Künftig in der U19-Bundesliga

Teutonia Uelzens ehemaliger Juniorenspieler Silas Rathay verlängert beim FC St. Pauli

Fußballer schießt mit dem linken Bein
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Im U17-Bundesligateam des FC St. Pauli spielt Silas Rathay (links) eine führende Rolle.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Aus dem Fußballpendler ist ein fester Bewohner des Jugendtalenthauses des FC St. Pauli geworden. Teutonia Uelzens ehemaliger Juniorenspieler Silas Rathay hat seinen Vertrag für die Bundesliga-U19 des Kultklubs verlängert.

Hamburg/Uelzen – Der gebürtige Rotenburger spielt seit drei Jahren für den Kultklub vom Kiez. Rathay kickte zunächst beim MTV Wilstedt. Nach einem Familienumzug nach Uelzen lief er von der U11 bis zur U13 stets im älteren Jahrgang unter den Trainern Daniel Maaß/Siegfried Grabow und Harald Knüdel für Teutonia auf. Das Riesentalent spielte oft überragend. Der damalige DFB-Stützpunkttrainer und jetzige Emmendorf-Herrencoach Jörg Scholz ebnete Rathay den Weg zum höherklassigen MTV Treubund Lüneburg.

Nach nur einer Saison in der Salzstadt unterschrieb der Mittelfeldspieler seinen ersten Ein-Jahres-Vertrag beim C-Junioren-Regionalligisten FC St. Pauli. Auch Klubs wie der Hamburger SV und Hannover 96 hatten Interesse bekundet an dem Uelzener Juwel, das auch an Lehrgängen der deutschen U15-Nationalmannschaft teilnahm. „Beim FC St. Pauli sind wir gleich nach dem ersten Probetraining ins Gespräch gekommen. Es ist sehr familiär dort“, erklärte Mutter Sabine Rathay damals.

Die Umstellung verlief behutsam. Silas Rathy pendelte zunächst, besuchte weiterhin die Schule in Bad Bevensen. Mittlerweile lebt er im Jugendtalenthaus des Kiez-Klubs in Hamburg.

Im Interview mit az-online.de spricht der 17-Jährige über seinen großen Traum, schildert seinen Alltag im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) und beschreibt, wie sich die Corona-Pandemie auf seinen Fußballer-Alltag auswirkt.

AZ: Silas, was hat den Ausschlag gegeben, für zwei weitere Jahre beim FC St. Pauli zu unterschreiben?

Silas Rathay: Ich habe das Vertrauen meiner Trainer und der sportlichen Leitung im Nachwuchsleistungszentrum gespürt und in den Gesprächen um meinen neuen Vertrag ein gutes Gefühl gehabt. Der FC St. Pauli hat einen konkreten Plan für mich und mit mir, das war mir wichtig. Generell fühle ich mich hier in Hamburg einfach wohl. Ich hatte bisher gute drei Jahre und kann hier weiter an meinem Traum arbeiten, Fußballprofi zu werden.

Wie sieht in der Coronakrise der fußballerische und persönliche Tagesablauf aus? Welche Privilegien im Sportbereich gibt es?

In Teutonia Uelzens U13 war Silas Rathay (Mitte) oftmals der Überflieger.

Ich weiß, dass wir als NLZ- Spieler das Privileg haben, trainieren zu dürfen. Daher hat sich an meinem Tagesablauf nicht so viel geändert. Die angebotenen Einzeltrainings konnte ich nutzen, um an meinen Schwächen zu arbeiten. Wir haben trotz Corona mit der U17-Mannschaft trainieren können. Alle jüngeren Mannschaften bei uns im NLZ durften nicht trainieren. Das Einzige, was für mich und meine Mannschaft wegfällt, sind die Spiele am Wochenende in der U17-Bundesliga. Doch dadurch habe ich mehr Zeit, um nach Uelzen zu kommen und meine Familie zu besuchen.

Wie lebt es sich auf dem Campus des FC St. Pauli?

Ich lebe seit zwei Jahren im Jugendtalenthaus des FC St. Pauli. Es ist einem kleinen Internat ähnlich. Normalerweise stellt man sich unter Internat einen großen Gebäudekomplex vor. Hier haben wir aber zwei Doppelhaushälften in der Nähe der Schule und des Trainingsplatzes. Mit mir wohnen hier noch sieben andere Spieler und eine Pädagogin. Jeder hat sein eigenes Zimmer, dazu gibt es noch Gemeinschaftsräume. Das Zusammenleben gestaltet sich hier wie eine Art WG. Trotz Konkurrenz auf dem Platz ist es wie eine kleine Familie, wir unternehmen in der Freizeit oft etwas zusammen.

Wie weit hat Dich die Zeit in Hamburg persönlich und sportlich geformt, beziehungsweise gebracht?

Sportlich habe ich den Sprung vom MTV Treuburg Lüneburg ins NLZ geschafft. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit im NLZ – mehr Training, andere Tagesstruktur – habe ich meinen Platz in der Mannschaft schnell gefunden. Ich konnte meine Stärken einbringen und weiterentwickeln. Mittlerweile spiele ich seit drei Jahren für den FC St. Pauli und konnte in der U15-Saison sogar bei der U15-Nationalmannschaft mittrainieren. Sportlich hat sich der Schritt für mich ins NLZ also gelohnt. Persönlich bin ich durch das Wohnen im Jugendtalenthaus selbstständiger geworden und habe gelernt, Verantwortung für mich zu übernehmen. Ich erfahre im Verein viel Wertschätzung, da ich offen und fröhlich auf die Leute zugehe.

Wie sieht es aus für Dich mit den DFB-Junioren?

Momentan bin ich dort nicht mehr im Training, da ich nach dem Jahr in der U15-Nationalmannschaft kleinere Verletzungen hatte und deswegen länger nicht auf dem Platz stand. Jetzt bin ich im letzten Jahr der U17. Durch Corona gibt es keine Spiele, in denen ich mich für einen Platz in der U-Nationalmannschaft beweisen kann. Ich hoffe natürlich, dass sich das wieder ändern wird.

Gibt es bei Dir und den Trainern Bedenken, durch die Pandemie ein wichtiges Jahr in der fußballerischen Entwicklung verloren zu haben?

Ich kann da nur für mich sprechen und nicht für die Trainer. Da ich fast das ganze Jahr trainieren konnte, fehlt mir und meinem Team nur der Spielbetrieb am Wochenende. Diese Spiele sind sehr wichtig für uns Spieler, da sie nicht im Training simulierbar sind. Wir machen viele Übungen unter Gegnerdruck im Training, wie Trainingsspiele, aber das ist trotzdem anders als vor Corona. Da ich das Glück hatte, bisher trainieren zu können, kann ich nicht sagen, dass es für mich ein verlorenes Jahr war. Ich weiß von meinen ehemaligen Mitspielern in Uelzen, wie blöd die Situation für sie ist, weil sie gar nicht trainieren konnten und möchte mich deshalb nicht beklagen.

Wie geht’s nach Vertragsende fußballerisch und persönlich weiter, wie sind persönlichen Pläne?

Ich habe gerade meinen Vertrag für die nächsten beiden Jahre in der U19 unterschrieben und freue mich sehr, dass die Reise mit St. Pauli weitergeht. Mein Ziel ist es, mich dort als jüngerer Jahrgang der U19 zu behaupten. In der U19 spielen immer zwei unterschiedliche Jahrgänge zusammen in einem Team, das dann in der A-Junioren-Bundesliga spielt. Ich hoffe, dass ich, auch wenn ich zu den Jüngeren zählen werde, meine Einsätze bekommen kann und in den hoffentlich stattfindenden Ligaspielen gute Leistungen bringen werde. Ich arbeite also weiterhin an meinem Traum, Fußballprofi zu werden. Abseits vom Fußball bin ich in der 11. Klasse und möchte mein Abitur machen. Da niemand weiß, was kommt und ob mein Traum sich erfüllen wird, ist es mir wichtig, einen Plan B zu haben.

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