Am 31. März fällt die Entscheidung

Saisonabbruch im Amateurfußball: Das bedeuten die Varianten für Uelzener Teams

Fußballer im Zweikampf um den Ball
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Sollte sich der NFV-Verbandsvorstand überraschend für einen Saisonabbruch mit Auf- und Abstieg per Quotientenreglung entscheiden, wäre das insbesondere für den TSV Lehmke (links Patrick Prange) bitter.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Am Mittwoch (31. März) stimmt der Niedersächsische Fußballverband (NFV) über den Umgang mit der Saison 2020/21 für die Amateure ab. Der Verbandsvorstand favorisiert die Annullierung, final entschieden ist das aber noch nicht. Wie sieht es also in den Ligen mit Uelzener Teams aus, falls die Abbruchsvariante mit Wertung anhand der Quotientenregelung kommt? Die az-online verrät’s!

Uelzen/Barsinghausen – Das Urteil über die seit dem letzten November wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Spielzeit ist offiziell noch nicht gesprochen. Das passiert am 31. März irgendwann nach 18 Uhr. Es gilt als fast sicher, dass die Saison ausradiert werden wird. Denn vor exakt einer Woche haben das NFV-Präsidium und die 33 Vorsitzenden der Fußballkreise im Verbandsvorstand mehrheitlich die Weichen auf Annullierung gestellt.

Saisonabbruchsszenarien: Kehrtwende ist nicht ausgeschlossen

Eine Kehrtwende käme überraschend, sie wäre in der Krise beim NFV allerdings nicht die erste. So schuf der Landesverband erst kürzlich die Voraussetzungen für die Saisonverlängerung bis zum Beginn der Sommerferien (22. Juli), und nur wenig später hisst der NFV die weiße Annullierungsflagge.

Es ist die zweite verkorkste Saison in Folge mit drei möglichen Ausgängen. Ein erneuter Abbruch mit Ermittlung von Auf- und diesmal auch Absteigern per Quotientenregelung (Punkte geteilt durch die Anzahl der ausgetragenen Spiele) steht gefühlt deutlich im Abseits. Zur Diskussion steht außerdem die Variante, die unterbrochene Saison solange einzufrieren, bis der Ball wieder rollen darf und sie bis zum Sommer 2022 zu verlängern. Dagegen sprechen unter anderen ungelöste Probleme zu den Spielerwechseln im Sommer und die Ungewissheit in der Pandemieentwicklung.

Die Stimme aus dem Fußballkreis Heide-Wendland (HWK) werden diese beiden Modelle aber nicht erhalten. Hartmut Jäkel, der kommissarische Vorsitzende, kündigte gegenüber az-online an, für die Annullierung zu stimmen. Sein Meinungsbild sei während einer Online-Schalte mit den Vereinen und aus Kontakten mit Klubvertretern gereift. Auf jener Konferenz hatten sich allerdings nur wenige Vereine tatsächlich zu Wort gemeldet.

Der Fußballkreis Gifhorn hat sich am Montagabend (29. März) hingegen nochmals gezielt mit seinen Klubs kurzgeschlossen, die Szenarien erörtert und sich ein Stimmungsbild abgeholt, mit dem er sich dann heute positionieren will. Das Ergebnis deckt sich mit Jäkels Empfindung: Die deutliche Mehrheit in der Gifhorner Konferenz will die Saison löschen.

Gewinner im eigentlichen Sinne gibt es in der derzeitigen Lage nicht. In den Tabellenkellern jubeln die Teams also ganz förmlich, weil eine Annullierung eine für sie verkorkste Saison vom Tisch fegt. In den Spitzengruppen ärgern sie sich hingegen schwarz, weil starke Leistungen nicht honoriert werden und der mögliche Aufstieg auf die lange Bank geschoben werden muss.

Gerettete und ausgebremste Teams bei Annuliierung

Die Anzahl der Profiteure bei einer Annullierung übersteigt die der Benachteiligten. Allein in der Heide-Wendland-Liga würden aus dem Uelzener Bereich drei Teams dem drohenden Abstieg von der Schippe springen: FC Oldenstadt, Sportclub Uelzen, TSV Bienenbüttel. Das Trio könnte zur nächsten Saison – vielleicht mit den alten Problemen – wieder neu starten. Die Bienenbütteler waren bereits im letzten Jahr ein Nutznießer des Saisonabbruchs. Sie verdrängten mit einem um 0,006 besseren Quotienten die Lüneburger SV vom Aufstiegsplatz.

Wird die jetzige Saison 20/21 annulliert, erzeugt das auch für weitere strauchelnde Teams Planungssicherheit. Für den SV Eddelstorf in der Bezirksliga, den TV Rätzlingen und den noch punktlosen SV Emmendorf II in der 1. Kreisklasse Süd sowie den MTV Himbergen, die SV Sperber Veerßen und den TSV Groß Hesebeck/Röbbel in der 2. Kreisklasse: Klassenerhalt!

Anders sähe es beim TuS Bodenteich II in der 1. Kreisklasse und dem noch verlustpunktfreien VfL Böddenstedt in der 2. Kreisklasse aus. Die ausgebremsten Spitzenreiter müssten ihre Aufstiegspläne vertagen. VfL-Trainer Karsten Kröger hofft denn auch auf eine Saisonfortsetzung im Mai, hält sie ab dem Herbst aber für „wenig sinnig“ – dann besser sofort annullieren, sagt auch er.

Saisonwertung mit Quotientenregelung wäre bitter für den TSV Lehmke

Abbruch inklusive Auf- und Abstieg böte die Anwendung der Quotientenregelung. Doch zum jetzigen Zeitpunkt gilt die als impraktikabel und höchst unfair. In den meisten Staffeln ist nicht mal ein Viertel der Spiele absolviert. Beispiel: Neuling TSV Lehmke müsste bei gleichem Punkt- und Torverhältnis mit dem TuS Liepe nach nur acht Partien in der 1. Kreisklasse absteigen, auch weil er Pech mit dem Spielplan hatte: Der direkte Vergleich gegen Liepe ist bereits absolviert und ging mit 0:4 verloren.

Eines der wenigen Gewinnerteams aus dem Kreis Uelzen wäre bei Quotientenwertung der TuS Bodenteich II. Der Spitzenreiter der 1. Kreisklasse Süd hätte auf Knopfdruck den Aufstieg in der Tasche. Auch in der letzten Saison waren die Blau-Weißen Glückspilze eines Abbruchs ohne Absteiger, als sich der drohende Fall für den Tabellenvorletzten in Luft auflöste. Und doch plädiert TuS-Trainer Hadi Karamac diesmal für eine Saisonfortsetzung als „faire Lösung für jeden Verein“.

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