Verein lehnt Saisonfortsetzung im Frühjahr ab und nimmt notfalls Abstieg in Kauf

Gesundheit vor Fußball beim SV Eddelstorf: „Wir werden definitiv nicht antreten“

Je zwei Spieler stehen sich auf dem Spielfeld gegenüber und begrüßen sich mit dem Ellenbogen.
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Die Eddelstorfer Spieler (links bei einem Fototermin mit zwei Molzener Akteuren für das Titelbild des AZ-Anpfiff-Heftes 2020/21) wollen kein Risiko eingehen und verzichten auf eventuelle Punktspiele im Frühjahr.
  • Arek Marud
    VonArek Marud
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Diese Entscheidung befeuert die Debatte. Die Bezirksliga-Fußballer des SV Eddelstorf werden im Falle einer Saisonfortsetzung im Frühjahr auf keinen Fall zu Punktspielen antreten.

Eddelstorf - Der Verein nimmt dafür notfalls eine Geldstrafe oder gar einen Zwangsabstieg in Kauf.„Sport dient der Gesundheit. So wie das vom NFV gewünscht wird, dient es aber nicht der Gesundheit. Einmal wegen Corona, aber auch wegen möglicher schwerer Verletzungen wegen der kurzen Vorbereitungszeit. Das Risiko ist uns zu groß“, begründet Eddelstorfs Trainer André Kobus – selbst Risikopatient – die kompromisslose Haltung der Gelb-Blauen.

Die Entscheidung fiel bereits einige Tage vor der privaten Online-Konferenz am Mittwoch, 17. März, mit Vertretern von 35 Vereinen, die sich geschlossen gegen den Spielbetrieb im Frühjahr positionierten und stattdessen für eine sofortige Annullierung oder Fortsetzung im Herbst plädierten. Auch Eddelstorf nahm an dem Meeting teil.

Nach ausführlichen Telefonaten kristallisierte sich heraus, dass zahlreiche SVE-Kicker ähnlich wie im Herbst 2020 kein Risiko eingehen wollen und Punktspiele für sie nicht in Frage kommen. Die Mannschaft wandte sich an den Vorstand, der dem Wunsch des Teams mit einstimmigem Vorstandsbeschluss entsprochen hat.

„Wir stehen als Verein dahinter und werden definitiv nicht antreten. Mit allen Konsequenzen“, betont der SVE-Vorsitzende Michael Strzalla. Soll heißen: Die Eddelstorfer würden auch einen Zwangsabstieg in Kauf nehmen. Das gilt auch für die 2. Herren.

Scharfe Kritik am NFV

Strzalla kritisiert scharf das Vorgehen des NFV. „Das ist ein Unding, dass hier krampfhaft versucht wird, eine Saison auf die Beine zu stellen. Die Inzidenzwerte steigen wieder. Der NFV hat nicht einmal über die Gesundheit der Spieler gesprochen. Es wurden noch nie Meinungen von den Offiziellen eingeholt. Ich finde das diktatorisch.“ Auch der Bezirk Lüneburg, der nach fast fünfmonatiger Zwangspause eine 14-tägige Vorbereitungsphase ins Spiel bringt, bekommt sein Fett weg. „Man braucht eine vernünftige Vorbereitung“, schimpft Strzalla.

Auch André Kobus lehnt unter den aktuellen Gegebenheiten Fußballspiele kategorisch ab. „Es geht um die Gesundheit der Spieler und ihrer Familien. Viele Firmen schicken ihre Mitarbeiter nach Hause, um Kontakte zu reduzieren. Parallel erwartet man, dass persönliche Kontakte aufgenommen werden und man Kontaktsport in drei Landkreisen betreibt.“

Weiterer Kritikpunkt: „Es geht um Existenzen. Wenn sich Arbeitnehmer kontraproduktiv gegenüber ihren Arbeitgebern verhalten, müssen sie um ihre Jobs fürchten. Sie sollen sich gut überlegen, ob sie aktuell Fußball spielen wollen. Solche Aussagen gibt es aktuell von den Arbeitgebern“, warnt Kobus.

Nachdem sich ein Eddelstorfer Spieler im Sommer mit dem Corona-Virus infiziert hatte, musste der Bezirksligist vor dem Saisonstart in eine zweiwöchige Quarantäne. „Natürlich spielte das bei unserer jetzigen Entscheidung eine Rolle. Zwei Wochen Quarantäne, das ist ein hartes Brot“, meint Strzalla.

Kritikern, die den Eddelstorfern vorwerfen könnten, er würde Stimmung gegen die Restart-Pläne wegen akuter SVE-Abstiegsgefahr machen, entgegnet Kobus: „Damit hat das absolut nichts zu tun. An oberster Stelle steht die Gesundheit.“ Sein Vorschlag: „Wir könnten die unterbrochene Saison im November fortsetzen, wenn mehr Menschen geimpft sind.“

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