AZ-Serie Uelzener Cup-Geschichte(n): Folge 33

Spanferkel statt Pokal: Wellendorf schrammt 1990 am großen Coup vorbei

Mannschaftsfoto des SV RW Wellendorf
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Wellendorfs Pokalteam (hinten von links): Klaus Harnisch (Sponsor), Paul Brzezicha, Dirk „Putschi“ Baucke, Siegfried „Siggi“ Paddags, Eckhard Schulz, Michael „Scholle“ Scholz, Rüdiger Kornack, Christoph „Struppi“ Kruppke, Dirk „Goppi“ Goppold, Jehuda Yaskulka (Trainer); vorn von links: Eckhard „Specki“ Meyer, Paul Schröder, Stefan Grönheim, Hinrich „Hinnak“ Helmke, Uwe Schröder, Michael „Mitch“ Martin, Klaus-Dieter „Bürste“ Paddags, Axel Hinrichs.

Der 9. Juni 1990 gilt als einer der absoluten Höhepunkte der Fußballer des SV Rot-Weiß Wellendorf. Der Underdog erreichte sensationell das Kreispokalfinale.

Von Immo de la Porte
Wellendorf – Es ist still geworden auf dem Wellendorfer Sportplatz. Seit der Abmeldung der eigenständigen Fußball-Herrenmannschaft vor einigen Jahren findet kein Ball mehr den Weg zwischen die kultigen rot-weißen Torpfosten. Doch der SV Rot-Weiß Wellendorf erlebte auch deutlich bessere Tage.

Einen davon mit Sicherheit am 9. Juni 1990, als er als Team der 1. Kreisklasse völlig überraschend zum ersten und einzigen Male im Kreispokalfinale stand. Schon der Weg dorthin war spektakulär, gegen die klassenhöheren Kreisligisten Böddenstedt (4:3) und SV Hanstedt (6:1) schossen die Wellendorfer gleich zehn (!) Treffer.

Das Halbfinale beim FC Oldenstadt hat Stürmer Axel Hinrichs besonders in Erinnerung. 14 Tage vor dem Match brach er sich den Arm, lief aber dennoch mit Schiene auf und bereitete beim 4:2-Sieg zwei Treffer vor. Doch im Endspiel gegen Kreisligist TuS Wieren muss der 26-jährige Stürmer zähneknirschend zunächst auf die Bank. Trainer Jehuda Yaskulka gibt dem spielstarken Paul Brzezicha den Vorzug, der eigens für diese Partie noch einmal reaktiviert wurde.

Topstart in Stadensen: Doch Kornacks Blitztor zählt nicht

Das Match vor 230 Fans in Stadensen beginnt für den klaren Außenseiter traumhaft. Schon nach drei Minuten findet ein 17-Meter-Freistoß von Rüdiger Kornack den Weg ins Tor. Doch Schiedsrichter Kupke (Suhlendorf) ahndet – sehr umstritten – eine passive Abseitsposition und gibt den Treffer nicht. „Der hatte ohnehin nicht seinen besten Tag“, hat Michael Martin auch über 30 Jahre später die Leistung des Unparteiischen nicht in bester Erinnerung. Der damals 22-Jährige scheitert für den weiter unverdrossen stürmenden SVW ebenso am Pfosten wie Eckhard Meyer.

Wierens Torwart Thomas Himmel bekam reichlich zu tun, entschärft hier eine Großchance von Paul Brzezicha.

Während die Rot-Weißen also weiter mit dem Pech hadern, jubeln die Wierener, denn Klaus-Dieter Meier bringt den Favoriten mit seinem herrlichen Treffer zum 1:0-Pausenstand nach vorn. Nach 63 Minuten belohnen sich die Wellendorfer dann aber endlich für ihren couragierten Auftritt. Paul Brzezicha trifft aus 14 Metern per Flachschuss zum 1:1 und rechtfertigt spätestens jetzt seine Aufstellung.

Wellendorf drückt, Wieren trifft

In der Schlussphase drängt das Yaskulka-Team auf das 2:1, welches dann aber auf der anderen Seite fällt. Torwart Hinrich Helmke fliegt an einer Flanke vorbei, Uwe Scholz staubt aus kurzer Entfernung ab. Und Axel Hinrichs? Der steht in der heiß umkämpften Schlussphase endlich auf dem Platz, aber auch er kann das Blatt nicht mehr wenden. Aus der Traum, der Pokal geht erstmals nach Wieren.

Verlierer feiert bei Spieler-Schwiegervater

Die AZ sah „in keiner Phase einen Klassenunterschied“ und einen „schmeichelhaften Sieg“ des Kreisligisten. Die so knapp am großen Coup vorbeigeschrammten Wellendorfer blasen aber keine Trübsal. Der ganze Tross macht sich auf nach Schliekau. Dort betreibt der Schwiegervater von Spieler Brzezicha eine Gaststätte. Im Hof bei Spanferkel und einigen Kaltgetränken lässt die Mannschaft diesen besonderen Tag gebührend ausklingen. „Wir hatten eine gute Truppe, waren immer für eine Überraschung gut“, erzählt Hinrichs, der seinerzeit wie heute im gut 200 Einwohner zählenden Wellendorf wohnt.

Wierens Andreas Püffel (rechts) klärt vor dem Wellendorfer Michael Martin.

Das Team zog des Öfteren in Mannschaftsstärke durch Uelzens Kneipen, zeigte diese Geschlossenheit aber ebenso auf dem Platz und ließ gerade Spiele in Wellendorf für viele Gegner zu einer unangenehmen Angelegenheit werden. „Wir waren eine echte Mannschaft, die wirklich kampfstark war“, bekräftigt Martin.

Sofortiger Abstieg nach Kreisliga-Aufstieg

Noch einmal sollte der SVW für sportliche Schlagzeilen sorgen. 1991 gelang der Aufstieg in die Kreisliga. Doch dieses Abenteuer dauerte für den Liganeuling nur eine Saison. In 30 Spielen gelangen nur 4 Siege, es hagelte 106 (!) Gegentreffer – postwendender Abstieg! Hinrichs und Martin schlossen sich anschließend kurioserweise dem damaligen Finalgegner Wieren an. Allerdings wurde es auch dort nichts mit einem Pokalsieg, denn das 96er Endspiel gegen den SV Hanstedt setzte der TuS mit 0:1 in den Sand…

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