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Heide Knights mit Transferclou: Kanadier im Schaufenster

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Ungewöhnlicher Transfer: Der zweitligaerfahrene Kanadier Justin Dennis soll den Ebstorf Heide Knights zu mehr Glanz verhelfen und will sich zugleich bei höherklassigen Klubs ins Gespräch bringen. © privat

Ebstorf. Paukenschlag zum Jahresstart. Der Basketball-Regionalligist Ebstorf Heide Knights hat einen echten Transfercoup gelandet. Mit dem zweitligaerfahrenen Justin Dennis vermeldet der Tabellenletzte eine ebenso spektakuläre wie auch kuriose Personalie.

Das Ungewöhnliche an dem Clou: Der Hochkaräter könnte schon in zwei Monaten wieder weg sein. Denn Justin Dennis sieht die Heide Knights als Sprungbrett und will sich mit starken Leistungen für die Rückkehr in die 2. Bundesliga empfehlen. Die finanzschwachen Ebstorfer zahlen dem Kanadier im Gegenzug kein Geld und hoffen, dass der 28-Jährige dem punktlosen Tabellenletzten auf die Beine hilft.

Eine Art Win-win-Situation also und womöglich ein neues Transferprojekt, das bei den Ebstorfern Schule machen könnte. „Vielleicht ist das ein Modell der Zukunft“, sagt Spielertrainer Leo Niebuhr, der den eingeschlagenen Ebstorfer Weg dennoch nicht verlassen und zukünftig keinesfalls nur auf Spieler setzen will, die sich ins Schaufenster setzen wollen. „Wir werden mit Sicherheit nicht wie andere Klubs der 1. Regionalliga mit ganz vielen amerikanischen Spielern spielen.“ Aus Niebuhrs Sicht ist Dennis ein echter Volltreffer. „Genau so einen Spieler hatte ich mir erhofft. Er ist ein Point Guard (Aufbauspieler / Anm. d. Red.), der das Spiel leiten kann.“

Das Ziel von Justin Dennis ist, sich über die 1. Regionalliga wieder für höhere Aufgaben zu empfehlen. Aufgrund eines überhitzten Marktes und einer Fülle von amerikanischen Basketballern ist die Konkurrenz sehr groß. „Bei uns hat er die Chance, Statistik zu machen“, erklärt Niebuhr. Auch Ebstorf profitiert. Der Top-Mann soll das Team und die jungen Spieler führen und wird sich auch in der Jugendarbeit engagieren.

Dennis sieht sich aber nicht als ein Mann mit Starallüren: „Ich kann auch hier noch viel von den anderen lernen. Ich werde meine Möglichkeit nutzen und so oft trainieren, wie es geht.“ Dabei ist er nicht nur zu den Mannschaftszeiten in der Halle, sondern sieht das Basketballspielen als Vollzeitjob: „Manchmal bin ich morgens in der Halle, oft aber auch spät abends.“

Nachdem er 2014 schon mal den Schritt aus Kanada nach Deutschland gewagt hatte, wurde der 28-Jährige nach seiner Debüt-Saison in der 2. Regionalliga bei Hagen-Haspe von den Hertener Löwen verpflichtet. Hier verletzte sich Dennis nach einem halben Jahr schwer, sodass sein erstes Deutschland-Kapitel abrupt endete. Nun der zweite Anlauf: Dennis ist sehr angetan von den Heide Knights: „Das Training war sehr gut. Die Spieler sind positiv und arbeiten hart“, erzählt er.

Der Neuzugang wohnt vorübergehend bei Ebstorfs Basketball-Spartenleiter Christian Drewes, in Kürze zieht er bei den Eltern von Ex-Spieler Justus Koch ein.

Doch es gibt einen Haken. Der Kanadier verfügt nur über ein Touristenvisum. Die Statuten der 1. Regionalliga schreiben jedoch eine Arbeitserlaubnis vor. Selbst wenn Spieler wie Justin Dennis kein Geld bekommen. Drewes hat Kontakt zur Ausländerbehörde des Landkreises aufgenommen und hofft, dass das „bald und unbürokratisch geregelt wird“. Womöglich könnte der Kanadier in einer Woche spielfrei sein. Für die Sonnabend-Auswärtspartie beim Tabellenführer BG Bitterfeld-Sandersdorf-Wolfen wird es dagegen sehr eng.

Von Arek Marud und Christian Thiemann

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