Amateur-Spiele live im Netz: Verband lobt Vorteile, Teutonia und Bodenteich sehen auch Gefahren

Nie wieder nasse Füße beim Fußball

Uelzen/Barsinghausen. Der kleine Fußball auf dem großen Bildschirm: Wenn ab Anfang Februar in der Regionalliga Nord und Oberliga Niedersachsen der Ball wieder rollen wird, dann müssen sich die Fans nicht mehr unbedingt kalte oder nasse Füße holen auf dem Sportplatz.

Den Amateur-Fußball aus der 4. und 5. Liga gibt’s dann per Livestream oder auf Abruf im Internet.

In diesen beiden Ligen sowie in den Staffeln Nord und Süd Bayernliga startet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammen mit dem Technologie-Unternehmen Wige Media auf Sporttotal.tv eine Pilotphase mit Livestreams. „Wir wollen unseren höherklassigen Amateurvereinen mit diesem freiwilligen Angebot eine Möglichkeit bieten, zusätzlich Imagewerbung zu betreiben und medial noch stärker vertreten zu sein“, jubelt Karl Rothmund, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV).

Bei Teutonia Uelzen, die im letzten Jahr noch in der übertragungs-relevanten Oberliga Niedersachsen spielte und die sofortige Rückkehr in die 5. Liga in dieser Saison noch nicht abschreiben muss, ruft das Vorhaben zwiegespaltene Gefühle hervor. Trainer Benjamin Zasendorf: „Das hat Vor- und Nachteile!“

Positiv sei die damit verbundene Wertschätzung und Aufwertung des Amateurfußballs inklusiver seiner Spieler. Zasendorf denkt zudem praktisch: „Ich kann mir dann bequem alle gegnerischen Mannschaften anschauen und muss nicht mehr herumfahren.“

Auf die Zuschauerzahlen auf den Dorfsportplätzen und in den kleinen Stadien dürften die Liveübertragungen hingegen noch weiter drücken. Zasendorf: „Die werden auf Dauer dann wohl noch schlimmer.“

Auch Bodenteichs Trainer Daniel Fleischer hält den Ball vorerst flach: „Ich schreie nicht gleich ,Hurra!“ Sechstligist TuS steht dem Schnupperangebot wie sein Ligarivale Teutonia im Uelzener Fußball sportlich betrachtet am nähesten.

Fleischer hat die selben Befürchtungen wie sein Uelzener Kollege: Nach der Aufsplittung der Bundesliga-Spieltage über das gesamte Wochenende könnten Liveübertragungen im Amateurbereich für zusätzlichen Zuschauerschwund sorgen. Fleischer sieht dennoch Gutes: „Natürlich ist das ein auch schönes Angebot. Zum Beispiel für Fußballfans, die ihre Heimat verlassen haben und die Spiele ihrer Mannschaft im Internet sehen können.“

Der NFV hat den niedersächsischen Oberligisten das Portal sporttotal.tv beim halbjährlichen Staffeltag präsentiert. Den Klubs entstünden während der Testphase keine Kosten, die Teilnahme ist freiwillig. Rothmund: „Nach der halbjährlichen Testphase wissen wir, ob die Idee funktioniert und auf die Zustimmung der Vereine trifft.“

Dem Zuschauer sollen zwei Versionen zur Verfügung stehen: Eine kostenfreie, die zur Finanzierung Werbeeinblendungen enthält. Und eine Bezahlversion, die ohne Werbung auskommt. Nach der Pilotphase werde entschieden, ob die Technologie in weiteren Ligen und Spielklassen zum Einsatz kommt.

Die Kamera wird idealerweise auf Höhe der Mittellinie erhöht angebracht. Sie muss lediglich angeschaltet werden – die Technik ist vollautomatisiert, funktioniert ohne weitere Bedienung und überträgt in HD-Qualität. Die Software ist in der Lage, dem Spielgeschehen vollautomatisiert zu folgen – ohne einen Chip im Ball oder am Körper und Trikot eines Spielers. Das System verfolgt stattdessen die Bewegung des Balls und analysiert das Schwarmverhalten der Spieler. Danach richtet sie die Positionierung ihrer vier Objektive aus. Der Zuschauer kann selbst Regie führen und die Perspektive bestimmen.

Regionalligist Lüneburger SK wird sich bis auf Weiteres übrigens nicht beteiligen, weil er auf seiner momentanen Heimspielstätte in Bardowick nur Mieter ist. Investitionen in die Technik würden sich deshalb für den Verein nicht lohnen, falls in naher Zukunft ein Umzug erfolgen sollte.

Von Bernd Klingebiel

Rubriklistenbild: © NFV-Pressedienst

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