Böddenstedter Lorenz Schultze spielt trotz Kanada-Flug / Genesungswünsche auf Riesenplakat für verletzten Malte Bertram

Von Wasserbüffelfarm auf den Sportplatz

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Die Spieler des SC 09 Uelzen II grüßen ihren an der Schulter verletzten Co-Trainer und Libero Christoph Lunau. Eugen Albrecht hält ein Schild mit Genesungswünschen in der Hand.

am/dlp/mk Uelzen/Landkreis. Blitz-Comeback in Böddenstedt trotz Jetlag, rührselige Genesungswünsche im Lager von Teutonia und seines Stadtrivalen SC 09 Uelzen, Weihnachtsstimmung in Vereinsfarben beim FC Oldenstadt und zweimal Slapstick mit gutem und schlechtem Ausgang beim MTV Barum und SV Holdenstedt – der AZ-Nachschuss vom Fußball-Wochenende deckt Buntes, Kurioses und Emotionales ab.

Slapstick auf dem B-Platz des Bad Bodenteicher Waldstadions: Im Kreisligapunktspiel zwischen der gastgebenden TuS-Reserve und dem SV Holdenstedt (Endstand 1:2) entblößten die Gastgeber in den Schlussminuten ihre Abwehr, so dass der SVH in der Nachspielzeit zu einem vielversprechenden Konter kam. So weit, so gut! Aber dann: Zu dritt marschierten die Holdenstedter mutterseelenallein auf TuS-Torhüter Jannis Schwerin zu und spielten den Schlussmann durch einen Querpass gekonnt aus, so dass SVH-Akteur Marcel Schäfer schließlich vor dem leeren Kasten stand. Aus eineinhalb Metern Entfernung (so Bad Bodenteichs Trainer Stefan Buß) brachte dieser dann das Kunststück fertig, den Ball über den Querbalken in die Wolken zu dreschen – puuh! Aber so etwas passiert ja selbst gestandenen Bundesligaprofis hin und wieder…

Und noch ein Slapstick. Allerdings war der Ball drin statt drüber. Luis Unruh, Torwart des Bezirksligisten SV Wendisch Evern, hat dem Barumer Simon Marks den Ball mit einem Fauxpas unfreiwillig vorgelegt. Zunächst hielt der Keeper einen Freistoß von MTV-Stürmer Julian Wulf im Nachfassen und wollte den Gegenangriff einleiten. Er legte sich den Ball vor, warf ihn leicht nach vorn, dummerweise aber direkt Simon Marks vor die Füße, der geistesgegenwärtig nachsetze und den 4:1-Endstand markierte. „Ein ganz kurioses Tor. Auf einmal war der Ball im Netz. So schnell konnten wir gar nicht gucken“, staunte Barums Trainer Andreas Lindenau über diesen Aussetzer.

Adventliche Stimmung vielerorts und auch beim FC Oldenstadt II in der 2. Kreisklasse. Direkt nach dem 3:0-Sieg gegen Eddelstorf II überraschte das Trainerteam um Chefcoach Ulrich Müller die Mannschaft mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Es gab selbstgemachte Kekse, Kuchen, Kaffee und Glühwein. Highlight war aber ein Adventskranz in den Vereinsfarben Blau-Rot.

Beim 2:2 des VfL Böddenstedt in der 1. Kreisklasse gegen den SV Stadensen stand mit Lorenz Schultze ein Mann auf dem Feld, mit dem Trainer Jörn Drögemüller nicht unbedingt rechnen konnte. Schultze verkürzte nämlich seinen ursprünglich länger angelegten Kanada-Trip (er arbeitete unter anderem auf einer Wasserbüffelfarm), geriet dann aber in die Mühlen des Lufthansa-Streiks. So ging es statt von Vancouver/Frankfurt/Hannover über Montreal/München/Hannover. Nach 18 Stunden Reisedauer nahm er erst einmal eine ordentliche Portion Schlaf, ehe er sich dann nach mehrwöchiger Pause erstmals wieder das VfL-Trikot überstreifte.

Der SC Uelzen II machte in der gleichen Spielklasse mit dem 3:1-Sieg in Niendorf einen weiteren Schritt Richtung Tabellenmittelfeld. Allerdings gab es dabei einen dicken Wermutstropfen. Libero und Co-Trainer Christoph Lunau verletzte sich schwer an der Schulter. „Wir als Mannschaft wünschen Christoph alles Gute und bedanken uns, dass er unsere Mannschaft sowohl als Trainer als auch als Spieler bereichert hat. Er ist ein klasse Typ und wird stärker zurückkommen!“, sagt Anton Weinberger, der zusammen mit André Pollack das Trainerteam des Tabellensiebten bildet. Bei einem Jahres-Abschlussessen in einem Uelzener Restaurant gab’s die entsprechende Botschaft auf einem gemeinsamen Mannschaftsfoto mit der Aufschrift „Gute Besserung“.

Kein Schild, sondern gleich ein ganzes Plakat hielten die Spieler von Teutonia Uelzen II vor dem Heimspiel gegen den SC Lüchow in ihren Händen. Der Adressat war Malte Bertram, der sich am vorletzten Wochenende einen Kreuzbandriss im Landesliga-Spiel der 1. Herren gegen den MTV Eintracht Celle zugezogen hat. „ComeBackStronger“, was so viel heißt wie „Komm noch stärker zurück“, lautete die Aufmunterung an Bertram, der auf dem meterlangen Plakat als MB10 bezeichnet wurde (Malte Bertram/Trikotnummer zehn). Eine tolle Geste! Nemanja Grahovac hatte am Freitag den Slogan entworfen. „Das zeigt den Zusammenhalt zwischen der 1. und 2. Mannschaft“, ist Steffen Vick, Co-Trainer von Teutonia II, stolz auf das Miteinander.

Ein Cowboy hätte Probleme gehabt, die vor Freude durchgedrehten Spieler von Teutonia Uelzen II nach dem Siegtreffer in der 93. Minute mit einem Lasso einzufangen. Die gesamte Ersatzbank stürmte auf den Siegtorschützen Marvin Drewes zu, inklusive Trainer Oliver Kühn. Doch die ausgeflippte „Jubel-Horde“ wurde zehn Meter vor dem gegnerischen Strafraum durch den Schiedsrichter Wilm Laue „eingefangen“. Der Unparteiische wies gestenreich daraufhin, dass die Auswechselspieler auf dem Platz nichts zu suchen hätten. Zwei haben es geschafft. Die verletzten Spieler Laurin Lange und Julius Treffurth waren als Zuschauer dabei. „Sie haben sich irgendwie bis zum 16er durchgemogelt“, schmunzelte Oliver Kühn, der aus einem anderen Grund noch bestens aufgelegt war.

Immerhin entschied er das Familienduell für sich. Beim SC Lüchow spielen René und Andre Redwanz – die Söhne von Kühns Patentante. Ersterer ärgerte Kühn sogar mit dem SC-Führungstor. „Das war natürlich richtig blöd, dass ausgerechnet jemand aus der Familie gegen uns trifft. Ich konnte es aber durch unseren Sieg verschmerzen“, zeigte sich der Coach hinterher „versöhnlich“. Der familiäre Haussegen hängt jetzt nicht schief. Nach dem Spiel gab es ein gemeinsames Essen der Familien Kühn/Redwanz.

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