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Wierener Rainer Struck und Mark-Michael Schütze bringen Hilfsgüter an ukrainische Grenze

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Von: Arek Marud

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Zwei Freunde stehen zwischen zwei mit Hilfsgütern vollgepackten Kleinbussen.
In zwei bis oben hin vollgepackten Kleinbussen brachten Mark-Michael Schütze (rechts) und Rainer Struck Hilfsgüter an die ukrainische Grenze © Privat

Mit dem Vereins- und Firmenbus auf humanitärer Mission: Rainer Struck und Mark-Michael Schütze vom TuS Wieren brachten Hilfsgüter an die ukrainische Grenze und nahmen auf dem Rückweg ukrainische Familien mit.

Wieren - Flüchtlinge statt Fußballer, Babynahrung statt Fußbällen. Rainer Struck hat vor einigen Tagen den Vereinsbus des TuS Wieren in einen Hilfstransporter umfunktioniert. Die Idee dazu hatte sein langjähriger Mitspieler Mark-Michael Schütze. Der Elektromeister hatte seinen Firmenbus ebenfalls zur Verfügung gestellt. Nach einem WhatsApp-Aufruf konnten sich die Beiden vor Sachspenden kaum retten. „Die Resonanz war riesig. Wir konnten nicht alles unterbringen“, imponierte Struck die Hilfsbereitschaft von Nachbarn, Freunden und Bekannten.

Vollgepackt bis unters Dach brachen sie mit Windeln, Hygieneartikeln, Babynahrung und Decken zu ihrer 14-stündigen Fahrt nach Tomaszów Lubelski auf – eine Stadt im Südosten Polens, wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Bei einem Zwischenstopp in Berlin wurden die Brüder Jürgen Struck und Jan-Karsten Schütze eingesammelt, um sich auf der langen Strecke beim Fahren abzuwechseln. Mitten in der Nacht kamen sie an einer zentralen Sammelstelle an, luden dort die Hilfsgüter ab und konnten sich zu ihrer Überraschung in einer extra für die Helfer bereitgestellten Unterkunft ein wenig ausruhen.

Angst vor Menschenhändlern

Der schwierigere Teil der Reise stand aber noch bevor. Auf dem Rückweg nahmen sie drei ukrainische Familien mit. Drei Mütter und sechs Kinder aus Kiew und Charkiw. „Nach fünfstündiger Fahrt wurde den Familien mulmig. Sie waren unsicher, wer wir sind und was wir vorhatten. Auf dem Parkplatz wurde wild gestikuliert. Sie dachten, wir wären Menschenhändler“, schildert Struck, der die Sorgen der verängstigten und verunsicherten Flüchtlinge nachvollziehen konnte. „Wir waren ja vier Männer...“

Bombe bei der Flucht aus Charkiw

Die Wierener versuchten es mit dem Google-Übersetzer und Familienfotos auf ihren Facebook-Profilen. Vergebens. Eine Familie bat um einen Zwischenstopp am Bahnhof in Posen.

Erst ein Anruf einer aus Wieren stammenden Russin beruhigte während der Weiterfahrt die beiden verbliebenen Mütter. „Da war das Eis gebrochen. Es gab Gelächter“, war Struck heilfroh, dass sich die Bedenken zerstreut hatten. Doch das Lachen verging allen schnell wieder. „Sie haben nur von Krieg erzählt. Eine Familie flüchtete aus Charkiw, als neben ihnen eine Bombe einschlug“, schildert der 53-jährige die fürchterlichen Erlebnisse der Flüchtlinge.

Emotionaler Abschied am Uelzener Bahnhof

Als sich auf dem Rückweg nach Deutschland herausstellte, dass die Unterkünfte in Braunschweig und Hannover voll waren, griff Plan B. Dirk Mädge aus Holdenstedt hatte sich im Vorfeld bereit erklärt, die Flüchtlinge im Notfall vorübergehend aufzunehmen. „Wir kamen bei ihm um 4.30 Uhr morgens an. Die Gäste wurden mit offenen Armen empfangen“, war Struck erleichtert.

Nach zwei Tagen ging es für die Familien mit dem Zug zu Bekannten nach München. Beim Abschied kam zu emotionalen Szenen. Struck hatte beim Aufräumen des Vereinsbusses ein Stofftier eines der Kinder gefunden und übergab es am Bahnhof in Uelzen: „Wir lagen uns heulend in den Armen.“

Auch zur dritten, in Polen gebliebenen Familie hat Struck über Facebook Kontakt. Die Vorbehalte sind längst ausgeräumt: „Die Tochter schrieb mir, dass wir eingeladen sind, falls wir irgendwann mal in der Ukraine Urlaub machen wollen.“

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