Uelzener Fußballprofi Edisson Jordanov: Nach Erstliga-Aufstieg in Belgien wartet ein neuer Verein

Drei Fußballer jubel mit einer Trophäe
+
Nach einem 2:1-Sieg gegen RWD Moolenbek war Royal Union St. Gilloise fünf Spieltage vor dem Saisonende die Meisterschaft in der League 1B nicht mehr zu nehmen. Edisson Jordanov, Marcel Mehlem und Deniz Undav (von links) feiern den Aufstieg in Belgiens Oberhaus.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
    schließen

Edisson Jordanov hat mit seinem Klub Royal Union St. Gilloise den Aufstieg in die Division 1A geschafft, die höchste Fußball-Liga Belgiens. Doch der Verein lässt den Vertrag mit dem Stammspieler und ehemaligen Juniorenkicker des SV Holdenstedt auslaufen. Jordanov ist seit Mittwoch (2. Juni) auf Heimatbesuch in Uelzen.

Uelzen – „Für mich ist es wichtig, sagen zu können, den sportlichen Aufstieg in die 1. Liga Belgiens geschafft zu haben. Das ist der Lohn für die Arbeit und die Bestätigung, auf diesem Niveau spielen zu können“, sagt der 27-Jährige im Gespräch mit der AZ. Royal Union St. Gilloise, der elffache Landesmeister (zuletzt 1935) aus der Region Brüssel, lässt Jordanov ziehen. Er wäre gern länger geblieben: „Schade, es hat gepasst.“

Schon früh auf dem Erfolgsweg: 2002 gewinnen die F-Junioren des SV Holdenstedt den Uelzener Fußball-Kreispokal. Zum Team um Edisson Jordanov (unten rechts) gehören (hinten von links) Jürgen Rosenfeld, Alexander Groth, Felix Kruck, Tobias Fischer, Nils Rosenfeld, Thilo Hilmer, Lutz Wegner; unten von links: Kevin Schwemer, Jan-Christoph Wegner und Constantin Wendt.

Jordanov besucht in diesen Tagen seine Eltern in Uelzen. Vater und Mutter sind Ärzte. Die Familienwurzeln liegen in Bulgarien. In Kürze feiert Edisson Jordanov seinen 28. Geburtstag und hat eine bereits abwechslungsreiche Fußballerkarriere hinter sich.

Jordanov spielt im Europapokal vor 40.000 Fans in Sevilla

Als Siebenjähriger spielte er für den SV Holdenstedt. Bereits mit 13 Jahren zog er in die Rostocker Fußball-Akademie ein. Jordanov wurde 2010 als Leistungsträger mit Hansa Rostock deutscher A-Jugend-Meister, sein Name stand in den Notizbüchern der Scouts von Werder Bremen und des HSV. Das Riesentalent bestritt Junioren-Länderspiele für Deutschland und kickte schließlich für Hansa in der 2. und 3. Liga.

Über Borussia Dortmund II, die Stuttgarter Kickers und Preußen Münster führte sein Weg in der Winterpause 2016/17 zu F91 Düdelingen. Mit dem luxemburgischen Erstligisten spielte Jordanov in europäischen Cupwettbewerben. In der Gruppenphase der Europa-League-Saison 2018/19 traf er unter anderen auf den AC Mailand und Real Betis Sevilla.

Gegen Milan war die ganze Familie mit dabei in San Siro und erlebte die erwartbare 2:5-Niederlage hautnah mit. Im spanischen Sevilla kochte die Arena mit 40 000 Fans. Betis war seit vielen Jahren erstmals wieder europäisch am Ball, weiß Jordanov. „Ich hatte schon in der Kabine Gänsehaut.“

Dabei war die erste Zeit nach dem Wechsel von Münster nach Luxemburg für ihn gar nicht gut verlaufen. Der offensive Mittelfeldspieler erkannte: „Entweder ist Schluss mit dem, was ich immer noch am meisten liebe.“ Oder es muss sich grundlegend etwas ändern.

Jordanov: „Ich war schon immer ehrgeizig, nie wirklich faul. Aber wer als junger Profi oft gelobt wird, fängt irgendwann an zu glauben, dass es schon irgendwie gehen wird“, beschreibt er den Tiefpunkt seiner Karriere. Zwischenzeitlich war er sogar in die zweite Mannschaft des Serienmeisters abgeschoben.

Jordanovs Start bei F91 Düdelingen: „Tiefer kann es nicht mehr gehen“l

„Da dachte ich: Tiefer kann es nicht mehr gehen. Wir haben auf deutschem Kreisliganiveau gegen irgendwelche Truppen gekickt. Ich habe in einem Spiel acht Tore und drei Vorlagen gemacht“, erklärte er in einem früheren Interview mit dem „Sportbuzzer“. Jordanov stellte alles auf den Prüfstand und sich ab sofort viel professioneller auf: „Das habe ich gebraucht! Man muss mehr tun als andere. All in!“

Die Trendwende begann. Auch weil F91-Coach Dino Toppmöller den Zehner unvermittelt rechts in die Abwehrkette beorderte. Ein genialer Schachzug des späteren Assistenten von Julian Nagelsmann beim deutschen Vizemeister RB Leipzig. Plötzlich spielte Jordanov in der Champions-League-Qualifikation, gewann dreimal die luxemburgische Meisterschaft.

Auf seiner nächsten Station beim belgischen Zweitligisten Royal Excelsior Virton spielte Jordanov persönlich „eine Topsaison“. Er erlebte mit dem Team aber auch den Zwangsabstieg in die 2. Division Amateure Wallonie. Das wollten er und andere Spieler sich nicht antun.

Eine Rückkehr zu Hansa Rostock ist eine Option. Für die Kogge spielte Edisson Jordanov (vorn Mitte) bereits 2011/12 in der 2. Liga, hier gegen Chemnitz.

Jordanov wechselte Ende September 2020 zu St. Gilloise. Er schlug voll ein, verpasste nur eine von 23 möglichen Partien. Mit 18 Punkten Vorsprung sicherte sich der Klub die Zweitligameisterschaft und den Aufstieg in die Jupiler Pro League.

Dennoch findet der sympathische Außenverteidiger im Team von Coach Felice Mazzù künftig keinen Platz mehr. „Der Trainer wollte, dass ich bleibe. Der Stuff und die Fans zeigten Unverständnis. Es war eine Business-Entscheidung“, sagt Jordanov. Der Verein bilde junge Spieler aus, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Jordanov passt nicht mehr in dieses Geschäftsmodell.

Jordanovs sportliche Zukunft: „Ich weiß noch nicht, wo es hingehen wird“

Der Klub von Pokermillionär Tony Bloom, dem auch Brighton & Hove Albion aus der englischen Premier-League gehört, setzt wegen einer in Belgien verpflichtenden Quote zudem verstärkt auf jüngere einheimische Kicker. Sieben Belgier müssen im 18er-Kader stehen, erklärt Jordanov. Er selbst besitzt den bulgarischen Pass (sechs U21-Länderspiele, zwei Tore).

Ich glaube, dass ich noch einige gute Jahre habe und mein Maximum noch erreichen werde. Ich weiß aber noch nicht, wo es hingehen wird. 

Edisson Jordanov

Jordanov: „Ich glaube, dass ich noch einige gute Jahre habe und mein Maximum noch erreichen werde. Ich weiß aber noch nicht, wo es hingehen wird. Es muss aber besser sein als 2. Liga Belgien!“

Die Situation auf dem Transfermarkt ist wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie derzeit schwierig, die Vereine wirtschaften mit großer Zurückhaltung. Der BWL-Fernstudent („noch ein Semester“) hat über berufliche Alternativen noch nicht wirklich nachgedacht: „Wer schon an Plan B denkt, kann nicht zu 100 Prozent bei Plan A sein.“

Jordanov wird mit Zweitligaaufsteiger FC Hansa Rostock und einer Rückkehr zu seinem Ausbildungsverein in Verbindung gebracht. Im packenden Saisonfinale habe er jedenfalls mit der Kogge mitgefiebert.

Auch ein Engagement bei einem Erstliga-Klub in Bulgarien sei eine Option. Näher dran an Nationaltrainer Yasen Petrow. Die A-Nationalmannschaft ist Jordanovs großes Ziel: „Es ist nicht unrealistisch.“

Edission Jordanov: „Wechsel wäre cool“ für jüngeren Bruder Constantin

Seit Mittwoch (2. Juni) ist er in Uelzen. Hier will er auch wieder gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Constantin trainieren. Der 18-jährige spielte für Teutonia Uelzen und die JSG Suderburg/Holdenstedt, verbrachte das U16-Jahr beim FC St. Pauli und spielte zuletzt bei U19-Niedersachsenligist MTV Tb Lüneburg.

Nun hat der Regionalligist Lüneburger SK Hansa das Talent aus Uelzen zum Probetraining eingeladen (lesen Sie dazu den Bericht auf der ersten Sportseite der heutigen Ausgabe). „Ein Wechsel wäre cool“, unterstützt Edisson Jordanov seinen Bruder und weiß, was auf einem möglichen Weg zum Profifußballer abverlangt wird: „Man muss alles andere unterordnen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare