Fußballkreis mit überraschendem Vorschlag

Fußball in Uelzen: Vier Wochen Vorbereitung und Spielstart bis zum 6. Juni

Zwei Fußballer im Wettlauf mit dem Ball
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Wettlauf gegen die Zeit (rechts TSV Wriedels Dib Muhammad im Laufduell mit Oetzens Roy Stolzenbach): Mit jedem weiteren Tag ohne Lockerungen ist die Saisonfortsetzung ein Stück weiter entfernt. Der Spielausschuss im Heide-Wendland-Kreis hat seinen Vereinen am Montagabend die Perspektiven aufgezeigt.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Neue zeitliche Perspektive für den Fußball im Heide-Wendland-Kreis trotz schwer eingetrübter Aussichten. Es gibt neue Eckdaten, wie die Halbserie noch beendet werden kann. Doch der Abbruch rückt nach den Bund-Länder-Beschlüssen vom Montagabend immer näher.

Uelzen/Landkreis – Der Spielausschuss hat am Montaggabend auf einer Online-Konferenz mit Vereinsvertretern Etappenziele vorgeschlagen – ungeachtet der zeitgleich bei der Bund-Länder-Konferenz gefassten weitreichenden Beschlüsse im Umgang mit der Corona-Pandemie auch für den Amateursport.

Auf der Fußballer-Konferenz lastete zunächst der Schatten der Revolte von fast drei Dutzend Klubvertretern (az-online berichtete). Die hatten am Mittwoch (17. März) wegen der eskalierenden Lage in der Pandemie mobil gemacht gegen den Niedersächsischen Fußballverband (NFV), der nach ihrer Auffassung unbeirrt, ohne Mitsprache der Vereine und Rücksicht auf die Kicker daran festhalte, die Saison auf Biegen und Brechen zu beenden.

Kurz danach erhielten alle Mitgliedsvereine per E-Mail die Einladung des Heide-Wendland-Kreises zum gestrigen „Meinungsaustausch“. Es ging um die „aktuelle Situation“ und einen „Ausblick auf die kommenden Monate“. Aus 104 Fußballvereinen waren in der Spitze 109 Vertreter inklusive ein paar Gästen online. Die Einladung wurde allseits gelobt.

Der Spielausschussvorsitzende Thore Lohmann betonte gegenüber der AZ, dass dieser kurzfristig anberaumte Termin für Herren und Senioren nichts mit der Mittwochs-Revolte zu tun habe, sondern nach einer Vorstandssitzung in der letzten Woche bereits geplant gewesen sei.

Diese Turbulenzen „haben den einen oder anderen im Spielausschuss getroffen“, zeigte sich Lohmann betrübt. Es sei dort der Eindruck entstanden, dass die Mitglieder nicht mehr das Vertrauen von Vereinsverantwortlichen genießen. Lohmann: „In ein paar Monaten ist der nächste Kreisfußballtag, auf dem auch der Spielausschuss neu gewählt wird. Wenn es Leute gibt, die es besser können, den Spielbetrieb zu organisieren, dann sind sie herzlich aufgerufen, sich zu melden.“ Die Arbeit des Spielausschusses stellten die Konferenzteilnehmer in Wortbeiträgen jedoch nicht infrage.

Spielbetrieb im Heide-Wendland-Kreis spätestens bis zum 9. Juni

Revolutionär erscheint dann das, was der Spielausschuss den Kickern präsentiert, um die seit fast fünf Monaten eingefrorene Saison aufzutauen und zu einem sportlich möglichst fairen Abschluss zu führen. Die Mannschaften müssten bis spätestens 9. Mai – viel später als vermutet – wieder ins Training einsteigen können. Sie bekämen sogar vier statt der vielerorts scharf kritisierten zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung auf den Spielbetrieb, schlug Lohmann vor.

Ab spätestens dem 6. Juni müsste der Ball im Heide-Wendland-Kreis dann wieder rollen, um in allen Staffeln und nur mit Sonntagsspielen die Hinrunde komplett zu beenden und somit die Auf- und Absteiger sportlich zu ermitteln. Das sei nur möglich, wenn der Heide-Wendland-Kreis seine Möglichkeit nutzt und die Saison bis zum 21. Juli verlängert.

Lohmann: Bei Quotientenregelung gibt es „immer mindestens einen Härtefall“

Das Modell, die aktuell nur zu rund einem Viertel absolvierte Saison als Grundlage für diese Entscheidungen zu nehmen und die Quotientenregel anzulegen (Tabellenstand anhand von Punkten pro Spiel) lehnt Lohmann kategorisch ab. „Wir müssen alle gleichwertig behandeln. Doch es wird in jeder Staffel immer mindestens einen Härtefall geben“, erklärte er gegenüber der AZ. Also Mannschaften, die nur auf- oder absteigen, weil ihnen der unvollständige Spielplan entsprechende Gegner bescherte. Lohmann: „Man kann sich ja vorstellen, was dann los ist! Da gibt es auf allen Ebenen Beschwerden und Klagen, die auch bei mir auf dem Anrufbeantworter landen. Das ist keinem zuzumuten“, sagt der Ehrenämtler.

Sollten die im Heide-Wendland-Kreis geöffneten Türen für die Fortführung wegen behördlicher Pandemie-Auflagen doch zufallen, sei für ihn persönlich nur die Annullierung der Saison sinnvoll, betonte Lohmann. Jürgen Stebani, der NFV-Spielausschussvorsitzende: „Das ist das schärfste Schwert“ in einer „rechtlich hochkomplexen“ Gesamtlage.

Breiten Raum nahm der Vorschlag ein, die angefangene Saison über den Sommer hinweg auf Eis zu legen und erst im Herbst weiterzuspielen. „Charmanter als Abbruch“, lobte Lohmann. Achim Otte, Trainer des SV Emmendorf, hielt ein Plädoyer für eine möglichst kurze Unterbrechung und eine übergreifende Saison 20/22, wies dabei auf die herausragende gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs und der Vereine „als Anlaufstelle“ hin. Stebani: „Der NFV überprüft, ob dies rechtlich möglich ist.“ Es gebe „Riesenprobleme“ bei den Spielerwechseln im Sommer.

Stebani: „Nach den Beschlüssen in Berlin gibt‘s wenig Hoffnung“

Ansonsten machte der Melbecker Spitzenfunktionär den Fußballern wenig Hoffnung: „Nach den Beschlüssen in Berlin gibt's wenig Hoffnung, die Saison halbwegs ordentlich zu Ende zu bringen. Wir torkeln dem Abbruch entgegen. Der Silberstreif am Horizont ist weg.“

Wie das mögliche Abbruchsszenario ausgestaltet werden würde, hat der NFV noch nicht entschieden. Der Verbandsvorstand kommt am Dienstagabend (25. März) zu einer Konferenz zusammen, um die Corona-Sachlage „anhand von Fakten und auf Sicht zu bewerten, um zu verhältnismäßigen Entscheidungen im Umgang mit dem Spieljahr zu gelangen“, heißt es aus Barsinghausen.

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