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Kippgefahr...! Die Extrarunden des NFV sehen Kritiker als Schachzug, das Meinungsbild innerhalb der Vereine doch noch umzustoßen.
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Kippgefahr...! Die Extrarunden des NFV sehen Kritiker als Schachzug, das Meinungsbild innerhalb der Vereine doch noch umzustoßen.

Uelzen/Landkreis – Jetzt gibt es sogar für die Hängepartie eine Hängepartie: Das erdrückend deutliche Meinungsbild der 33 niedersächsischen Fußballkreise, die ausgesetzte Saison abzubrechen, führt nicht zu einer schnellen Lösung.

Der Landesverband (NFV) spielt den Ball zurück in die Vereine und hofft offenbar, dass sich doch noch eine Hintertür für seinen Vorschlag pro Saisonfortführung öffnet.

In den Fußballkreisen sollen jetzt die Varianten eines Saisonabbruchs bei den Amateuren von der Oberliga abwärts verfeinert werden – und dabei den Kickern ein Licht aufgehen, dass dies vielleicht doch nicht die beste Lösung sei. Zumal das klare Votum gegen die von oberster Stelle angestrebte Saisonfortsetzung letztlich auch als Retourkutsche von Vereinen zu bewerten sei, die sich durch fehlende Transparenz und schlechten Informationsfluss des NFV überrumpelt fühlten.

Wie der Fahrplan bis zur endgültigen Entscheidungsfindung aussieht, will der NFV den Kreisvorsitzenden heute in einer nächsten Videokonferenz des Verbandsvorstandes aufzeigen.

Christian Röhling, Boss des hiesigen Heide-Wendland-Kreises (HWK), hatte dafür am vergangenen Freitag bei der letzten NFV-Videoschalte angeregt, schriftliche Infos an die rund 2600 Vereine im Land zu versenden – natürlich auch an die rund 1000 Klubs, die sich an der ersten Stimmungsumfrage nicht beteiligt haben. Anschließend könnten die Kreisverbände nochmals mit den Vereinen in Dialog treten. Im HWK vielleicht „in ein, zwei Wochen“, sagt Röhling. Und vielleicht nochmals mit Abstimmung über Ende oder Fortführung der Saison. Röhling, der sich persönlich als Abbruchbefürworter geoutet hat, macht jedoch deutlich, dass sich der HWK über die Vereine nicht hinwegsetzen werde.

Drei Szenarien stünden demnach auf dem Zettel:

.  Abbruch mit Annullierung ohne Auf- und Absteiger, als hätte die Saison gar nicht stattgefunden.

.  Abbruch mit jeweils zwei Auf- und Absteigern.

.  Abbruch mit zwei Aufsteigern und ohne Absteiger.

Dass auch die Varianten nicht ohne Nebenwirkungen blieben, soll den Klubs bei näherem Betrachten jetzt klargemacht werden. Der NFV-Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani (Melbeck) zeichnet nur eine realistische Möglichkeit einer Abbruchswertung: die Quotientenregelung mit Auf- und Absteigern. Stebani: „Das ist die sauberste Regelung. Was gespielt ist, ist gespielt!“

Was viele Vereine zudem noch nicht wüssten: Ein Abbruch sei nicht so mir nichts, dir nichts herbeizuführen. Diese Entscheidung muss ein außerordentlicher Verbandstag treffen – der hat allerdings laut Satzung eine Ladefrist von zehn Wochen! Stimmt der NFV-Verbandsvorstand also frühestens Mitte Mai dafür, einen solchen einzuberufen, wäre der nach aktuellem Stand vor Anfang August nicht machbar.

Trotz aller Schachzüge des NFV, der mehrfach betonte, sich nicht gegen die Mehrheit der Klubs stellen zu wollen, erwartet Stebani keinen nennenswerten Meinungsumschwung im Klublager. „Es wird wahrscheinlich einen außerordentlichen Verbandstag geben.“ Dort versammeln sich dann – mutmaßlich per Videokonferenz – 200 Delegierte der Mitglieder aus den Kreisen, die Mitglieder des Verbandsvorstandes, je drei Delegierte der vier Bezirke und je ein Vertreter der Vereine, deren Mannschaften von der Oberliga Niedersachsen aufwärts spielen.

VON BERND KLINGEBIEL

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