Fußball-Bundesliga: VfL-Chaostage gehen durch Offenbarungseid gegen HSV weiter / Abstieg droht

Das blanke Entsetzen in Wolfsburg

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Seine Rettungs-Mission droht zum völligen Desaster zu werden: VfL-Trainer Bruno Labbadia beim HSV-Offenbarungseid.

ib/dpa Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg im April 2018: ein Bild des Jammers. Die Chaos-Tage beim Pokalsieger von 2015 setzten sich am Samstag mit dem absolut ernüchternden 1:3-Tiefschlag im direkten Duell mit dem Hamburger SV unvermindert fort.

Vom frenetisch-aufbegehrenden HSV-Anhang einmal abgesehen, machte sich in der VW-Arena eine Weltuntergangs-Stimmung breit. Den Grün-Weißen droht erstmals der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga – und zwei Spieltage vor Schluss wirkte es bei allen Beteiligten ganz so, als sei dieser Worst Case schon eingetreten.

Während der HSV den Rückstand auf die Wölfe auf zwei Zähler verkürzte und die Hoffnung auf die Wunder-Rettung nährte, saß dem VfL der Schock sicht- und spürbar in den Gliedern. „Wir liegen jetzt ein Stück weit am Boden“, bekräftigte Bruno Labbadia. Er hat seine Feuerwehrmann-Qualitäten offensichtlich eingebüßt. Nur ein Sieg aus neun Spielen – kein Trainer in der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte weist eine schlechtere Anfangs-Bilanz auf. VfL-Eigengewächs Maximilian Arnold äußerte sich, mit dünner Stimme und bleichem Gesicht, drastisch: „Es ist einfach eine Scheiß-Situation.“ Zumal gestern auch noch Mainz 05 gewann – Wolfsburg als großer Verlierer des Spieltags!

Das brachte auch beim kritischen, aber wenig aggressiven Publikum das Fass zum Überlaufen. Nach der kaum spürbaren Gegenwehr der VfL-Profis versuchten Vermummte, das Spielfeld zu stürmen und ließen sich vom Trio Arnold, Paul Verhaegh und Max Grün kaum beschwichtigen. Labbadia konnte den sich entladenen Frust nachvollziehen: „Das müssen wir akzeptieren. Ich bin hier viel am Laufen in der Stadt – so blöd es klingt, aber die Leute sind immer sehr positiv gewesen. Aber wir haben kein Ergebnis geliefert.“ Dennoch habe es der VfL noch immer selbst „in der Hand. Komplett freimachen kann man sich nie von so einer Situation. Aber es liegt an uns, wieder aufzustehen.“

Dennoch: Ein beispielloser Niedergang begann und könnte in zwei Wochen nach dem letzten Saisonspiel gegen Absteiger 1. FC Köln einen negativen Höhepunkt erleben. Auch Folge eines Kompetenz-Vakuums in jüngster Vergangenheit. Erst in der Vorwoche ließ sich VW-Vorstandsmitglied Frank Witter als neuer VfL-Aufsichtsratschef bei den öffentlich gewordenen Verhandlungen mit Hannovers Manager Horst Heldt von 96-Clubchef Martin Kind vorführen. Durch das Heldt-Fiasko war auch der bisherige, seit Wochen in der Kritik stehende Manager Olaf Rebbe nicht mehr zu halten. „Ihn heute hier zu haben auf der Bank, hätte es auch nicht besser gemacht“, sagte Clubchef Wolfgang Hotze dem Sender Sky. „Dass dieser Zeitpunkt jetzt nicht optimal gewählt ist, war uns klar.“

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