Im Kader der Regionalliga-U21

Uelzener Torwart Gavin Didzilatis schafft großen Sprung beim Hamburger SV

Torwart schleppt Ballsack
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Das Rüstzeug für den Weg zum Fußballprofi ist geschultert, nun hofft der Uelzener Torwart Gavin Didzilatis auf den Sprung in den Profikader des HSV.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Der Hamburger Weg ist geebnet für Gavin Didzilatis. Der Nachwuchstorwart aus Uelzen hat den Sprung in den Kader der Regionalliga-U21 des HSV geschafft und arbeitet weiter mit Hochdruck an seinem Traum vom Fußballprofi.


Hamburg/Uelzen – Er hat mit 14 Jahren das Elternhaus in Uelzen verlassen und ist in das Fußballinternat des Hamburger SV eingezogen. Er würde es immer wieder so machen, betont Gavin Didzilatis (19) im Interview mit der az-online.

Der Torwart steht noch bis zum 30. Juni 2022 unter Vertrag. Die Hanseaten haben ihn trotz der langen Corona-Spielpause in den Kader der Regionalliga-U21 befördert. Falls die Saison in der U19 fortgesetzt wird, könnte Didzilatis aber auch im Bundesliga-Nachwuchsteam wieder zwischen den Pfosten stehen.

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. „Ich habe in dieser Corona-Phase leistungsmäßig den bisher größten Sprung gemacht, obwohl die Spielpraxis fehlt“, erklärt er. Das gesunde Selbstvertrauen, das jedem Torwart gut zu Gesicht steht, hat er sich in den Jahren in Hamburg zugelegt: „In diesem Geschäft gehört es dazu und wird gefordert, einen starken Charakter zu haben, um seinen Weg zu gehen.“

Deshalb hat Gavin Didzilatis nach dem Abitur seinen langjährigen Platz im HSV-Campus freiwillig geräumt und in Hamburg eine eigene Wohnung bezogen. Selbstständigkeit, den Alltag allein organisieren – „ich habe mein Leben im Griff“, sagt er.

Der Hamburger Weg soll den Uelzener in den bezahlten Fußball führen. Zurzeit trainiert er bei der U21 sechsmal in der Woche, an zwei Tagen vor- und nachmittags. Ein Privileg, das vielen Amateuren im Corona-Lockdown schon lange verwehrt ist. Doch für den U21-Nachwuchs herrschen bereits Profibedingungen. Direkten Kontakt zum Zweitligateam des HSV gibt es während der Coronakrise aber nicht, sagt Didzilatis – die Zweitliga-Mannschaft lebt in ihrer eigenen Blase.

Der Uelzener Torwart fühlt sich Hamburg sehr wohl

Dass er im letzten Mai seinen Vertrag um weitere zwei Jahre verlängerte, war für den Uelzener ein Selbstläufer. „Ich fühle mich in der Stadt sehr wohl, habe hier viele Freunde.“ Diese Sicherheit gibt Didzilatis auch Gelassenheit, Gewissheit. Andere Talente, bei denen die Kontrakte im Sommer auslaufen, wüssten nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Denn im Lockdown fehlt ausgerechnet im schwierigen Übergang zum Herrenbereich die Bühne, um sich den Scouts anderer Klubs zu empfehlen.

Didzilatis hingegen hat konkrete Pläne: „Ich hoffe auf die Chance, bei den Profis mitzutrainieren.“ Ob sich daraus dann eine Zukunft beim HSV ergibt oder woanders, „muss man sehen“. Mit Sven Ulreich hütet immerhin ein Ex-Bayern-Keeper mit Champions-League-Erfahrung den Kasten des Aufstiegsaspiranten. Didzilatis: „Wegen Corona habe ich mit ihm noch nicht viel zu tun gehabt. Aber wenn man Ulreich beim Training zuguckt, kann man sich schon etwas abschauen.“

Bezugsperson für den jungen Keeper beim HSV ist Tom Mickel. Der Ersatztorwart des Zweitligisten Hamburger SV ist die treue Seele und seit 2009 bis auf eine zweijährige Unterbrechung für die Rothosen aktiv. Didzilatis: „Tom war damals bei meiner Vertragsverlängerung auch ein wichtiger Ansprechpartner für mich und hat mir auch den ein oder anderen Rat mitgegeben. Und auch generell weiß ich, dass ich ihn jederzeit anrufen könnte, wenn ich einen Ratschlag bräuchte – sportlich als auch privat.“

Bevor Gavin Didzilatis zum Rautenklub wechselte, stand er bei der JSG Ripdorf/Uhlen-Kickers/Ebstorf im Tor. Die Hamburger wurden auf das Talent aufmerksam. Seit der U15 kickt er für die Hanseaten, reifte zum Führungs- und Landesauswahlspieler.

Gavin Didzilatis besucht gern Uelzener Fußballspiele


Den Bezug zum Uelzener Fußball hat Didzilatis dabei nie verloren. Wie früher, besucht er gemeinsam mit seinem Vater Jens regelmäßig die Sportplätze im Landkreis. „Das haben wir so beibehalten. Ein Landesligaspiel ist eine schöne Abwechslung zu dem Fußball bei uns“, erklärt der 19-Jährige.

Dass er bei seinen Stippvisiten stets von zahlreichen Bekannten begrüßt wird, ist klar. Autogrammkarten aber verteilt er nicht. Gavin Didzilatis hat auch noch gar keine. Mit einer Ausnahme.

Autogrammkarte für LeG-Schulleiter Sven Kablau

Beim HSV gab es „aus Spaß“ mal ein paar Karten von ihm, sagt er. Eine davon hing im Büro von Schulleiter Sven Kablau, der vor Kurzem das Uelzener Lessing-Gymnasium verlassen hat. Befestigt direkt neben der von HSV-Idol Horst Hrubesch, der lange auf einem Hof bei Suhlendorf Edelbluthaflinger züchtete. Bei einem Besuch an seiner ehemaligen Schule hat Didzilatis dem Direktor ein Kärtchen seiner Sonderedition geschenkt. Der Keeper erklärt: „Sven Kablau und seine Söhne sind große HSV-Fans.“

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