„Hochgradig peinlich“

Suderburgs ehemalige Fußball-Nationalspielerin Chluba ist empört: Frauentraining als Strafe

Fußballerin im Deutschland-Trikot am Ball
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„So eine Aussage ist höchst fragwürdig“, kritisiert Emma Louise Chluba, Ex-Juniorennationalspielerin und frühere Mannschaftsführerin der deutschen U16, den Gladbacher U23-Coach Heiko Vogel.
  • Arek Marud
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„Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen“, hat Gladbachs U23-Trainer zu zwei Schiedsrichter-Assistentinnen gesagt. Nun muss Heiko Vogel ein vermeintliches Straftraining bei einem Frauen- oder Mädchenteam abhalten. Der Sexismus-Eklat sorgt auch im Kreis Uelzen für Empörung.

Uelzen/Landkreis – „Ich finde es hochgradig peinlich, dass solche Worte fallen. So eine Aussage ist höchst fragwürdig“, ist die frühere Juniorennationalspielerin Emma Louise Chluba, die inzwischen für den MTV Barum spielt, verärgert. Die 22-Jährige versteht nicht, wie man sich im 21. Jahrhundert derart diskriminierend über Frauen äußern kann. „Alle sprechen von Gleichberechtigung. Das Frauenbild hat sich gewandelt. Auch Frauen dürfen Karriere machen.“

Chluba kritisiert auch die Entscheidung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV), der Vogel zu einem vermeintlichen Straftraining einer Frauen- oder Mädchenmannschaft verdonnerte. „Die Wortwahl ist nicht richtig. Ist der Verband also der Meinung, dass es auch für die vielen Cheftrainer eine Strafe ist, die eine Frauenmannschaft regulär trainieren?“, hinterfragt Chluba. Vogel soll sich laut einer WDFV-Mitteilung während eines Regionalliga-Spiels gegen den SV Bergisch Gladbach Ende Januar gegenüber Schiedsrichter-Assistentinnen in „ausfallender Weise geäußert“ und folgenden Satz beim Verlassen des Platzes gerufen haben: „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen.“

Kritik aus Wolfsburg von Barums Ex-Coach Michael Schulz

Auch der frühere Frauencoach des MTV Barum und jetzige Trainer des U17-Frauen-Bundesligisten VfL Wolfsburg, Michael Schulz, findet deutliche Worte. „Ein Training mit einer Frauenmannschaft als Strafe zu sehen, finde ich ganz schön heftig und bisschen übertrieben. Frauen und Männer treten beide gegen den Ball“, kritisiert er den WDFV. Generell begrüßt Schulz die Entscheidung, dass Vogel „sich mit dem Frauenfußball beschäftigen soll“.

„Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen“, hat Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel (hier bei einem anderen Spiel am 14. November 2020 gegen Ahlen) gesagt. Inzwischen hat sich der 45-Jährige entschuldigt: „Das war dumm, das war unsportlich und es war diskriminierend.“

Die erfahrene Fußballerin Rita Schumann (SC 09 Uelzen, VfL Böddenstedt, Teutonia Uelzen) lehnt solche frauenfeindlichen Aussagen kategorisch ab. „Eigentlich sollten wir aus diesem Zeitalter raus sein.“ Schumann stört sich noch mehr an der Verbandsformulierung als an Vogels verbalem Aussetzer. „Wie kann ein Training mit Frauen eine Strafe sein? Das geht einfach nicht“, meint die Staffelleiterin der Frauen-Kreisliga.

In einem Offenen Brief hatten sich Bundesliga-Spielerinnen über die „Strafe“ beschwert. Auch Wolfsburgs U17 hatte dieses Schreiben auf ihrer Instagram-Seite gepostet. „Wir teilen diese Ansicht“, betont Schulz. „Den Brief würde ich auch unterschreiben“, sagt Schumann.

Für Chluba sind solche Affären Ansporn. „Der Frauenfußball hat völlig zu Recht viel Anerkennung bekommen. Wir sollten versuchen, ihn noch populärer zu machen.“

Emma Louise Cluba: „Ich wurde häufig belächelt“

Derartige Anfeindungen hatten weder Schulz noch Schumann in ihrer Laufbahn erlebt. Chluba hatte wiederum einen schweren Stand, spielte in der Jugend im Jungen-Team der JSG Suderburg/Holdenstedt bis hoch zur Landesliga. „Ich wurde häufig belächelt und hatte das Gefühl, dass sich die Gegenspieler nicht getraut haben, in den Zweikampf zu gehen.“ Sie hielt dagegen. „Ich war zu kernig und habe mir durch meine Spielweise viel Respekt verschafft.“

Vogel zeigt Reue

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbachs U23-Trainer Heiko Vogel hat nach seinem Verbalaussetzer gegen eine Schiedsrichterin Reue gezeigt. „Ich bereue mein Verhalten sehr. Nach meinem Platzverweis habe ich in einem emotionalen Ausbruch gesagt, dass Frauen nicht auf den Fußballplatz gehören. Das war dumm, das war unsportlich und es war diskriminierend“, sagte Vogel in einem vom Fußball-Bundesligisten veröffentlichten Interview: „Meine Aussage ist absolut nicht zu rechtfertigen und entspricht vor allem nicht meiner persönlichen Einstellung. Ich habe mich dafür bei den Beteiligten entschuldigt und ich möchte mich bei allen Fußball spielenden Frauen und Mädchen und bei allen Schiedsrichterinnen entschuldigen.“

Vogel hatte wegen unsportlichen Verhaltens gegenüber zwei Schiedsrichterassistentinnen eine Auflage erhalten, wonach er sechs Trainingseinheiten einer Frauen- oder Mädchenmannschaft zu halten habe. Daran war Kritik von DFB-Präsident Fritz Keller, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und deutschen Nationalspielerinnen gekommen. Das verstehe er, sagte der 45-Jährige.

„So etwas als Strafe zu betiteln, sendet ein ganz falsches Zeichen. Es war nie in meinem Sinn, dies als Teil einer Strafe zu verstehen. Ich habe es vorgeschlagen, weil ich mich bei den Fußball spielenden Frauen und Mädchen bei Borussia entschuldigen wollte und weil ich ihnen zeigen wollte, dass ich den Frauenfußball wertschätze und auf der gleichen Ebene wie Männerfußball sehe“, beteuerte Vogel: „Leider ist das total falsch rübergekommen. Ich wollte nach meiner mündlichen Entschuldigung einfach auch Taten folgen lassen.“

Die Einheiten wolle er trotzdem leiten, „weil es mir am Herzen liegt“. Aber „natürlich nur, wenn die Spielerinnen dies auch möchten“, erklärte Vogel. dpa

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