinahe seine Trainerbank. Ein Wunder, dass sie noch steht. In der Folge überschlagen sich die Ereignisse: Drei Tore sowie die Ergebnisse aus Dortmund und Hamburg sorgen für grün-weiße Erleichterung.

„Nie mehr 2. Liga“ ertönt um 17.10 Uhr. Spätestens jetzt wissen alle, dass in der nächsten Spielzeit kein Derby gegen Braunschweig auf dem Plan steht. Nach einer Minute Nachspielzeit ist es vorbei. Erleichterung pur!

Der gesamte Kader erscheint vor der Kurve, Grafite probiert sich vor über 2000 mitgereisten Fans als Vorsänger. Gut fünf Minuten später verschwindet die Mannschaft wieder in den Katakomben. Nicht so die Fans, die noch ein Ziel haben: „Wir wollen den Trainer sehen“, wird minutenlang gesungen und gefordert. Ohne ihrem Helden zu danken, will keiner die Rückreise antreten.

Der Schlusspfiff ist seit 15 Minuten verhallt, als der Retter quer über den Rasen langsam und mit fröhlicher Miene Richtung Kurve trabt. Die Genugtuung ist in seinem Gesicht abzulesen. Er singt leise mit – die Anti-2.Liga-Gesänge. Eine letzte LaOla-Welle und langsam geht er zurück – im Presseraum wartet schließlich noch eine Reihe Journalisten. Magath hat ihnen einiges zu erzählen...

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