Der 33-Jährige spricht über die Hintergründe für seinen Rücktritt, die heutige Spielergeneration und den Mannschaftsgeist

Trainerkarussell beim SV Emmendorf: Das große Interview mit Danny Torben Kühn

+
Danny Torben Kühn steht beim SV Emmendorf nach nur einem halben Jahr nicht mehr länger im Mittelpunkt; nach seinem Rücktritt präsentierte Vorsitzender Thomas Kellmer (rechts) gestern mit Achim Otte den Nachfolger auf der Trainerbank; Felix Lüring (links) bleibt Assistent.

Der Rücktritt von Danny Torben Kühn als Trainer beim Fußball-Landesligisten SV Emmendorf wirft Fragen auf. Im AZ-Interview spricht der 33-Jährige über die Hintergründe, die heutige Spielergeneration und den Mannschaftsgeist.

AZ: Herr Kühn, fünf Tage nach Ihrem Rücktritt präsentierte der SV Emmendorf am Mittwoch Achim Otte als Nachfolger. Eine gute Wahl?

Danny Torben Kühn: Das ist top, ich bin froh darüber! Achim Otte ist die optimale Lösung für den Verein.

Fühlen Sie sich nach Ihrem Rücktritt befreit?

Befreit ist das falsche Wort. Ich hatte einige schlaflose Nächte. Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, so richtig realisiert habe ich es vielleicht alles auch noch nicht. Trotzdem bin ich sicher, dass die Entscheidung, so wie ich sie treffen musste, die Richtige war. Ich werde noch ein paar Tage, vielleicht Wochen brauchen, um das Erlebte – positives wie negatives – zu verarbeiten.

Sie sprechen von unterschiedlichen Ansprüchen zwischen Ihnen und zumindest Teilen der Mannschaft, von mangelnder Einstellung – wo lagen die Unterschiede?

Als die Anfrage auf den Trainerposten von Emmendorf kam, stand die Mannschaft gerade auf Platz vier in der Landesliga. Der Ist-Zustand der Mannschaft war also schon gut. Klar gab es leider schon einige Transfers, die man natürlich nicht eins zu eins ersetzen kann. Meine Motivation als junger Trainer war, dass wir am Ende der ersten gemeinsamen Saison besser dastehen als zuvor und es mindestens unter die Top-Fünf schaffen.  

Etwas übermotiviert hätte ich am liebsten dreimal die Woche Training angesetzt. Doch aus nachvollziehbaren Gründen haben wir uns auf zweimal geeinigt. Studium, Arbeit und sonstige Verpflichtungen lassen manchmal auch nicht mehr zu. Ich bin da vielleicht auch nicht mit dem besten Beispiel vorangegangen, da ich auch in Hamburg arbeite/lebe und es nicht zu jeder Trainingseinheit geschafft habe.

Aber wenn die Spieler dann beim Training sind, erwarte ich 100 Prozent Einsatz und Leistungsbereitschaft. Egal ob Felix (Co-Trainer Lüring, Anmerkung der Redaktion) oder ich da waren. Sich eine gewisse Grundfitness anzueignen bzw. diese zu erhalten und bestenfalls auszubauen, liegt auch in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Da hätte ich mir mehr Einsatz gewünscht.

Was war denn der größte Ausreißer für Sie?

Das sind Interna.

Tabellenplatz sieben, AZ-Presse-Cup-Sieg: Haben die Erfolge, letztlich auch der Sprung zur Nummer 1 im Uelzener Fußball, eventuelle Probleme überdeckt, oder sogar erst entstehen lassen?

Von außen betrachtet kann man sich natürlich die Frage stellen „Wo war das Problem? Es lief doch alles“. Wir haben eine ordentliche Hinserie gespielt und als kleinen Bonus den AZ-Cup gewonnen. Aber leider hat die Mannschaft es nicht geschafft, sich unter mir so weiterzuentwickeln, wie ich es mir am Anfang der Saison gewünscht hatte. Wichtig sind ja auch die Ziele, die man sich selber steckt. Und wenn man die nicht erreicht, muss man sich hinterfragen, woran es liegt. Und dann entsprechend handeln.

Hätten Sie die Zügel härter anziehen müssen, sehen Sie Fehler in Ihrer Arbeit? Oder weshalb haben Sie nicht jeden mitnehmen können auf Ihrem Weg?

Selbstverständlich habe ich Fehler gemacht. Wir machen alle Fehler. Es war schließlich auch meine erste Station als Trainer. Es ist aber auch klar, dass man nicht jeden mitziehen kann. Wenn man quasi nur eine Einheit in der Woche am Freitag mit 15 Spielern absolvieren kann, ist es nicht einfach.  

Ich hatte eine eigene Herangehensweise ausgearbeitet, die ich aufgrund aufgrund von mir nicht beeinflussbaren Faktoren nicht verfolgen konnte. Bestenfalls hätte es so laufen sollen, dass ich als Trainer an der Mannschaft wachse und die einzelnen Spieler unter mir.  Wenn aber, wie eben schon gesagt, die Trainingsbeteiligung nicht annähernd bei 70 Prozent liegt, dann kann man nicht zusammenwachsen und sich auch nicht gemeinsam weiterentwickeln.

Dann versucht man einfach nur den Status quo von einem Spieltag zum nächsten zu bringen. Das war nicht mein Ziel. Aber jetzt muss ich für mich auch erstmal aufarbeiten, warum ich oder auch wir dieses Ziel nicht erreichen konnten.

Was unterscheidet die heutige Spielergeneration von der, als Sie noch Anfang 20 waren? Zählen andere Werte?

Eine schwierige Frage, die ich so pauschal auch gar nicht beantworten möchte. Das ist so nach dem Motto „Früher war alles anders“. War es vielleicht auch, aber ob das so viel besser war als heute, will ich nicht behaupten. Hat alles Vor- und Nachteile.

Fakt ist, dass jeder damals in meinem Team alles für den Fußball getan hat. Es ist für viele einfach nur noch ein Hobby geworden. Damals gab es aber auch richtige Leader wie Zasendorf, Schwerter, Bunge, Arndt oder Köster bei den Landesligisten. Diese Spieler haben einem schon gezeigt, was Werte und Einsatzbereitschaft sind. Da hat es im „5 gegen 2“ schon gekracht und es war eine Hierarchie zu erkennen. Solche Typen gibt es halt kaum noch.

Würden Sie die Emmendorfer Mannschaft als „unreif“ bezeichnen?

Etwas polemisch diese Frage. Unreif würde ich nicht sagen. Die Prioritäten werden anders gesetzt. Dies kann aber jeder für sich entscheiden.

Vermissen Sie die Old-School-Fußballer? Sie sind ja auch erst 33 Jahre alt!

Ja, total! Benni und Franni (Mitspieler Benjamin Silbermann und Francesco Sabatino, Anmerk. d. Red.) kenne ich schon lange und die verkörpern zum Beispiel diese Art von Fußballern noch. Man hat natürlich hier und da mal ein Wehwehchen, aber sie waren da, wenn es drauf ankam.

Meine Mutter vermisst auch die Zeit, in der man sich noch Postkarten aus dem Urlaub zugeschickt hat. Heute ist heute, damals ist damals. Vielleicht haben wir früher einmal öfter die Zähne zusammengebissen, aber vielleicht hatten wir auch einfach einen anderen Mannschaftsgeist. Einen, den es auch heute noch geben kann, ich aber nicht aus den Jungs herauskitzeln konnte.

Dennoch ist Ihr Rücktritt für viele nicht nachvollziehbar, da man aufgrund des bisherigen Abschneidens nicht damit rechnen konnte. Was war denn nun der Auslöser?

Niemand weiß, was in/mit einer Mannschaft passiert, wenn man nicht Teil davon ist. Wenn der Vorstand und die Trainer vor beim Rückrundenstart an alle appellieren und man dennoch keine Veränderung einzelner sieht, muss eine Veränderung her.

Mein Kollege (Julian Geils, Anmerk. d. Red.) hat in der Hinrunde bei Ritterhude die Reißleine gezogen. Sehr ähnliche Umstände, aber halt im Tabellenkeller.  Ich möchte aber mehr. Ich möchte nicht nur die Spieler weiterentwickeln, sondern auch mich. Diese Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit waren nicht mehr gegeben.

Was wollen Sie als Trainer als Nächstes machen?

Wie schon gesagt, ich werde die Zeit in Emmendorf jetzt reflektieren, und dann geht es weiter. Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen und bin offen für alles.

VON BERND KLINGEBIEL

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare