Schneidige Kritik: Gestylt im Lockdown

Fußballprofis glänzen trotz bundesweit geschlossener Salons mit gestylten Frisuren.

Frisch gestylt im Abstiegskampf: So sieht es trotz des aktuellen Lockdowns und geschlossener Salons Wochenende für Wochenende nicht nur auf Schalke aus, sondern in vielen Bundesliga-Stadien. Das ruft auch die Friseur-Innung Lüneburger Heide auf den Plan.
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Frisch gestylt im Abstiegskampf: So sieht es trotz des aktuellen Lockdowns und geschlossener Salons Wochenende für Wochenende nicht nur auf Schalke aus, sondern in vielen Bundesliga-Stadien. Das ruft auch die Friseur-Innung Lüneburger Heide auf den Plan.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Kiel. Pokalsensation. Das Haar sitzt. Gelsenkirchen. Abstiegsangst. Perfekter Halt. Hochbezahlte Fußballprofis glänzen trotz bundesweit geschlossener Salons mit gestylten Frisuren. Nur mit Drei Wetter Taft ist das nicht mehr machbar.

Das irritiert auch Uelzens Friseure, sagt Innungs-Obermeisterin Claudia Schmidt.

Uelzen/Landkreis – Nach dem sensationellen Pokal-Aus beim Kieler Zweitligisten hätten den Bayern-Profis eigentlich die Haare zu Berge stehen müssen. Taten sie bei den meisten aber nicht, weil frisch getrimmt.

In einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat der Zentralverband Friseurhandwerk seinem Unmut Luft gemacht. Präsident Harald Esser prangert mutmaßliche Missachtungen der Corona-Vorschriften an, weil professionell-präzis frisierte Kicker Woche für Woche über die Plätze rennen, obwohl die Friseurläden seit Mitte Dezember geschlossen sind. Das Zurschaustellen der Kopfbedeckungen befeuere die Schwarzarbeit und erhöhe den Druck auf die Coiffeure, weil Kunden trotz des Lockdowns ebenfalls frische Schnitte verlangten (AZ berichtete).

Auch unter den Uelzener Innungsmitgliedern ist das in einer für viele existenzbedrohenden Situation ein haariges Thema, bestätigt Claudia Schmidt: „Manche Fußballer ahnen gar nicht, was für enorme Vorbilder sie sind – nicht nur für Teens und Twens.“

Claudia SchmidtInnungs-Obermeisterin

Trendsetter wie der frühere Handballprofi Pascal Hens mit seinem Irokesenschnitt setzten „tolle Signale“, von denen die gesamte Branche der Haarkünstler profitiere, sagt Schmidt. Leben die Stars aber auch im Lockdown einrasierte Scheitel, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar mit sauberen Konturen vor, wollten die Kunden das auch. So bringen die gestylten Fußballer-Frisen letztlich Friseure und Friseurinnen schwer in Bredouille. „Es gibt unmoralische Angebote“ von Kunden, die zu überreden versuchten, privat die Haare zu schneiden, berichtet Schmidt aus der Innungsgruppe. „Da gibt es dann eine Einladung zum Kaffeetrinken zuhause. Aber bitte mit Schere“, schildert Nadine de la Porte aus Wriedel, die stellvertretende Obermeisterin der Friseur-Innung Lüneburger Heide, Lehrlingswartin und Vorsitzende des Prüfungsausschusses.

Mit dem offenen Brief will der Zentralverband „nicht auf die Fußballprofis einhauen“, wie es in der Öffentlichkeit teilweise dargestellt worden sei, sondern haargenau „auf die Problematik hinweisen“, erklärt Schmidt und fordert einen harten Schnitt.

Denn bei Verstößen gegen die Corona-Verordnungen drohen allen Beteiligten harte Konsequenzen. „Das sind mindestens 250 Euro, die für jede Seite fällig werden. Das geht bis 2500 Euro bei Wiederholung – und auch bis zu 25.000, wenn da ein System hintersteht“, sagt Verbandspräsident Esser. Das lässt sich nicht mal so eben aus der Mannschaftskasse bezahlen.

„Wir appellieren daher an Sie und den DFB: Zeigen Sie in Zeiten wie diesen Solidarität und setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen Schwarzarbeit. Lassen Sie uns den Weg der Pandemiebekämpfung gemeinsam gehen“, schreiben die Verantwortlichen des Zentralverbandes an den DFB-Präsidenten Fritz Keller.

Claudia Schmidt lobt denn auch Profis wie Bayerns Thomas Müller oder Dortmunds Erling Haaland: „Dann eben notfalls mit Matte oder Haargummi das Signal aussenden, mit dem Friseur so lange zu warten, bis der wieder aufmacht.“

Die Spielergewerkschaft VdV hat unterdessen das Haar in der Suppe gefunden und weist die Kritik zurück. „Wenn jemand gegenwärtig mit frisch gestylten Haaren auftritt, bedeutet das nicht, dass dies das Resultat eines Normenverstoßes sein muss. Es gibt auch innerhalb der Familie sowie innerhalb der Mannschaft und des Betreuerteams Personen, die ein Talent für Haarstyling haben“, sagte Geschäftsführer Ulf Baranowsky dem Sport-Informations-Dienst.

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