Referee bläst in Barum gewaltig ins Horn / TSV Bienenbüttel froh über Staffel-Umsiedlung

Vom Schiri gibt’s kräftig was in die Ohren

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Bienenbüttels Fußballer fühlen sich in der Staffel Nord gut aufgehoben. Dadurch bleiben ihnen einige weite Fahrten erspart, dafür fehlen aber die Derbys, wie es sie noch vor Kurzem gegen Union Bevensen und SV Eddelstorf gab. Am Sonntag feierte die Mannschaft nach dem Sieg beim VfL Breese-Langendorf II noch ein wenig und ließ es sich schmecken. 

am Uelzen/Landkreis. Derby voller Anekdoten in Barum, eine Spiel-Staffel voller interessanter Ansätze aus Sicht des TSV Bienenbüttel und ein Torwart in Rätzlingen, der gar keiner ist. Jedenfalls nicht beim Fußball.

Bevor sich der AZ-Nachschuss in die dreimonatige Fußballpause verabschiedet, gibt es noch einmal einige Kuriositäten vom letzten richtigen Fußball-Wochenende des Jahres.

Die Fußball-Fusion verlief ganz nach dem Geschmack des TSV Bienenbüttel. Obwohl der Verein als einziger aus der ursprünglichen Kreisliga in die 1. Kreisklasse Nord und damit in die Lüneburger Staffel einsortiert wurde, sind die Bienenbütteler keineswegs frustriert. „Wir können uns nicht beschweren. Bis auf die Spiele gegen Hohnstorf, Barskamp und Breese-Langendorf sind die Wege zu den Auswärtsspielen kurz. Außerdem ist es für die Spieler eine coole Erfahrung, auch mal gegen andere Teams zu spielen. Das ist eine attraktive Saison“, erklärt Co-Trainer Philipp Meyer.

Auch in sportlicher Hinsicht fühlt sich der TSV in der neuen Umgebung pudelwohl. „Die Liga weist keine Graupen auf. In jeder Mannschaft gibt es mindestens drei, vier Spieler, die richtig gut kicken können“, meint Meyer. Dies erkläre auch die Ausgeglichenheit der Staffel mit einem ausgedehnten Mittelfeld.

Doch ganz ohne Wehmut geht es doch nicht. Meyer vermisst die Derbys mit Union Bevensen oder SV Eddelstorf. Der Wegfall der weiten Auswärtsfahrten nach Suhlendorf oder Bad Bodenteich bezeichnet der Assistent von Florian Schick indes als Segen. „Für uns war das immer eine halbe Weltreise.“

Kommen wir zum Derby in der Bezirksliga zwischen dem MTV Barum und SV Rosche, das gleich drei Anekdoten produzierte. Einer der Beteiligten war der Roscher Erik Reimer. Mitte der ersten Halbzeit fauchte er nach einem Foul an ihm den Unparteiischen Jan-Erik Ramm an. Sein Protest war aber sehr ungewöhnlich und sorgte für ein paar Lacher auf dem Rasen und am Spielfeldrand. „Oh Mann, musst du mir immer so laut ins Ohr pfeifen“, hielt sich der Linksaußen mit beiden Händen seine „Löffel“ zu. Der Referee staunte nicht schlecht, suchte schmunzelnd den Dialog, legte ihm freundlich die Handfläche auf die linke Schulter und meinte zum Abschluss: „Soll ich noch mal?“ Damit hatte Ramm endgültig die Lacher auf seiner Seite.

„Der Schiri haut da dreimal ins Horn, zufällig stand immer Erik daneben. Ich musste da an den Unparteiischen Klaus Rehmus denken. Sein Pausenpfiff dauerte gefühlt 15 Sekunden“, flachste Rosches Trainer Pascal Kläden, der früher auch einmal Opfer einer „Schiri-Pfeifattacke“ wurde. „Ich habe es auch mal erlebt. Da denkst du Halleluja.“

Überhaupt nicht lustig war die Barumer Torwartsituation vor dem Derby. Paul Alvermann und Jan-Philipp Müller waren verhindert. Thomas Staub aus der 2. Mannschaft sollte einspringen, hatte sich aber unter der Woche an der Hand verletzt und sagte ab. „Da war das Drama groß und jeder gute Rat teuer“, wusste Trainer Philipp Zimmermann nicht so recht weiter. Ein Glück, hatte der MTV noch Julian Wulf, der während seiner A-Jugend-Zeit beim Lüneburger SK Torwart war. Im Abschlusstraining wurde er von Keeper Müller fürs Derby warmgeschossen und hielt am Sonnabend im Spiel bravourös. „Er hat sensationell gehalten“, fand sogar der Roscher Trainer Pascal Kläden und lobte vor allem Wulfs Parade beim Fallrückzieher von Christopher Hanke. „Den hält nicht jeder.“

Sorgen der ganz anderen Art hatten die Barumer vor Anpfiff. Den Spielbällen war die Luft ausgegangen. Als sich die Akteure über das zu schlappe Spielgerät beschwerten, unterbrach der Referee kurz nach dem Anpfiff. Verzweifelt suchten die Gastgeber nach der Nadel von der Ballpumpe und tun es wohl immer noch. Nach der dreiwöchigen Heimspielpause ist sie nicht auffindbar.

„Es war im wahrsten Sinne des Wortes die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, fiel Coach Philipp Zimmermann dazu eine passende Redewendung ein. Die Beteiligten entschieden sich in der Zwischenzeit für den noch am besten aufgepumpten der drei Bälle, während Barums Vorsitzender Torsten Lehman den übrigen Pillen mit einem Kompressor den nötigen Saft verpasste.

Und auch bei der SVG Oetzen/Stöcken hatten sie mit schwach aufgepumpten „Pillen“ zu kämpfen. Denn beide Spielbälle waren mit zu wenig Luft ausgestattet. Das schien für Holdenstedts jungen Torwart Marcel Hartwig aber anfangs kein Problem zu sein. Erst als nach jeweils kurzen Spielunterbrechungen beide Bälle wegen Luftmangel aus dem Spielbetrieb genommen werden mussten und eine jetzt prall mit Luft versehene dritte Kugel ins Spiel kam, begannen die Probleme für ihn und seine Mannschaft. Zweimal flutschte ihm der nun wohl zu stramme und arg glitschige Spielball durch die Hände, was zur 2:1-Führung für die Gastgeber führte.

In der zweiten Halbzeit konnte Hartwig aber gegen Ende der regulären Spielzeit mit zwei kurz hintereinander vollzogenen Glanzparaden bei satten Schüssen aus kurzer Distanz glänzend abwehren. Als dann in der Nachspielzeit dem wieder stark spielenden Julian Schütte der 3:2-Siegtreffer gelang, war sicherlich auch für Torwart Marcel Hartwig die Welt wieder in Ordnung.

Eine noch ungewöhnlichere Torwart-Personalie gab es beim TV Rätzlingen. Dort ging im Heimspiel gegen den SC 09 Uelzen kein Feldspieler, sondern gleich ein Handballtorwart zwischen die Pfosten. Nico Paepke vom Landesligisten TV Uelzen vertritt neuerdings den am Knie verletzten Kevin Latus.

Nach seinem Debüt gegen den SV Zernien Anfang November war es bereits der zweite Einsatz beim 0:5 gegen den SC 09 Uelzen. Noch am Abend vorher gewann Paepke mit den TVU-Handballern das Heimspiel gegen den TSV Wietzendorf in letzter Sekunde.

Die Rätzlinger haben Glück, dass Paepkes Pass noch beim TVR ist, obwohl dieser eigentlich kein Fußball mehr spielt. „Ich bin froh über so eine Option. Nico hat eigentlich Gardemaße eines Fußballtorwarts, ist groß und verfügt über eine gute Statur“, erzählt Trainer Oliver Kühn, dem aber sofort auffiel, dass der Aushilfskeeper eigentlich aus einer anderen Sportart kommt. „Man sah schon beim Aufwärmen diesen für Handball so typischen Spagat. Ich rechne ihm hoch an, dass er bei uns aushilft.“

Mit der Bahn zum Pokalspiel nach Osnabrück am kommenden Sonntag. Das war das Vorhaben der Barumer Fußballerinen. Doch den Plan hat der Oberligist am Sonntag verworfen. Begründung: zu risikoreich. Spielerin Fenja Schulte wollte mit dem Zug aus Hannover nach Braunschweig zur Auswärtspartie bei Eintracht anreisen. Doch der fiel wegen einer defekten Hochspannungsleitung aus. „Einmal hat’s geklappt, jetzt hat Fenja den Kürzeren gezogen, sagt Trainer Björn Schwichtenberg. Bereits bei der Auswärtspartie in Hildesheim hatte sich seine Spielerin für die Bahn entschieden. Im Viertelfinale des Landespokals geht der MTV auf Nummer sicher und greift auf Vereinsbusse zurück.

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