„Unter der Gürtellinie“

Scharfe Kritik gegen Ex-FIFA-Schiedsrichter Carsten Kadach nach abfälligen Bemerkungen über Hobbykicker

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Durch seine Kritik an den Fußballern der 2. Kreisklasse hat sich Ex-FIFA-Referee Carsten Kadach (hier beim AZ-Presse-Cup 2013) den Zorn der Uelzener Kicker zugezogen.

Uelzen/Landkreis. Respekt, Fair-Play, Anstand. Das sind Werte, für die Schiedsrichter einstehen und von Fans, Spielern, Funktionären einfordern.

Doch nun hat ausgerechnet „einer von ihnen“, der ehemalige FIFA-Unparteiische Carsten Kadach, mit harscher Kritik und dem Spott an Uelzener Fußballern aus der 2. Kreisklasse für einen Sturm der Entrüstung gesorgt.

In seinem AZ-Leserbrief hatte sich der 54-Jährige am Mittwoch herabwürdigend über die Leistungen der unterklassigen Kickergeäußert und muss dafür nun selbst scharfe Kritik einstecken.

Im Kern hatte Kadach (Grünhagen) im AZ-Sonderheft „Anpfiff“ das Fehlen einer Vorschau über die mehr als 400 Schiedsrichter, darunter viele Leistungssportler, im Heide-Wendland Kreis kritisiert. Auch vor dem Hintergrund fehlender Schiedsrichter in den drei Kreisen.

„Kicker fügen Rasen schweren Schaden zu“

Dass nicht über die Schiedsrichter, dafür aber über die Mannschaften aus der 2. Kreisklasse berichtet wurde, kann Kadach nicht nachvollziehen und stichelt gegenüber den Hobbykickern: „Dass man sich vor diesen Hintergründen aber die Mühe macht, über die beteiligten Mannschaften des Kreises der 2. Heide-Wendland-Kreisklasse zu berichten, lässt tief blicken. Zumal dort etliche Kicker am Werk sind, die weder austrainiert sind noch Fußball spielen können“, schreibt Kadach und legt noch einmal nach: „Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die mangelnde Technik der Kicker dazu führt, dass dem Rasen nach Spielende schwerer Schaden zugefügt wurde.“ Mit dieser haltlosen Kritik hat sich einer der besten deutschen Schiedsrichter-Assistenten früherer Tage, der auch bei einer EM und im Finale der Champions League aktiv war, bei Uelzener Kickern ins Abseits manövriert und für einen Shitstorm auf www.az-online und bei Facebook auf az-online Sport gesorgt. Hier einige Reaktionen:

„Den Fußball nicht verstanden“

„Warum greift er denn die Spieler der 2. KK an?“ fragt Philipp Wernhardt. „Mit welcher Arroganz Sie den unterklassigen Mannschaften das Recht absprechen, ebenfalls im Anpfiff vertreten zu sein, lässt erahnen, dass Sie den Fußball nicht verstanden haben. Gerade in den Klassen stehen Dinge wie Gemeinschaft und der Spaß im Vordergrund und nicht die Eigenschaft, den besten Fußball zu spielen oder zu erkaufen. Sollen denn nun aus Ihrer Meinung heraus Vereine wie Kirch-/Westerweyhe, Veerßen, Wrestedt, Böddenstedt und Gerdau den Spielbetrieb einstellen, da sie ja eh nur den Acker umpflügen“, schreibt Markus Prüser in seinem Beitrag.

Völlig überflüssige Aussagen

Auch Carsten Behnke (Trainer des SC Kirch-/Westerweyhe) ist sauer. „Mit welcher Berechtigung urteilt dieser Mensch über die fußballerischen Fähigkeiten von Menschen, die ihrer Freizeitbeschäftigung mit Leidenschaft nachgehen?“ Sven Gehlken (ebenfalls SC Kirch-/W.) spricht von dem berühmten Fettnäpfchen: „Wie kann sich ein seinerzeit sicherlich verdienter und begabter Schiedsrichter anmaßen, über die Athletik oder den Trainingszustand dieser Fußballer derart abfällig zu äußern? Diese unterklassigen Mannschaften zeichnen doch unseren Fußballsport in der Breite aus, weil sogar im kleinsten Dorf meistens ein Spielbetrieb vorgehalten wird. Hoffentlich bleibt es noch lange so.“

André Pollack teilt Kadachs Einschätzung zu den fehlenden Schiedsrichtern im Anpfiffheft „vollumfänglich“. Der zweite Teil sei aber völlig überflüssig. „Was bilden Sie sich ein, wer Sie sind?“ greift Polack den Schiri an und erinnert an Kadachs Aussage in einem früheren AZ-Artikel von 2011, in dem es um einen Selbstmordversuch des Ex-Schiedsrichters Babak Rafati ging.

Darin heißt es: Ein schlechtes Zeugnis im Umgang mit Schiedsrichtern stellt der Suderburger Ex-Bundesliga-Referee auch Trainern aus und nennt namentlich Jürgen Klopp (Dortmund): „Er ist überall der Sunnyboy. Aber wenn man sieht, wie er mit Schiedsrichtern umgeht, muss man sich fragen, ob es dem entspricht, wie es sich unter Sportsleuten gehört.“ „Respekt... zum Glück sind Sie ein richtig guter Sportsmann“, meint Pollack dazu.

Auch Jens Müller hat eine klare Meinung: „Zwar kann ich nachvollziehen, dass das Fehlen der Schiedsrichter ärgerlich ist, gleichzeitig aber die Hobbykicker aus der 2. KK so dermaßen anzugehen, ist mal wieder unter der Gürtellinie.“

Ruhe bewahren und nicht auf die Spitze treiben

Der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses Heide-Wendland, Volker Leddin (Gerdau), teilt auf AZ-Nachfrage Kadachs Kritik an der in diesem Jahr fehlenden Präsenz der Unparteiischen im „Anpfiff“. Der „Rest“ des Leserbriefes „ist überflüssig“, erklärt Leddin. Der Schiedsrichter-Boss: „Das ist seine Privatmeinung und nicht die Meinung des Schiedsrichterausschusses und der Uelzener Schiedsrichter in Gänze.“ Leddin mahnt zur Besonnenheit: „Wir müssen jetzt Ruhe bewahren und es nicht auf die Spitze treiben.“ Er sehe Kadachs Äußerungen „in einem anderen Zusammenhang“ und auf die vergleichsweise höhere Leistungsstärke der hiesigen Schiedsrichter bezogen.

Kadach sagt Sorry: Auch Rasen malträtiert

Kadach bestätigt dies gegenüber der AZ: „Ich bin da missverstanden worden, die Fußballer aus dieser Spielklasse haben es in den falschen Hals gekriegt. Ich habe mich nicht glücklich ausgedrückt.“ Wenn Kicker aus der 2. Kreisklasse ihren Platz im Fußballheft finden, dann sollten es die gutklassigen Schiedsrichter auch, erklärt Kadach. Der Ex-Referee: „Ich bin immer ein Mann der Basis gewesen, wenn es um die Sache ging.“ Es liege ihm fern, „diese Fußballer zu diskreditieren oder ihnen den Sport madig zu machen“. Kadach: „Ich war auch ein Rumpelfußballer und habe den Rasen malträtiert.“

Von Bernd Klingebiel und Arek Marud

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