Rainer Kölling köpfte den TuS Bodenteich gegen Göttingen zum Gewinn des Niedersachsenpokals

Ein Treffer „wie ein Torpedo“

Nicht zu halten: Rainer Kölling ist mit 740 Ligaspielen immer noch einsamer Rekordhalter des TuS Bodenteich. Foto: Archiv

Sie landen als Schlenzer im Winkel, werden über den Schlussmann gelupft oder donnern als Direktabnahme ins Netz: Traumtore.

An allen Spieltagen auf Uelzener Sportplätzen fallen sie, doch jeder Fußballer hat in seiner Karriere sein ganz persönliches Exemplar – ob extrem schön, extrem wichtig oder extrem kurios. In dieser AZ-Serie verraten sie es. Heute: Rainer Kölling (TuS Bodenteich).

Bad Bodenteich. Wer von den schon etwas älteren Fußballfans an Rainer Kölling denkt, der hat vor allem dessen Ehrentreffer im DFB-Pokal 1970 gegen den FC St. Pauli vor Augen. Klar, das muss das Traumtor seiner langen Karriere sein. „Nein“, erklärt der heute 66-Jährige, obwohl die Tendenz Pokalspiel durchaus stimmt.

4. Juli 1970. Das Endspiel um den Niedersachsenpokal. Bezirksligist TuS Bodenteich hat sich nach einer Siegesserie den Ruf eines Favoritenkillers erworben. Er trifft im Finale auf die Verbandsliga-Kicker von Göttingen 05. 1200 Zuschauer im Bodenteicher Waldstadion erleben Angriffs-Fußball vom Feinsten. In einer furiosen Partie feiern sie am Ende einen begeisternden 6:1-Sieg der Platzherren, der mit 4:1 zur Halbzeit quasi feststeht. Das hat es nie zuvor gegeben im niedersächsichen Fußball: ein Bezirksligist holt den Landespokal!

Rainer Kölling spielt auf seiner gewohnten Halbposition links. Er markiert drei Kopfballtore. Eines schöner als das andere. Der Treffer zum 5:1 hat es ihm besonders angetan. Flanke Karl-Heinz Erfurth, früher einer der besten Rechtsaußen weit und breit. Kölling schraubt seine 1,86 Meter Körperlänge in die Höhe. Der Ball schlägt aus rund 16 Metern Torentfernung unhaltbar im Göttinger Kasten ein.

„Das war ein Kopfball, wie er im Buche steht“, erinnert sich Kölling noch heute an jedes Detail. Kölling & Co. werden mit dem Niedersachsenpokal in Händen auf Schultern durch das Stadion getragen. Vom Schützenfest in Lüder stellt sich überraschend der Spielmannszug ein und begleitet die Siegerkarawane durch den Ort. Immerhin ist Kölling vor seinem Wechsel nach Bodenteich ein TSVer gewesen und hat sich den Blau-Weißen kurz vorher nur angeschlossen, weil die in die Bezirksliga aufgestiegen waren und nicht Lüder. Der Gemeinderat ruft später eigens eine Sitzung zusammen, um den glorreichen Kickern zu gratulieren.

Die Presse überschlägt sich nach dem Sensationssieg. Köllings drittes Tor an diesem Tag allein sei den Besuch des Spiel wertgewesen. Sie feiert diesen Treffer so: „K.-H. Erfuth schlug einen Freistoß, R. Kölling stieg trotz Bedrängnis wie ein Torpedo schräg nach vorn und zirkelte das Leder genau in den oberen Winkel zum 5:1. Ein Treffer, der so schön war, daß er sich nur schwer beschreiben lässt!“

Drei Wochen später endet der Bodenteicher Erfolgsweg vor laufenden Fernsehkameras. Regionalligist FC St. Pauli wirft den TuS vor 3000 Zuschauern im Waldstadion mit einem 8:1-Sieg aus dem DFB-Pokalwettbewerb. Eine Stunde hält der Verbandsligaaufsteiger gut mit. Kölling hat die Platzherren früh sogar mit 1:0 in Führung geschossen.

Er wird bis zum Ende seiner aktiven Karriere 740 Ligaspiele bis hoch zur Landesliga für den TuS Bodenteich absolvieren, zuletzt als Libero; das ist der immer noch bestehende Vereinsrekord.

Von Bernd Klingebiel

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