Abstiegsangst! Pfälzer Medusa versteinert VfL

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Fassungslosigkeit und Ersetzen machte sich nach Wolfsburgs 1:2-Pleite breit: VfL-Angreifer Mario Mandzukic, Torschütze des zwischenzeitlichen 1:0, hockt deprimiert am Boden. Im Hintergrund liegen sich die Lauterer Spieler in den Armen.

Wolfsburg - Von Ingo Barrenscheen. Martin Amedick hat eine wallende Mähne. Schlangenhaare freilich nicht. Und doch mutierte er zur Medusa aus der Pfalz. Wie die Fabelfigur aus der griechischen Mythologie ließ er die Wölfe samt ihrer Fans zu Stein erstarren. Der VfL Wolfsburg nach der 1:2-Pleite gegen den 1. FC Kaiserslautern im Angesicht des Abstiegs in Schockstarre!

Das pure Kontrastprogramm zu 2006. Damals bejubelten die Grün-Weißen durch ein 2:2 den Ligaverbleib, während der FCK runter musste. Am 7. Mai 2011 indes zelebrierten die Roten Teufel an selber Wirkungsstätte mit ihrem Anhang genüsslich die erhaltene Erstklassigkeit. Während beim VfL wieder Alarmstufe Rot herrscht vor dem letzten Zitter-Spieltag in Hoffenheim. Angesichts der grundverschiedenen (wirtschaftlichen) Voraussetzungen klang das Fazit von Lauterns Coach Marco Kurz irgendwie auch wie eine Spitze in Richtung Wolfsburg. „Es ist nicht selbstverständlich als Kaiserslautern, jetzt schon sagen zu dürfen, dass wir gerettet sind.“ Erschüttert reagierte hingegen Felix Magath auf die weggeworfene Chance, vorzeitig das Horror-Szenario abzuwenden: „Wir haben den Klassenerhalt selbst verdaddelt.“

Dabei schienen die Wölfe im neuen Grashüpfer-Gewand an den alten Aufwärtstrend der Vorwochen nahtlos anzuknüpfen. Gleich die erste Chance von Mr. Heimspiel Mario Mandzukic saß (6.). Beflügelt durch die frühe Führung drängte Wolfsburg weiter. Doch statt des 2:0 fiel wie aus heiterem Himmel der Ausgleich. Ausgerechnet durch Srdjan Lakic, der in der kommenden Saison in der VW-Arena häufiger für Tore sorgen soll. Am Sonnabend sparte sich der künftiger VfL-Stürmer aus Pietäts-Gründen Jubel-Exzesse.

Nun offenbarte sich, wie brüchig Wolfsburgs Selbstvertrauen noch immer ist. Das Gegentor lähmte die wankelmütigen Wölfe. Der zweite Nackenschlag direkt vor der Pause durch den unbewachten Amedick ließ die Magath-Mannen dann wie beim Anblick ins hässliche Antlitz der griechischen Fabel-Frau Medusa gänzlich zu Salzsäulen erstarren.

Der Trainer fassungslos: „Wir haben so gut agiert. Es ist schwer zu akzeptieren, dass wir durch zwei Standards den Vorsprung wieder abgegeben haben.“ Seiner Meinung nach wähnten sich die Wölfe schon in Sicherheit. „Einige Spieler haben wohl nach der Führung gedacht, die Saison sei schon vorbei.“

Vorbei war es in der zweiten Halbzeit aber nur mit klaren Konturen im VfL-Spiel. Sicherlich: Die Hausherren lagen am Ende in jeder Statistik teils klar vorn. Bis auf die eine entscheidende... „Dass nach Toren die Linie fehlt, ist völlig normal. Wir haben nicht mehr die richtigen Mittel gefunden, um durchzudringen“, so Magath. Sascha Riether rauschte in der 89. Minute haarscharf am 2:2 vorbei. Vielleicht wäre es ein wertvoller Punkt gewesen, die Rettung aber hätte er noch nicht gebracht.

So klammerten sich die geschockten Grashüpfer an den 15. Rang, den sie noch inne haben. Kapitän Marcel Schäfer: „Das einzig Positive ist, dass wir noch über dem Strich stehen und es selbst in der Hand haben.“

Das Spiel im Stenogramm:

VfL Wolfsburg: Benaglio – Riether, Kjaer, Friedrich, M. Schäfer – Josué, Hasebe (65. Cicero), Dejagah (50. Koo) – Diego – Mandzukic, Helmes (81. Madlung).

1. FC Kaiserslautern: Trapp – Kirch, Amedick, Rodnei, Jessen – Petsos, Tiffert – Walch (79. De Wit), Hlousek (57. Amri) – Moravek (46. Nemec), Lakic.

Tore: 1:0 Mandzukic (6.), 1:1 Lakic (25.), 1:2 Amedick (44.).

Gelbe Karte: de Wit.

Zuschauer: 30.000 (ausverkauft).

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg).

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