Vor 35 Jahren hatten die Blau-Gelben die Qualifikation dicht vor Augen

Teutonia und die Aufregung im DFB-Pokal

Ein Spieler liegt bei einem Gerangel an der Torlinie. Der Ball fällt dabei ins Tor.
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Als Thorsten Kahmann (links) gegen Stelingen zum 1:0 trifft, war die Teilnahme am DFB-Pokal für Teutonia Uelzen zum Greifen nah.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Wenn der DFB-Pokal mit den Halbfinals in die heißeste Phase tritt, werden Erinnerungen wach. Teutonia ist vor 35 Jahren das letzte Uelzener Team, das dicht dran war am nationalen Cupwettbewerb.

Uelzen/Landkreis – Als die Lose für die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal der Saison 1986/87 gezogen werden, bläst Fußball-Uelzen Trübsal. Die Zuckerstädter haben von den Bayern, Dortmund, dem HSV oder Werder geträumt. Stattdessen bleibt ihnen wie immer in diesem Wettbewerb nur die Zuschauerrolle.

Zwei Endspiele für Teutonia Uelzen um den Einzug in den DFB-Pokal. Zwei Niederlagen. Zunächst verspielen die Blau-Gelben die Fahrkarte in die 1. Hauptrunde am 22. Juni 1986 vor fast 1000 Zuschauern auf dem Musterplatz. Im Finale um den Niedersachsenpokal verlieren sie unglücklich mit 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung gegen den klassenhöheren Landesligisten TSV Stelingen.

„Gibt’s doch gar nicht!“

Zwar schießt Thorsten Kahmann die Gastgeber mit 1:0 (20.) in Führung, doch Bosch (35.) gleicht aus. Bis zum Schlusspfiff hat das 1:1-Unentschieden Bestand, auch wenn der TSV sich nach 90 Minuten als leichter Punktesieger fühlen darf. Teutonia-Mäzen Gerd Kock ist enttäuscht: „Das hätten wir schon in der ersten Halbzeit entschieden haben können, das gibt es doch gar nicht!“, beklagt er sich auf Uelzen TV.

Die Verlängerung – für Teutonia im Pokalwettbewerb die dritte in Folge und zweite binnen acht Tagen – bringt in der 104. Minute die Entscheidung gegen die Uelzener. Neumann spielt Keeper Mario Drewes aus und versenkt den Ball aus extrem spitzem Winkel. Olaf Rose, der anschließend als Profi zum SV Werder wechseln wird, Uwe Behn in seiner Abschiedspartie für Teutonia und Mittelstürmer Uwe Koch vergeben mehrfach den längst verdienten Ausgleich.

An jenem Sonnabend trägt Teutonia tiefe Trauer. Denn auch der für diesen Tag ersehnte Aufstieg in die Landesliga platzt, weil in der Aufstiegsrunde der dafür erforderliche Sieg des VfR Osterode gegen den Bremer SV nicht zustande kommt – 5:6 nach Elfmeterschießen.

Erinnerungen werden wach: Knut Willhöft blättert in seinen archivierten AZ-Spielberichten.

Drei Tage später aber knallen dann doch Sektkorken. Teutonia gewinnt in Buchholz das Entscheidungsspiel gegen den VfL Bückeburg und schafft den Sprung in die Landesliga doch noch.

Nach der Sommerpause öffnet sich eine zweite Tür in den DFB-Pokal. Der Modus führt den Verlierer des Landespokalfinals, Teutonia, gegen den Unterlegenen des Endspiels einer Ausscheidungsrunde der Amateuroberligisten (damals 3. Liga), SV Meppen. 1086 Fans sehen am 27. Juli eine chancenlose Heimelf. Teutonia ist meist damit beschäftigt, die Emsländer an weiteren Gegentoren zu hindern. Mit dem 0:2 (0:1) nach Treffern von Robert Thoben und des Meppener Rekordspielers Bernd Deters (524 Spiele) kommen die insgesamt glänzend verteidigenden Platzherren noch bestens davon. Jedoch: Aus der Traum vom DFB-Pokal!

Mit einem kräftigen Tritt befördert der SV Meppen die chancenlose SV Teutonia (Mitte Martin Lankau) im Entscheidungsspiel aus dem Rennen um einen Platz im DFB-Pokal.

„Lass den Tag endlich kommen!“, erinnert sich Knut Willhöft an die Vorfreude und Anspannung, die herrschte. Der Außenverteidiger und Sechser, der 1981 als 17-Jähriger in Teutonias Erster Herren debütiert und bis 1995 ein Dauerbrenner bleibt, weiß: „Für Uelzen wäre der DFB-Pokal sensationell.“ Es kommt anders: „Nach dem Abpfiff gegen Stelingen waren wir sehr enttäuscht“, sagt Willhöft. Gegen Meppen hingegen sei das Schlusssignal eher eine Erlösung für das Team gewesen.

So baut Teutonia während der anschließenden Auslosung nur Luftschlösser statt Denkmäler. „Dortmund!“, jubelt der Uelzen-Rauswerfer Meppen bereits. Doch am Ende der Ziehung fehlt ein Los (siehe Hintergrundkasten). Nochmal von vorn. Der SVM bekommt im zweiten Anlauf den MSV Duisburg zugelost. Er wird gegen den Nordrhein-Oberligisten und deutschen Amateurmeister dann mit 1:2 ausscheiden.

Und der TSV Stelingen? Der hat in der 1. Hauptrunde Arminia Bielefeld zu Gast und fliegt gegen den Zweitligisten mit 1:5 auch gleich raus.

Ein Los liegt unter dem Tisch
Duisburg statt Dortmund als Gegner für Teutonia-Bezwinger SV Meppen in der DFB-Pokalsaison 1986/87! Glücksfee Walter Baresel, der damalige DFB-Spielausschussvorsitzende, hat bei der Ziehung der 1. Hauptrunde unbemerkt das Loskärtchen mit den Stuttgarter Kickers unter den Tisch fallen lassen. Erst als Tennis Borussia Berlin am Ende ohne Gegner dasteht, fällt das Missgeschick auf. Die Berliner protestieren, das gesamte Prozedere wird gezwungenermaßen wiederholt. Meppen muss sich nunmehr mit dem MSV Duisburg statt Borussia Dortmund begnügen. Und Tennis Borussia Berlin erhält – die Stuttgarter Kickers!

Auch Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss schreibt Los-Geschichte. 1999 hält sie mit der Loskugel Nummer 29 nur zwei schwarze Hälften statt eines Vereinslogos in die TV-Kameras. Es startet eine längere Suche, die das korrekt geprägte Los aus einem Papierkorb herausbefördert. 2013 dann verortet Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer eine Kugel beim heftigen Mischen unabsichtlich aus dem Amateur- in den Profitopf.

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