Sperber zählte in 80er Jahren dank Edwin Gotthardt zu den Topadressen des norddeutschen Mädchenfußballs

Selbst der HSV war heiß auf Veerßen

Mannschaftsfoto der Fußballerinnen von Sperber Veerßen auf einem Fußballplatz.
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Sperbers Frauen am 11. Mai 1983 auf Teutonias Musterplatz beim verlorenen Kreispokalendspiel gegen SC Kirch-/Westerweyhe:
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Es war ein rasanter Aufstieg: Die Frauenfußball-Abteilung von Sperber Veerßen feiert Mitte der 80er Jahre einen ungeahnten Höhenflug. Vor allem das Mädchenteam zählte zu Norddeutschlands Topadressen.

Uelzen-Veerßen – Die Skepsis ist groß, als 1980 bei Sperber Veerßen die Damenfußballsparte gegründet wird. Es geht Schlag auf Schlag. Nach nur sechs Wochen steht ein spielfähiges Frauenteam. 1982/83 steigt die Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von nur 15,4 Jahren (!) in die Bezirksklasse auf, erreicht das Kreispokalendspiel und zählt bis zum Bezirksligaaufstieg 1988 zu den Topteams der Liga.

Boom Mitte der 80er Jahre

Doch es sind vor allem Sperbers Mädchen (bis 15 Jahre), die für Furore sorgen. Seit Gründung 1985 avanciert die hochveranlagte Equipe in nur vier Jahren zur norddeutschen Topadresse. Die Erfolgsliste ist lang: Landesmeister 1986/87, Hallenbezirksmeister 1987/88 und Bezirkspokalsieger 1988/89. Dazu 3x Kreismeister, 2x Kreispokalsieger und 3x Hallenkreismeister. „Die Mannschaft hatte eine Riesenqualität“, erinnert sich ihr damaliger Trainer Edwin Gotthardt.

Der heute 66-Jährige war der Architekt des Veerßer Frauenfußballs. Nach schwerer Knieverletzung beendete er seine Laufbahn in Sperbers 1. Herren und baute den Frauenfußball im Rekordtempo auf. Ende der 80er Jahre verfügte der Vereine über zwei Damen- und vier Mädchenteams. „Es waren über 100 Spielerinnen. Wahnsinn“, erzählt Gotthardt, der enorm viel Zeit investierte.


Er sprach Spielerinnen aus umliegenden Landkreisen und zahlreichen Vereinen an, als diese irgendwann aus Altersgründen nicht mehr bei den Jungen mitspielen durften, holte fast alle zu Punktspielen ab und brachte sie wieder heim. Dazu kamen Training und Gegnerbeobachtung. „Ein Riesenaufwand“, sagt er heute.

Auch Sören Bertrams Mutter mischt mit

Irgendwann kümmerte sich Gotthardt als Übungsleiter nur noch um den Nachwuchs, mit dem er riesige Erfolge feierte. Sperber Veerßen war ein beliebter und anerkannter Sparringspartner, bekam Einladungen vom HSV, spielte zuhause gegen Jugend-Bundesligist Turbine Potsdam und gewann hochkarätige Turniere. Kapitänin war Niedersachsen-Mädchenauswahlspielerin Britta Schulz. Inzwischen heißt sie Giesen und ist eine erfolgreiche Marathonläuferin aus Hamburg. „Sie war konditionell nicht kaputt zu kriegen“, sagt Gotthardt. Auch Claudia Schröder, Michaela Schulz, Kerstin Schulz und Meike Kirschbaum ragten heraus. Die Bezirksauswahl war fest in Sperber-Hand. Zum Team gehörte auch Simone Dannenfeld, die Mutter von Fußballprofi Sören Bertram. Spielerin Vassiliki Giagtzoglou wurde später Schiedsrichterin und pfiff sogar in der höchsten Frauen-Liga.

Einer von zahlreichen Titeln: Die Sperber-Mädchen werden am 22. Januar 1986 Hallenkreismeister.

Gotthardt, der später Sperbers und MTV Gerdaus 1. Herren trainierte, stellte das Team perfekt ein, legte großen Wert auf mannschaftliche Geschlossenheit. Er galt als Taktikfuchs und Motivationskünstler.

Sensationelle Torausbeute

Ein Triumph ist dem früheren Defensivallrounder in besonderer Erinnerung geblieben. „Große Überraschung beim Endturnier im Mädchenfußball“, titelte die AZ am 10. März 1988. „Keiner hatte damit gerechnet.“ Bianca Behrens erzielte alle Sperber-Tore. „Einmalig“, schwärmt Gotthardt.
Ein Jahr später fegte Sperber die JSG Jesteburg/Bendestorf im A-Mädchen-Bezirkspokalfinale mit 8:1 vom Platz – nach schwer erkämpfter Pausenführung, wie die AZ berichtete.

Ehemaligen-Treffen: Die früheren Sperber-Spielerinnen feierten 2001 ein Wiedersehen.

1987 wurde der Verein für die Erfolge im Frauenfußball mit dem Sepp-Herberger-Preis ausgezeichnet. Es ging munter weiter mit den Errungenschaften. Im Juni 1990 holten die Mädchen erneut den Kreispokal nach einem 3:0 gegen Germania Breselenz. Die AZ-Schlagzeile: „Sperber marschiert weiter auf Erfolgskurs.“

Bitteres und abruptes Ende

Dann das unrühmliche Ende. Gotthardt zog sich aus privaten Gründen zurück. Die Fußstapfen für seine Nachfolger waren offenbar zu groß. Anfang der 90er Jahre löste sich der Frauenfußball auf. Ein echtes Drama, findet Gotthardt. „Ich war so enttäuscht. Da war so viel Herzblut dabei. Das war mein Lebenswerk.“ Geblieben sind Erinnerungen. „Ich blühe gerade auf“, erzählt Gotthardt beim Gespräch mit der AZ.

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