AZ-Pokalserie Uelzener Cup-Geschichte(n)

Siegeszug der Roscher Fußballerinnen in den 80er Jahren

Mannschaftsfoto der Roscher Fußballerinnen, die in zwei Reihen postiert sind. 
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Kreispokalsieger 1980 (oben von links): Fußballobmann Wolfgang Meyer, Trainer Willi Dehnke, Elfi Barthold, Angelika Schulz, Meike Mennerich, Martina Sperling, Gaby Schulz, Betreuer und Teamgründer Arnold Gennink; untere Reihe von links: Michaela Koch, Conny Wolf, Angela Steindorf, Babette Steindorf, Angela Lücke, Gaby Zachow.
  • Arek Marud
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Meister, Pokalsieger, Aufsteiger und Fair-Play-Vorbild: In der AZ-Pokalserie „Uelzener Cup-Geschichte(n)„ geht es dieses Mal um die Fußballerinnen des SV Rosche in der 80er Jahren.

Rosche - Es war eine kurze, aber überaus erfolgreiche Blütezeit des Roscher Frauenfußballs. Erst im Mai 1977 gegründet, wurde die Mannschaft schon 1981 Kreismeister und Kreispokalsieger nach einem 3:2-Endspielsieg gegen den TSV Jastorf. Rosche stieg in die Bezirksklasse auf, wurde auf Anhieb erneut Meister, verzichtete aber aus Zeit- und Kostengründen auf das Bezirksliga-Abenteuer, ehe der schleichende Zerfall einsetzte. „Wir waren das Aushängeschild des Vereins und haben Rosche über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht“, erinnert sich die damalige Torhüterin Angela Steindorf an eine aufregende Zeit.

Vor allem die Zusammenstellung der Mannschaft, aber auch das Durchschnittsalter ließen aufhorchen. Sage und schreibe zehn Schwestern aus vier Haushalten gehörten zum Team: Familie Koch war mit vier jungen Fußballerinnen vertreten (Michaela, Kerstin, Susi und Christa). Außerdem spielten Kerstin und Martina Sperling, Angelika und Gaby Schulz und die Steindorf-Schwestern Angela und Babette. Angela Steindorf war zum Punktspielstart mit 17 Jahren die Älteste, Michaela Koch mit 14 jüngstes Teammitglied.

Bolzen mit den Jungs

Dass sich die Mannschaft so prächtig im Frauenbereich entwickelte, lag an den fußballerischen Vorkenntnissen. „Wir konnten alle gut kicken, weil wir früher mit den Jungs auf dem Bolzplatz gespielt hatten“, erzählt Angela Steindorf.

Doch ohne Arnold Genning hätte es der SVR-Nachwuchs definitiv nicht so weit gebracht. Er war Gründer und Förderer dieser Mannschaft, kümmerte sich um vieles. „Er hat alles für uns getan und uns immer zu Spielen begleitet“, ist Steindorf auch heute noch voll des Lobes.

Legendärer T2-Bus

Nach dem Schnuppertraining 1977 unter der Leitung von Erika Jeske (Lehrerin in Rosche) wurde das Team zu den Punktspielen in einer der zwei Bezirksstaffeln angemeldet. Fahrten von fast 200 Kilometern waren keine Seltenheit. Sie waren beschwerlich, aber spaßig dank des „legendären T2-Busses“. Steindorf: Auf der Rückfahrt haben wir immer gesungen.“ Heinz Dock stellte zusätzlich seinen Privat-PKW zur Verfügung. Das Training übernahm Willi Kuck.

Nach der Staffelreform 1980 und dem personellen Umbruch ging es unter Neutrainer Willi Dehnke bergauf. Rosche wurde mit 43:5-Punkten und 136:14 Toren Kreisliga-Meister und Kreispokalsieger. Im Endspiel gegen Underdog TSV Jastorf tat sich der Favorit aber schwer. Erst neun Sekunden vor dem Schlusspfiff gelang der zweifachen Torschützin Babette Steindorf der 3:2-Siegtreffer nach 1:2-Rückstand, den Martina Sperling per Kopfball-Abstauber egalisierte.

Die Roscher Fußballerinnen feierten 2012 ein Wiedersehen. Das Erfolgsteam hatte sich 1984 nach sieben unvergesslichen Jahren aufgelöst.

Sattelfeste Abwehr

Babette Steindorf war die herausragende SVR-Akteurin. Sie erzielte allein 1979/80 32 Saisontore und erhielt eine Einladung zur Bezirksauswahl. „Sie war unser heimlicher Star“, berichtet Schwester Angela, die sich als Torfrau auf ihre sattelfeste Abwehr mit Gaby Zachow, Andrea Klinger, Gaby Schulz und Martina Sperling verlassen konnte.

Drei Jahre ohne Gelbe Karte

Und es ging rasant weiter. Aufsteiger Rosche wurde Bezirksklassen-Meister, verzichtete aber 1982 aus Kosten- und Zeitgründen auf den Aufstieg. Drei Jahre blieb die Mannschaft ohne einen einzigen Minuspunkt in der Fair Play-Wertung: Angela Steindorf relativiert: „Der Frauenfußball war nicht so grob angelegt. Die Schiedsrichter waren einfühlsamer und zückten nicht gleich eine Karte.“ Und dennoch: „Wir haben nicht gemotzt und wurden vom Trainer/Betreuer geerdet.“ Die technische Komponente half ebenfalls: „Wenn man feinfühliger spielt, muss man nicht auf Fouls setzen.“

Rosche sah auf gewisse Weise dann doch noch „rot“: Nach dem Bezirksliga-Verzicht bröckelte das Erfolgsteam. Die Steindorf-Schwestern und Gaby Zachow wechselten zum SV Eddelstorf. Danach ging es zum SV Molzen, der sich mit vielen Roscherinnen und Wierenerinnen verstärkt hatte. Während das Roscher Team komplett zerfiel und sich nach sieben erfolgreichen Jahren auflöste, gewann Angela Steindorf mit Molzen erneut den Kreispokal. 2012 feierte die Roscher Mannschaft dann ein Wiedersehen mit 15 Spielerinnen.

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