Die nächste Saison kommt bestimmt:

Die schönsten Trainingsausreden im Uelzener Teamsport

Ein Fußballer schläft mit Ball in den Armen auf dem Sofa
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Statt zu trainieren lieber auf dem Sofa etwas entspannen - mancher Kicker lässt sich dafür die wildesten Ausflüchte einfallen.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Coronakrise: Kein Mannschaftssport, kein Wettkampf, kaum Training – und auch keine Ausreden. Irgendwann aber wird es auf den Fußballplätzen und in den Sporthallen wieder losgehen. Dann wird der eine oder andere vor dem nächsten Waldlauf und Zirkeltraining kneifen. Und wilde Ausreden erfinden.

Uelzen/Landkreis – Die nächste Saisonvorbereitung kommt bestimmt. Im Fußball. Im Handball. Im Volleyball. In allen Sportarten. Nach der langen Zwangspause wird sie knüppelhart. Und wenn der Coach dann auch noch das Reizwort „Konditionstraining“ in die WhatsApp-Gruppe schreibt, gehen die Absagen der Amateursportler steil. Die Ausreden sind mal originell, mal ärgerlich, mal skurril, mal fragwürdig – und manchmal auch ehrlich. Die AZ hat sich umgehört.

André Kobus, Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Eddelstorf, erinnert sich an seine erste Station bei Sperber Veerßen. „Der absolute Kracher! Ein Spieler, den wir damals als Stürmer vom SC 09 Uelzen geholt haben, hat mich damals eine Stunde vor dem Anpfiff eines Punktspiels angerufen und mir erzählt, dass seine Frau nicht möchte, dass er zum Fußball kommt, sondern er den Hasenkäfig aufbauen soll.“

Wilde Ausreden per WhatsApp - ein Trainer hat es oft nicht gerade leicht...


Harald Voigts, der jetzige Co-Trainer des Kreisklassenvertreters SC Kirch-/Westerweyhe, hat während seiner Tätigkeit am Uelzener Fischerhof ebenfalls einschlägige Erfahrungen gesammelt: „Beim Sportclub hatte ich mal einen Spieler, bei dem hatte die Mutter drei Mal im Jahr Geburtstag als Grund für Trainingsabsagen. Aber dem konnte man einfach nichts übel nehmen, weil er einfach ein geiler Typ war.“

Hubertus Kopp, Teammanager beim Bezirksligisten VfL Suderburg, kennt ebenfalls stichhaltiges Kabinengeflüster: „Bei uns ist mal einer nicht zum Training gekommen, weil sein Tätowierer nicht schneller fertig geworden ist, hat er gesagt.“ Auch in der damaligen Suderburger U15 habe es Drückeberger gegeben: „Wir hatten Spieler, die jede Woche eine Latein-Arbeit geschrieben haben. Und die Oma, die dreimal im Jahr Geburtstag hat, kenne ich auch.“

Den Oma-Klassiker gibt’s beim SV Rosche nicht

Jeder so, wie er meint. Den Oma-Klassiker gibt es beim SV Rosche allerdings nicht, behauptet Pascal Kläden steif und fest. Der Bezirksliga-Coach: „Grundsätzlich hoffe ich, dass meine Jungs gern zum Training kommen. Wenn ich mir die Beteiligung anschaue, dann ist das auch so.“ Aber in Wirklichkeit hat auch in Rosche nicht immer jeder Kicker ausreichend Zeit zum gemeinsamen Üben.

„Ein Spieler von uns hatte zwei, drei Mal die Ausrede, dass er einen Hühnerstall bauen muss“, räumt Kläden ein. Hühner in Rosche und Hasen am Fischerhof, tierisch gut!

So ganz nimmt Kläden seinem Kicker die Geschichte aber nicht ab. „Erstens, ich wusste und weiß gar nicht, dass er Hühner hat. , hab’ den Hühnerstall nie gesehen. Drittens, hat er mich nie gefragt, ob ich Eier haben möchte!“ Und so ist daraus in Rosche ein Running-Gag geworden. „Der Hühnerstall ist immer Thema bei uns in der Truppe“, lacht Kläden.

Ansonsten sind bei dem Bezirksligisten verkehrstechnisch bedingte Verspätungen auf den abendlichen Anfahrten zum Training durchaus ein Hauptpunkt. Der Coach augenzwinkernd: „Ich bitte den Landkreis, zu schauen, ob man dort etwas ändern kann! Denn es heißt immer: Stau in Rätzlingen...“

Mit 30 Jahren das Zimmer aufräumen

Eine besondere Anekdote hat auch Trainer Jörn Drögemüller vom VfL Suderburg II auf Lager. Ein ehemaliger Mitspieler habe sich telefonisch beim Übungsleiter mit den Worten abgemeldet „Ich muss mein Zimmer aufräumen!“ Drögemüller: „Werde ich nie vergessen! Der war etwa 30 Jahre alt!“

Auch die Handballer sind mit allen Wassern gewaschen

Auch die Handballer sind mit allen Wassern gewaschen, wie es scheint. Thomas König, Trainer des Männerteams des TSV Nettelkamp: „Ein Spieler mit Doppelspielrecht in der A-Jugend und bei den Männern meldete sich zu einem Spiel ab, weil er angeblich mit seinen Eltern eine Tante zu ihrem Geburtstag besuchen müsse. Dumm nur, dass dann die Eltern zum Spiel in die Halle kamen und die Partie ansahen. Ihr Sohn war allerdings nicht beim Spiel, weil der ja mit ihnen bei der Tante war.“

Ansonsten aber kommen dem Handball-König „eigentlich sehr wenig“ extravagante Ausflüchte unter. Der TSV-Coach: „Weil ich meinen Spielern sage, dass ich selbst gespielt habe und sowieso jede blöde Ausrede kenne. Das glauben die mir und versuchen es meistens erst gar nicht.“

Auch Maurice Maus, der den Männer-Landesligisten TV Uelzen coacht, kann aus seiner ein Lied über Ausflüchte anstimmen. Ein Spieler erklärte ihm, dass seine Freundin mit seiner Sporttasche noch einkauft und er es nicht zum Training schaffen werde. Maus „Ich hatte auch mal einen Torwart, der vorwiegend mittwochs um 20.15 Uhr eine neue Küche bekam oder den Schimmelmann im Haus hatte.“

„Habe immer noch Muskelkater von Dienstag“

Maurice Maus hat als Handballer und Trainer verschiedener Mannschaften ein Sammelsurium an skurrilen Ausreden und Absagen für Training und Match von Spieler-/innen erhalten:

- „Hallo Trainer, ich kann nicht spielen, ich bin beim Kanufahren mit dem Hintern auf einen Stein gefallen.“

- „Moin, wir waren gestern Abend noch unterwegs. S. hat mich vom Baum geworfen, ich kann nicht zum Training kommen.“

- „Hallo, bin beim Wandern im Harz den Abhang runtergefallen, bin heute und am Wochenende nicht einsatzbereit.“

- „Hi Trainer, ich kann leider am Dienstag nicht zum Training kommen, weil meine Sportsachen vom Spiel am Samstag noch bei D. im Auto sind. D. ist zum Studium, kommt erst Freitag wieder, dann bin ich auch wieder dabei.“

- „Moin Trainer, bin etwas grippeangeschlagen, daher wohl keine Kraft für 60 Minuten. Die Jahreshauptversammlung beim Fußball gestern Abend hat damit nichts zu tun. Ich hab nur Cola getrunken.“

- „Hi Mucki, bin raus für heute (Freitag), habe immer noch Muskelkater von Dienstag.“

Bei den TVU-Handballern wird unter Maus nicht gemogelt, sagt Maus. „Meine Jungs brauchen keine Ausreden!“ So gebe es die Absprache, „dass jemand lieber sagt, dass er keine Lust hat, mit dem Team zu trainieren oder beim Spiel dabei zu sein.“ Der Coach: „Mir ist Ehrlichkeit absolut wichtig. Daher haben die Jungs alle nur maximal zwei Omas und die haben auch alle nur einmal im Jahr Geburtstag.“

Teutonia Uelzen U18-Trainer Henning Schröder: „Ausreden? Gibt es bei uns nicht!“

Im Dilemma zwischen Training und Zockerabend, zwischen Saisonvorbereitung und Ausflug mit der Freundin stecken die Kicker beim U18-Landesligisten Teutonia Uelzen hingegen nicht. Absagen seien laut Coach Henning Schröder „generell eine Seltenheit“. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass Spieler „in dieser hohen Klasse eine sehr positive Einstellung zur Leistungsbereitschaft in sich tragen“, vermutet er.

Natürlich komme es mal vor, dass wichtige Klausuren oder auch die Fahrstunde den Trainingstermin unmöglich machten. Aber: „Wir haben in all den Jahren ein tolles und charakterstarkes Team aufgebaut, das gänzlich ohne Ausreden auskommt, es basiert alles auf gegenseitigem Vertrauen. Die Jungs bilden eine geschlossene Einheit, wollen permanent gefordert werden und ziehen voll mit. Die Spieler haben diesen Anspruch auch an sich selbst“, erklärt Schröder.

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