Saisonabbruch „die allerletzte Möglichkeit“

Corona-Cut: Uelzens Fußballer müssen sich weiter in Geduld üben

Zwei Fußballer im Zweikampf
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Verdammt lang her: Am 25. Oktober 2020 rollte zuletzt der Ball im Landkreis Uelzen, wie hier im Kreisderby der Heide-Wendland-Liga zwischen dem TuS Ebstorf (links Niklas Witzke) und FC Oldenstadt (Florian Tonn).
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Die Fußballer in Uelzen müssen sich in der Corona-Krise weiter in Geduld üben. Bei einer virtuellen Sitzung der 33 Spielausschussvorsitzenden aller niedersächsischen Fußballkreise kam heraus, dass ein Saisonabbruch die „allerletzte Möglichkeit“ ist.

  • Alle bedeutenden Sportverbände haben ihre Spielzeiten abgebrochen. Letzter Hoffnungsanker für die Amateure ist der Fußball.
  • Doch mit jedem Tag mehr ohne entscheidende Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen droht auch hier das vorzeitige Ende.
  • Uelzener und Lüneburger Vereine haben dem NFV ein Signal von der Basis gesendet.

Uelzen/Landkreis – Am kommenden Mittwoch berät die Ministerpräsidentenkonferenz über die nächsten Schritte in der Pandemie. Einen Tag später tagt der Verbandsvorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV).

Mit dem Frühlingsbeginn keimt auch Hoffnung auf den Restart auf

Verflixte Situation! Reihenweise annullieren Hallensportarten ihre seit letzten November unterbrochene Punktspielsaison. Der Fußball spielt jedoch an der frischen Luft. Mit dem Frühlingsbeginn keimt auch Hoffnung auf den Restart auf. Es werden Zeitmodelle für den Restart entwickelt – und aufgrund sich ständig ändernder Pandemiezahlen wieder beiseitegeschoben.

Das wirft die Frage auf, wann der Wiedereinstieg erfolgen muss, um die Saison überhaupt noch retten und werten zu können. Der NFV will so schnell wie möglich fortsetzen.

Am Donnerstagabend berieten die Spielausschussvorsitzenden aus den 33 NFV-Fußballkreisen, aus den vier Bezirken und dem Landesverband per Video über die Situation. Die ist in Niedersachsen höchst unterschiedlich zu bewerten, weiß der Verbandsspielausschussvorsitzende Jürgen Stebani (Melbeck). Deshalb steht für die Teilnehmer fest: „Ein Saisonabbruch ist nur die allerletzte Möglichkeit.“

Vorratsbeschluss ermöglicht Saisonverlängerung - und den Abbruch

So beschlossen die Funktionäre, einen Vorratsbeschluss in der NFV-Spielordnung verankern zu lassen. Sie wird es den einzelnen Kreis- und Bezirksverbänden flexibel ermöglichen, die Saison eigenständig bis zum Beginn der Sommerferien (22. Juli) verlängern zu können, um zumindest über eine komplett absolvierte Hinrunde den Auf- und Abstieg sportlich zu werten. Oder die Spielzeit in ihrem Bereich notfalls abzubrechen. Dafür sei dann lediglich ein Antrag an den Verbandsvorstand nötig. So will der NFV „Wildwuchs vermeiden“, erklärt Stebani.

Einen Tag nach der Ministerpräsidentenkonferenz tagt der NFV-Verbandsvorstand. Dabei sollen die neuen Regierungsbeschlüsse bewertet werden. Weiterreichende Entscheidungen zur Fußballsaison als die besagte Öffnungsklausel in der Spielordnung seien nicht zu erwarten, sagt Stebani.

Die Zeit verrinnt jedoch wie Sand zwischen den Fingern. Mitte Februar hatte Stebani den Restart noch grob bis Ostern angepeilt, mit einer Vorbereitungszeit von zwei Wochen.

Der Fußballbezirk Braunschweig will seinen Mannschaften sogar eine etwa vierwöchige Vorbereitungsphase gönnen und hat für sich bereits eine Rechnung aufgemacht: „Sollte ab dem 25. April kein Spielbetrieb möglich sein, ist die Beendigung der Serie sehr problematisch bis unmöglich.“ Heißt: Falls bis spätestens Ende März kein Mannschaftstraining möglich ist, dürfte der Saisonabbruch folgen.

Stebani, der auch den Spielausschuss des Bezirks Lüneburg leitet, sieht eine solche Fristsetzung weiterhin kritisch und weiß die meisten Obleute damit hinter sich: „Es gibt viel zu viel Konjunktiv. Wir wollen keine Deadline, damit wirst du festgenagelt. Das ist eine Pseudoplanung.“

Langes Herantasten nach dem Lockdown

Im März mit dem Mannschaftstraining zu starten, erscheint aufgrund der wieder steigenden Corona-Fallzahlen und des Vormarsches der Mutanten aber schon jetzt als kaum noch realisierbar. Ein kurzer Blick zurück ins letzte Frühjahr, als sich der Fußball schon einmal vorsichtig in die Normalität zurücktasten musste: Nach dem ersten Lockdown war Teamtraining fast zwei Monate lang zwar mit Ball, aber nur ohne Körperkontakt erlaubt. Erst Mitte Juli waren nach 127 Tagen Zwangspause im Landkreis Uelzen auch Spiele gegen andere Teams möglich.

Der neueste Stufenplan 2.0 der niedersächsischen Landesregierung erlaubt Kontaktsport ab einem Inzidenzwert von unter 50 für bis zu 30 Personen und erst bei einer Inzidenz von unter 25 für maximal 60 Sportler – erst das würde einen regulären Fußball-Spielbetrieb möglich machen.

Zwei Trainer aus den Risikogruppen: „Saison abbrechen und annullieren!“

Zwei Bezirksliga-Trainer von Teams aus Uelzen und Lüneburg, die ihre Namen in dieser Angelegenheit nicht in der Zeitung lesen möchten, fordern vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) Klarheit über den weiteren Saisonverlauf. Beide gehören in die Corona-Risikogruppen. Sie haben NFV-Präsident Günter Distelrath persönlich angeschrieben.

Eine frühzeitige Entscheidung würde, so sagen sie, „viele Unsicherheiten nehmen und allen eine Planungssicherheit für die kommenden Monate geben.“ Der Stellenwert des Amateursports und des Fußballs erfordere, „so schnell wie möglich und mit der notwendigen Vorsicht den Sport wieder aufzunehmen. Allerdings nicht unter Wettkampfbedingungen.“

Saison im November fortsetzen?

Die Coaches plädieren, „die Saison vorzeitig abzubrechen und zu annullieren und dann mit einer größeren Gewissheit und Sicherheit im Sommer mit einer neuen Saison und identischen Staffelbesetzungen zu beginnen.“ Als Alternative schlagen sie vor, die Spielzeit im November 2021 mit dem Stand fortzusetzen, mit dem sie im letzten November eingefroren worden ist. Ihre Forderung gründen sie auf einem Meinungsbild, das sie bei den Verantwortlichen in rund 20 Uelzener und Lüneburger Fußballvereinen von der Landesliga abwärts und vom Spitzenreiter bis zum Tabellenletzten einsammelten. Die Trainer: „Es ist für uns in der derzeitigen Situation nicht nachvollziehbar, daran zu denken, die aktuelle Saison sportlich beenden und werten zu wollen.“ Es gehe dabei um die Gesundheit, um berufliche und wirtschaftliche Existenzen, um das Wohlergehen von Familien. Auch die von Verbandsseite veranschlagte verkürzte Trainingsvorbereitung für die Amateure von zwei Wochen berge nach mehreren Monaten ohne Fußball „mehr Risiken als Chancen“.

„Zurück ins Spiel“ – aber wann? In den DFB-Landesverbänden gibt es unterschiedliche Planungen.

Hintergrund: Von Annullierung, Satzungsänderung und freiwilligen Wettbewerben

Die Corona-Pandemie stellt die Entscheidungsträger auch außerhalb des Niedersächsischen Fußballverbandes vor große Herausforderungen.

In der Regionalliga Nord ist die Entscheidung über den Saisonfortgang noch nicht gefallen. Es gilt, die Corona-Regelungen von gleich vier beteiligten Bundesländern unter einen Hut zu bringen. Der Lüneburger SK ist eine von wenigen Viertliga-Mannschaften im Norden, die das Training mittels Sondergenehmigung noch nicht wieder aufgenommen haben. Die Lüneburger wollen erst dann gemeinsam auf dem Platz stehen, wenn alle Amateurfußballer dies dürfen.

Der Beirat des Bremer Fußball-Verbands (BFV) hat entschieden, die Spielergebnisse der Hinrunde im Falle eines Saisonabbruchs zu annullieren. „Die Staffeleinteilung der Saison 2020/21 dient dann als Grundlage für die Staffeleinteilung für die Saison 2021/22“, heißt es in der Mitteilung.

Der Hamburger Fußballverband (HFV) will sich bei einem außerordentlichen Verbandstag am 4. März endgültig mit dem Saisonfortgang befassen. Das Präsidium schlägt den Abbruch vor. Dafür hatte sich die Mehrheit der Klubs bei einer Umfrage bereits entschieden.

Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) stellt die Rückkehr von fußballbegeisterten Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – auf die Plätze in den Vordergrund. Dabei müsse es nicht zwingend um Punkte, Auf- und Abstiege gehen, freiwillige Wettbewerbe seien eine Option. Basierend auf den Ergebnissen der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz will das SHFV-Präsidium in einer außerordentlichen Sitzung am 10. März über die Fortsetzung des Spielbetriebs entscheiden.

Im Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFV MV) gibt es zwar keinen offiziellen Fahrplan, doch der Verband ist bestrebt, die Saison sportlich fortzusetzen und zu werten. Unterdessen haben Vereine wie der Lübzer SV und FSV Malchin in einem Brief an die Verantwortlichen den Abbruch gefordert.

Der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) schließt eine Annullierung der Saison 2020/21 nicht aus. Grundsätzliches Ziel ist es aber, zumindest die Hinrunde zu Ende zu spielen. Der Verband will seinen Mitgliedsvereinen eine mindestens vierwöchige Vorbereitungsphase gönnen. Die nächste Vorstandstagung ist für den 6. März anberaumt.

Der Südbadische Fußballverband (SBFV) hat eine Deadline gesetzt, um die nächste Saison 2021/22 „nicht in Mitleidenschaft zu ziehen“. Wenn bis zum 9. Mai nicht der erste Spieltag nach dem Lockdown absolviert ist, müsse die Spielzeit annulliert werden. Voraussetzung für einen Restart sei, dass der Lockdown am 8. April beendet ist.

Der Württembergische Fußballverband (WFV) will die Saison zu Ende bringen und hat eigens seine Spielordnung angepasst. Die Hinrunden in den Ligen sollen erst bis zum 20. Juni beendet werden. Für die Wertung auf Basis der Quotientenregelung reicht es bereits, wenn mindestens 75 Prozent aller Mannschaften einer Staffel alle Vorrundenspiele absolviert haben. Voraussetzung: Der Spielbetrieb startet in Württemberg spätestens wieder am 9. Mai. „Ansonsten bleibt nur der Abbruch mit Annullierung“, erklärt der Verband.

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