Trial: Jessica Wulf liefert Energieleistung in Andorra

Unerschrocken zu vier WM-Punkten

Zum WM-Auftakt wurde Jessica Wulf in Andorra alles abverlangt; sie sammelte vier Punkte für die Gesamtwertung. Foto: R. Wulf

rw St. Julia de Loria/Ebstorf. Erst die mündliche Prüfung zur Bauzeichnerin mit 100 Prozent bestanden, dann im Eiltempo auf die 1700 Kilometer lange Strecke nach Andorra zum ersten Lauf um die Trial-Weltmeisterschaft der Frauen.

Ein strammes Programm liegt hinter Jessica Wulf vom MC Ebstorf, Ortsclub im ADAC.

Die Trial-Fahrerin schwärmt: „Bei aufgehender Sonne durch die Pyrenäen zu fahren, war schon ein besonderer Vorgeschmack auf die Veranstaltung.“ Um 8 Uhr im Fahrerlager mitten im Ort St. Julia de Loria angekommen, war es schwer für die Ebstorfer Delegation, noch einen adäquaten Standplatz zu bekommen. Im Fahrerlager eingerichtet, die Motorräder zusammenmontiert, startete gleich das erste kurze Training. Bei mehr als 30 Grad ging es auf den sehr langen, höchst anspruchsvollen Rundkurs. Es sollte sich herrausstellen, dass der es in sich hat.

Rund 20 Minuten nur steil bergauf über Felsen und Hindernisse auf schmalen Trampelfaden bis hin zur ersten Sektionsgruppe mit den Sektionen 1 bis 4 – das ließ die Teilnehmerinnen schwer ins Atmen kommen. Die dünne Höhenluft trug ein weiteres hierzu bei. Auch die Motorräder liefen nicht mehr so rund wie aus dem Fahrerlager gestartet. Dann kam ein Abschnitt auf dem Rundkurs, der sonst nur den Bergziegen vorbehalten war. 180-Grad-Kehren im Felshang. Die Breite des Trampelfades kaum ein Meter, ohne Geländer rund 200 Meter steilste Abgründe. Es gehörte schon eine gehörige Portion Mut und Unerschrockenheit dazu, diese Abfahrt zu meistern.

Darauf folgte eine schöne Sektion an einem Wasserfall. Weiter ging es wieder rund 15 Minuten steilste Wege bergauf. Die Sektionen 6 bis 18 waren dann alle auf einem Bergrücken angelegt. Danach ging es dann im Eiltempo zurück zum Fahrerlager in der Stadt. Auch diese Passage war absolut anspuchsvoll. Nur im Stehen fahrend, ging es rund 20 Minuten über steilste Abfahrten durch Wald- und Felshänge, Geröllfelder und wiederum durch engste Kurven hinab.

Jessica Wulf: „Uns stellte sich die Frage, ob eine Teilnahme an den beiden Veranstaltungstagen überhaupt durchzuhalten war.“ Im Fahrerkreis wurde der Rundkurs heftig diskutiert, konnte aber von den Verantwortlichen nicht mehr geändert werden. Lediglich eine Zeitzugabe zur Gesamtveranstaltung um 20 Minuten wurde gewährt.

Für Wulf stand nach der Nacht fest, es doch zumindestens zu versuchen. Für die MCE-Fahrerin lief es in den ersten Sektionen gar nicht so schlecht, sie fand schnell hinein. Einige Sektionen und auch die neue Regel des Non-Stop kamen ihr entgegen.

Die erste Runde mit drei Stunden Fahrzeit beendete Wulf mit nur einer Minute Restzeit, die zweite mit zwei Stunden und nur drei Minuten Restzeit. Die konditionelle Meisterleistung wurde am Ende mit einen guten 13. Platz und drei WM-Zählern belohnt.

Der zweite Tag verlief etwas entspannter. An die Umstände gewöhnt, fiel die Belastung nicht mehr ganz so schwer und auch die Fahrzeit reichte jetzt besser aus. Durch kleine Unachtsamkeiten schlichen sich bei Wulf zwei vermeidbare Fehler ein, die in dem eng zusammenliegenden Mittelfeld gleich einige Ränge kosteten. Am Ende bedeutete aber auch der 15. Platz einen Erfolg und einen weiteren WM-Punkt.

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