Fairness: Fußballkreis Uelzen mit vier Teams unter Niedersachsens Top 100 / SV Emmendorf Siebter

„So gut waren wir noch nie!“

Ups! Nur selten haben die Emmendorfer (André Lankau) in der Hinrunde über die Stränge geschlagen; sie sind Uelzens fairste Mannschaft oberhalb der 1. Kreisklasse und belegen in der landesweiten Wertung den 7. Platz. Foto: Wendlandt

Uelzen/Landkreis. Eine echte Erklärung hat Benjamin Zasendorf nicht zur Hand. Der Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Emmendorf hat sein Team zum Ende der Hinrunde nicht nur auf den dritten Tabellenplatz, sondern auch auf Rang sieben der niedersachsenweiten Fairnesswertung um den VGH-Cup geführt.

 „Wir haben die gleiche Spielweise und machen die gleiche Trainingsarbeit“, wundert sich Zasendorf. Was wiederum doch einiges aufhellt: Denn immerhin belegten die Emmendorfer mit genau diesen Eigenschaften in der Gesamtwertung der letzten Saison auch schon den glänzenden 21. Platz.

Und doch gibt es weitere Erklärungsversuche. Mit jedem Sieg, so sagt Zasendorf, steige auch das Selbstbewusstsein der Spieler. Zudem sind sie dann die Gejagten, statt die Jäger. Und bei aller Entschlossenheit auf dem Platz: Der SV Emmendorf verspürt im Titelrennen nicht den ganz großen Druck, denn aufsteigen können die Grün-Weißen am Saisonende wegen fehlender Jugendmannschaften sowieso nicht.

Dass Zasendorf nach der Winterpause nun aber die Friedenspflicht auf dem Rasen ausruft, um unbedingt Fairness-Cup-Sieger zu werden, kommt für ihn nicht in Frage: „Dafür ist der sportliche Ehrgeiz viel zu groß. Wir wollen die Punkte mitnehmen.“

Mit den Emmendorfern, dem Kreisliga-Spitzenreiter FC Oldenstadt (18.) sowie dessen Rivalen VfL Suderburg (20.) und SV Stadensen (79.) hat der Fußballkreis Uelzen gleich vier Teams unter den Top 100. Das Quartett kennt die Höhenluft. Suderburg etwa aus der letzten Saison als landesweiter Fairness-Zehnter. Kein Wunder. VfL-Trainer Thorsten Kahmann war mit der SVG Oetzen/Stöcken schon zwei Mal Cupsieger (2007 und 2008)! Auch der FCO als 26. der letzten Saison und der SV Stadensen (138.) spielen bereits gewohntermaßen einen fairen Ball.

Im Gesamtvergleich der 44 niedersächsischen Fußballkreise belegt Uelzen den vierten Rang. Uelzens Fußballvorstand Gerd Lüdtke jubelt: „So gut waren wir noch nie!“ Die große Fairness komme nicht von ungefähr, sagt Lüdtke. Er selbst appelliere auf allen Vereins-Jahreshauptversammlungen an die Kicker, auf dem Rasen sauber zu bleiben. Zusätzlich motiviere die Mannschaften die Aussicht auf den Gewinn des Fairplay-Tickets für das Hallenturnier um den AZ-Presse-Cup. Deshalb endet in Uelzen die gewachsene Fairness auch nicht in der Kreisliga, wie in der Wertung des VGH-Cups. In der 1. Kreisklasse beispielsweise gab es in dieser Saison bisher erst vier rote Karten, die letzte davon vor vier Monaten, lobt Lüdtke.

Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) hat landesweit 1049 Teams von den Kreisligen bis zur 1. Bundesliga in Sachen Fairness bewertet. Für eine gelbe Karte gibt es einen Strafzähler, Gelb-Rot wird mit drei Zählern geahndet, Rot kostet fünf Punkte und Sportgerichtsurteile oder das Nichtantreten schlagen mit zehn Miesen zu Buche. Die Summe geteilt durch die Anzahl der bisher bestrittenen Saisonspiele ergibt den Quotienten und den Tabellenplatz. Spitzenreiter ist zurzeit der Stader Kreisligist SV Ahlerstedt/Ottendorf II (Quotient 0,53).

Dass die Fairness aber auch mit Füßen getreten werden kann, beweist Bezirksligist VfL Westercelle. In 18 Spielen kassierte er 69 gelbe, sieben gelb-rote und vier rote Karten sowie zwei Sportgerichtsurteile – Quotient von 7,22, Schlusslicht der Fairplay-Tabelle!

Von Bernd Klingebiel

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