„Menschenverachtendes Verhalten“

U16: Foulspiel an Uelzener Spieler: „Ich hoffe, du hast dir das Bein gebrochen!“

Bei einem ähnlichen Foul wie diesem zog sich der Spieler der JSG Kirch-/Westerweyhe/Ebstorf II eine starke Prellung am Knie und eine Bänderdehnung zu.
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Bei einem ähnlichen Foul wie diesem zog sich der Spieler der JSG Kirch-/Westerweyhe/Ebstorf II eine starke Prellung am Knie und eine Bänderdehnung zu.

Wustrow/Uelzen – Nach seinem Foulspiel macht sich der junge U16-Fußballer über seinen Uelzener Gegenspieler lustig und ruft: „Ich hoffe, du hast dir das Bein gebrochen!“ Der Schiedsrichter zückt nach der Entgleisung die Rote Karte und fertigt einen Sonderbericht an.

Das Kreissportgericht ist gefordert.

Wegen „menschenverachtenden Verhaltens“ auf dem Fußballplatz verurteilt das Sportgericht des Heide-Wendland-Kreises den Kicker der JSG Wustrow/Lüchow im schriftlichen Verfahren zu einer dreimonatigen Sperre. Die Strafe ist auf höchstens 13 Pflichtspiele begrenzt.

Weil er „sein Verhalten offenbar völlig überdacht hat und es heute für falsch hält“, eröffnet ihm der Vorsitzende aber die Chance auf eine Strafverkürzung. Die letzten sechs Wochen der Sperre würden auf Bewährung ausgesetzt, sollte er erfolgreich an einem Schiedsrichteranwärterlehrgang in Bardowick teilnehmen. Der Kicker aber lässt diese Gelegenheit verstreichen.

Starke Prellung und Bänderdehnung

In der Partie der 1. Kreisklasse zwischen der JSG Wustrow/Lüchow und der U16 der JSG Kirch-/Westerweyhe/Ebstorf II ist der Spieler auf Höhe des gegnerischen Strafraums mit gestrecktem Bein in den Zweikampf gegangen, schildert der Schiedsrichter in seinem Sonderbericht. Er verletzt seinen Kontrahenten, der nicht weiterspielen kann. Betreuer und der Vater des getroffenen Spielers alarmieren nach kurzer Behandlung vorsichtshalber einen Krankenwagen.

Bei der Untersuchung im Dannenberger Krankenhaus werden eine starke Prellung am Knie und eine Bänderdehnung diagnostiziert. „Ich kann mittlerweile wieder schmerzfrei Fußball spielen. Der Spieler hat sich bei mir telefonisch entschuldigt“, nimmt der Gefoulte Stellung.

Lachgeräusche gegen den Gefoulten

Nach der Attacke aber verspottet der Kicker den angeschlagenen Gegenspieler, „indem er sich mit der rechten Hand auf seinen Oberschenkel klopfte und Lachgeräusche von sich gab“, heißt es im Bericht des Unparteiischen. Beim Verlassen des Spielfeldes habe er sich dann noch umgedreht und aus etwa 20 Metern Entfernung gerufen: „Ich hoffe, dein Bein ist gebrochen!“

In der Urteilsbegründung erklärt das Sportgericht, dass der junge Fußballer „seinen Gegenspieler zwar mit gestrecktem Bein im Zweikampf gefoult hat, jedoch weder der Schiedsrichter noch der gegnerische Trainer darin ein ,rotwürdiges Foul’ gesehen haben“. Allein wegen des Foulspiels sei eine Verurteilung mit Sperre „wohl nicht angezeigt“.

Strafschärfend wirkt das Verhalten des Spielers, mit dem er angedeutet habe, „wie lustig er das alles findet, dass sich ein Gegenspieler durch sein Foul am Boden vor Schmerzen krümmt“. Seine Äußerung in Verbindung mit den Gesten und den Lachgeräuschen „stellen ein menschenverachtendes Verhalten dar, das mit einem Strafmaß von bis zu einem Jahr Sperre belegt werden kann“, stellt das Sportgericht fest.

In „erheblichem Maße strafmildernd“ für den „offensichtlich vorher noch nicht sportgerichtlich auffälligen Spieler“ bewertet die Instanz die anschließende Reue. Der Jugendliche habe seinen Gegenspieler telefonisch um Verzeihung gebeten und auch einen Entschuldigungsbrief an den gegnerischen Verein und den Staffelleiter geschickt. An das Kreissportgericht sei dieser Brief aber nie gelangt.

Brief erreicht Sportgericht nicht

Als „befremdlich“ tituliert das Sportgericht, dass nicht die JSG Wustrow/Lüchow auf das einsichtige Verhalten ihres Gastspielers hinwies, sondern der gegnerische Klub und der nicht am Verfahren beteiligte Stammverein (SV Lemgow-Dangenstorf). Weiteren Unmut gibt es, weil der Staffelleiter den Entschuldigungsbrief, „wenn er denn tatsächlich geschrieben und übersandt wurde“, nicht an das Kreissportgericht weitergeleitet habe.  kl

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