HVN und Region Lüneburger Heide einig

Saisonabbruch: Uelzens Handballer müssen in eine lange Sommerpause

Pfosten eines Handballtores wird mit einem Tuch abgewischt
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Kehraus für diese Saison im niedersächsischen Handball: Der Landesverband hat gestern Abend den sofortigen Abbruch der Spielzeit 2020/21 beschlossen; die selbstständigen Regionen wollten sich diesem Schritt anschließen, heißt es aus dem Präsidium.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Alle Hoffnung ist vom Tisch. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) und die Handball-Region Lüneburger Heide haben den Schlussstrich gezogen. Sie haben die Saison 2020/21 wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Es wird aus sportlichen Gründen keine Auf- und Absteiger geben.

Uelzen/Hannover – Im virtuellen Raum stimmte der HVN sein Vorgehen mit den Regionsvorsitzenden ab, die jeweils die Lage vor Ort einschätzten. Die Region Hannover-Weser-Leine preschte bereits Ende Januar vor, als sie die Saison in ihrem Zuständigkeitsbereich für beendet erklärte (AZ berichtete).

Mit der Verlängerung des harten Lockdowns bis mindestens zum 7. März ist bei den Verantwortlichen auch der letzte Funke Hoffnung erloschen, die im Herbst gestartete und fast im selben Atemzug wieder unterbrochene Saison regulär fortsetzen zu können. In etlichen Ligen sind bisher sogar noch gar keine Punktspiele ausgetragen worden.

Für die Hallensportarten sieht es in dieser Saison überall coronabedingt ziemlich düster aus. Auch der nordwestdeutsche Volleyball hat bereits die Reißleine gezogen.

HVN-Präsident Stefan Hüdepohl aus Uelzen und Vizepräsident Spieltechnik, Jens Schoof, zeigen sich einig: „Die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen zwingen uns, die Saison für die Mannschaften der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären.“ Der Abbruch solle ohne Wertung aller bisher ausgetragenen Spiele erfolgen.

„Sportler brauchen eine Perspektive“

Der offizielle Beschluss des HVN werde „im Laufe dieser Woche“ ergehen, erklärte Hüdepohl, für die Umsetzung sei noch Rechtssicherheit zu schaffen. „Ein Akt“, sagte der Uelzener Rechtsanwalt. Am Inhalt gibt es freilich keinen Zweifel mehr: Im niedersächsischen Erwachsenen-Handball werden in dieser Serie keine Punktspiele mehr ausgetragen. Lediglich für interessierte Oberligisten bei den Frauen und Männern soll eine Tür für mögliche und freiwillige Aufstiegsspiele zur 3. Liga offen gehalten werden.

Allein von den 164 an einer HVN-Umfrage teilnehmenden Vertretern der Landesliga- und Landesklassen-Vereine – darunter die Männer des TV Uelzen – hatten sich knapp 90 Prozent dafür ausgesprochen, die Saison abzubrechen beziehungsweise auf eine Wertung zu verzichten. Die „Black Owls“ um Trainer Maurice Maus hatten sich bereits frühzeitig auf Abbruch positioniert.

Somit ist die gestrige Entscheidung keine große Überraschung, der HVN hat nun aber auch Tatsachen geschaffen. Gleichzeitig wollen die Verbandsverantwortlichen Spielmöglichkeiten schaffen, die über den Charakter von Freundschaftsspielen hinausgehen.

Uelzens Sporthallen erst nach Sommerferien offen?

Ob dafür aber auch die Sporthallen wieder zur Verfügung stehen werden, bezweifelt Hüdepohl. Er zeichnet ein düsteres Bild: „Ich sehe die große Gefahr, dass wir die Hallen nicht bis zu oder sogar erst nach den Sommerferien wieder nutzen dürfen.“

Hüdepohl: „Die überwältigende Mehrheit der Regionen und der Vereine unterstützt den Abbruch, fordert gleichzeitig auch Perspektiven, den Handballsport wieder zu betreiben.“ Ziel müsse sein, zumindest zurück ins Training zu kommen, „um dann Spiele auf freiwilliger Basis in engen regionalen Grenzen nötigenfalls auch auf Rasen oder im Sand zu organisieren.“

Hüdepohl wörtlich: „Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt. Die Integrationskraft und die gesellschaftliche Verantwortung des Sports werden immer betont. In einer Zeit wie jetzt kann der Sport helfen, die Gesellschaft wieder zusammenzuführen und zu stärken. Gerade deshalb brauchen wir schnellstmöglich eine Perspektive durch die Politik.“

Wir brauchen schnellstmöglich in den Bereichen, in denen die Inzidenz niedrig ist, eine Trainingsmöglichkeit in Gruppen auch in der Halle.

HVN-Präsident Stefan Hüdepohl (Uelzen)

Das Papier „Stufenplan 2.0“ der Landesregierung mache die Vertreter des Handballsports in Niedersachsen nicht glücklich und sei zuletzt „durch den Niedersächsischen Fußballverband zurecht kritisiert worden“. Hüdepohl: „Wir brauchen schnellstmöglich in den Bereichen, in denen die Inzidenz niedrig ist, eine Trainingsmöglichkeit in Gruppen auch in der Halle.“

Letztlich muss auch die Handball-Region Lüneburger Heide, die bisher stets optimistisch auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs gehofft hatte, die Segel streichen: Sie hat erwartungsgemäß die Saison 2020/21 in ihren Spielklassen von der Regionsoberliga abwärts mit sofortiger Wirkung abgebrochen.

Region Lüneburger Heide: Abbruch nach neun Saisonspielen

Die selbstständige Region, in der auch die Uelzener Mannschaften organisiert sind, zeigt sich damit solidarisch mit dem Handball-Verband Niedersachsen (HVN). Der Vorstand hatte während einer virtuellen Sitzung am 11. Januar festgelegt, dass der Restart nur erfolgen könne, falls die Mannschaften ab Mitte Februar mit dem Hallentraining beginnen. Das ist nach der gültigen Corona-Verordnung des Landes aber nicht möglich.

TSV Bienenbüttels Frauen als einziges Uelzener Team mit einem Saisoneinsatz

Die Konsequenz: Saisonabbruch! In den Staffeln wurden damit insgesamt nur neun Partien ausgetragen, eine mit Uelzener Beteiligung: Die Frauen des TSV Bienenbüttel verloren in der Regionsliga Nord am 25. Oktober 2020 mit 20:23 gegen die SG Adendorf II.

Nur ein Uelzener Team ging in der jetzt abgebrochenen Saison auf Torejagd: Die Frauen des TSV Bienenbüttel (rechts Miriam Ohlhagen unterlagen im einzigen Spiel der SG Adendorf II am 25. Oktober mit 20:23 Toren.

Gleichzeitig beschloss der Regionsvorstand, dass es in den Spielklassen keine Auf- und Absteiger gibt. Sollten Aufsteiger aus den Regionsoberligen in die Landesligen gemeldet werden müssen, „werden diese unter sportlichen Gesichtspunkten im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten ermittelt“, erklärt der Regionsvorsitzende Wolfgang Kaplick (Celle). Falls eine Mannschaft freiwillig absteigen möchte, „kann sie das kundtun“. Über beantragte Aufstiege entscheide der Vorstand.

Handballsaison 2021/22 soll Ende September/Anfang Oktober starten

Der Startschuss in die Saison 21/22 soll regionsweit Ende September/Anfang Oktober mit den jetzigen Staffelbesetzungen und Ligen fallen. Die Spieltechnik will – falls die Möglichkeit wieder besteht – auch „kurzfristig vor den Sommerferien ein Angebot unterbreiten, Spiele auszutragen“, erklärt die Handball-Region.

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