AZ-Nachschuss: Eddelstorfer Fankultur in Dortmund – da muss sogar Jürgen Klopp schmunzeln

Zettelwirtschaft und Oldie-Power

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Zettelwirtschaft: Vor einer Einwechslung erhalten die Emmendorfer Landesligaspieler (hinten Mitte Hannes Helmke) vom Trainer zwecks Nachhaltigkeit eine schriftliche Zusammenfassung über das taktische Verhalten bei Standardsituationen. Coach Danny Torben Kühn (vorn Mitte) erklärt: „Ich überlasse nichts dem Zufall.“

kl/am/dlp Uelzen/Landkreis. Ein Oldie, der beim TSV Wrestedt/Stederdorf in der 2. Fußball-Kreisklasse wie ein Jungspund auf Torejagd geht, belesene Emmendorfer Landesliga-Kicker und ein stimmgewaltiger Eddelstorfer Fan-Chor im Dortmunder Signal Iduna Park.

Uelzener Kicker haben auch am vergangenen Wochenende wieder für bunte Geschichten auf und neben dem Rasen gesorgt – der AZ-Nachschuss hat sie gesammelt.

Er war zusammen mit Mittelfeld-Arbeitsbiene Jonah Burmester der Vater des Wrestedter 3:1-Sieges im Spitzenspiel gegen den SC Uelzen II. Sven Retzlaffs Doppelpack ebnete den Schwarz-Gelben den Weg Richtung Tabellenspitze der 2. Kreisklasse Süd.

Retzlaff (42) erst kürzlich zugezogen und zuletzt beim TV Jahn Schneverdingen aktiv, war eigentlich für die Altliga eingeplant. Da spielt er auch (markierte am Freitagabend gegen die SG Wriedel übrigens auch zwei Buden), aber nun eben auch in der ersten Mannschaft des TSV.

„Wir haben noch einen Stürmer gesucht und Sven hat sofort zugesagt“, freut sich Co-Trainer Timo Bielesch über die unverhoffte Verstärkung.

Retzlaff bewies bei seinen beiden Toren Kälte im Abschluss. Zunächst legte er in aller Ruhe den Ball an den herausstürmenden Sportclub-Torwart Dimitri Stork vorbei, später setzte er sich energisch gegen SC-Verteidiger Idris Caran durch und netzte aus acht Metern ein.

Das Vorbereitungs-Trainingslager beim Niedersächsischen Fußballverband in Barsinghausen hatte sich der SV Emmendorf als landesweiter Fairnesssieger der letzten Saison verdient, jedoch etwas anders vorgestellt. Die Mannschaft konnte nur auf Kunstrasen trainieren, später stand sogar nur ein Mini-Soccer-Court zur Verfügung. Trainer Danny Torben Kühn zeigte sich gegenüber der AZ trotz bester Rahmenbedingungen etwas enttäuscht („Dadurch wurden unsere Einheiten über den Haufen geworfen“). Und ist nun umso überraschter! Als eine Art Wiedergutmachung schickte der NFV den Emmendorfern unverhofft einen Sack mit zehn hochwertigen Bällen. „Mega“, lobt Kühn die noble Geste des Verbands.

Niklas Kahlmann, Marco Salein, Tobi Wendt und Martin Escher vom SV Eddelstorf waren live im Stadion beim Abschiedsspiel von Borussia Dortmunds langjährigem Torwart Roman Weidenfeller. „Dort sind wir zur Westtribüne gegangen, wo die Interviews stattfanden“, schildern die vier Kicker. „Und dann haben wir bei Jürgen Klopp und Roman Weidenfeller jeweils unseren Gesang zum Allerbesten gegeben. Kloppo hat auch etwas verdutzt geguckt, dann aber geschmunzelt“, haben die stimmgewaltigen Eddelstorfer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Vor einer Einwechslung gibt es für die Emmendorfer Landesliga-Fußballer erst noch etwas Lektüre. Trainer Danny Torben Kühn drückt seinen Einwechsel-Kandidaten einen großen Zettel in die Hand, den die dann interessiert studieren müssen. „Da stehen vier Spielfelder drauf für die Positionen bei Standards“, erklärt Kühn, der damit hofft, erneute Gegentreffer nach ruhenden Bällen zu verhindern. Kühn: „Ich überlasse nichts dem Zufall.“

Für Irritationen bei örtlichen Politikern hat ein Beitrag im AZ-Nachschuss vom 21. August gesorgt, weil Friedhelm Knüppel, der Pressewart des TuS Bodenteich, nach eigenem Bekunden irrtümlich zum Teil unrichtige Aussagen getroffen hat. Die Anschaffung von zwei Rasenmäher-Robotern hatte er damit begründet, dass der Flecken Bad Bodenteich die Unterstützung bei der Platzunterhaltung weitgehend eingestellt habe und die Mäharbeiten nicht mehr durchführe/finanziere. Knüppel: „Das ist so nicht richtig. Zwar musste der Flecken die Zuwendungen für die Platzunterhaltung an den TuS Bodenteich in den letzten Jahren etwas reduzieren, trotzdem erfährt der Verein immer noch die größtmögliche Unterstützung des Fleckens für die Unterhaltung der Vereinsanlagen im Waldstadion.“ Der Pressewart der Blau-Weißen bedauert seine aus Unkenntnis getätigten Falschaussagen: „Ich entschuldige mich dafür in aller Form bei den Betroffenen.“

Für Marlon Rötschke ist die Tätigkeit als Torwarttrainer beim Landesligisten SV Emmendorf kurz nach dem Saisonstart schon wieder beendet. Der Student in Hannover schafft es zeitlich nicht und hat seinen Posten an den ehemaligen Emmendorfer Schlussmann Torben Lange abgegeben, der bereits die erste Einheit mit den Keepern um David Meyer leitete. Mit Erfolg: Emmendorfs Nummer 1 ließ gegen Gellersen (2:0) erneut keinen Gegentreffer zu.

Nachwuchsspieler zeigen Eltern die grüne Karte bei den bundesweiten Fair-Play-Tagen: Auch in Uelzen waren und sind am vergangenen und am kommenden Spieltags-Wochenende (15./16. September) alle G- und F-Junioren-Mannschaften aufgerufen, den eigenen Eltern, Großeltern, Verwandten oder Bekannten vor dem Spiel symbolisch die grüne Fair-Play-Karte zu zeigen.

Neben der prägnanten Aufschrift „Fair bleiben, liebe Eltern“ auf der Vorderseite der Karte finden sich auf der Rückseite noch fünf pointiert formulierte Verhaltenstipps, von „Danken statt zanken“ über „Loben statt toben“ bis „Vorbild statt fuchsteufelswild“.

Walter Fricke, Vorsitzender des NFV-Jugendausschusses, erklärt: „Im Fußball soll es fair zugehen – und dazu gehören nicht nur die Spieler und Trainer, sondern auch die Zuschauer. Übertriebener Ehrgeiz von Eltern ist deshalb ein schlechter Ratgeber. Im Mittelpunkt sollen das Wohl der Kinder und ihre Freude am Fußball stehen.“

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