Morgens um sechs im Fitnessstudio

Nach Verletzung greift Johanna Wende beim Frauenfußball-Bundesligisten FC Carl Zeiss Jena neu an

Junge Torhüterin kniet beim Training im Tor.
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Torhüterin Johanna Wende und ihr Team lassen sich trotz des letzten Tabellenplatzes mit zwei Punkten aus zwölf Spielen in der Bundesliga nicht in die Knie zwingen: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen!“
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Zurück in den gewohnten Trott. Nach den Feiertagen beginnt am Montag (3. Januar) auch für Johanna Wende wieder der Alltag als Fußballerin in Diensten des Frauen-Bundesligisten FC Carl Zeiss Jena.


Jena/Uelzen – Trainerin Anne Pochert hatte ihren Spielerinnen individuelle Pläne für die Tage nach Weihnachten mitgegeben. „Die bestanden aus Laufen, Kraft und Schnelligkeit“, erklärt Wende.

Im letzten Sommer unterschrieb die Torhüterin aus Holdenstedt einen Zwei-Jahres-Vertrag bei dem Aufsteiger aus Thüringen, der nach nunmehr zwölf Runden noch sieglos am Tabellenende liegt. Johanna Wende hat in der höchsten Spielklasse im deutschen Frauenfußball bisher aber noch keine Minute absolviert – sie zog sich eine langwierige Verletzung zu.

Von 2014 bis 2017 trug Torhüterin Johanna Wende bei den Junioren das Trikot des SV Emmendorf.

Die jetzt 18-Jährige spielte zuletzt allein unter Jungs in der U18 des VfL Westercelle in der Landesliga und davor für den SV Emmendorf und SV Holdenstedt. Von 2015 bis 2018 lief Wende parallel für die Mädchenteams des VfL Wolfsburg auf, spielte in der B-Juniorinnen-Bundesliga, feierte 2018 mit den Wölfinnen die deutsche U17-Meisterschaft. Sie absolvierte sieben Spiele für die deutschen U15-/U16-Nationalmannschaften. U19-Bundestrainerin Katrin Peter nominierte Wende im letzten Juni für einen Vorbereitungslehrgang auf die erste EM-Qualifikationsrunde.

Im Interview mit az-online.de spricht Johanna Wende über ihre ersten Monate in Jena, die Diskussionen zur Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball und über ihre Nationalmannschaftskarriere.

Johanna, wie ist das erste halbe Jahr in Jena für Sie verlaufen?

Johanna Wende: Sportlich begann die Saison ziemlich gut, doch eine Woche vor Saisonbeginn zog ich mir eine schwere Verletzung im Training zu. Der Mittelfußbruch zwang mich zu einer dreimonatigen Pause. Seit fünf Wochen bin ich nun wieder im Mannschaftstraining.

Was bedeutet Bundesliga-Frauenfußball in Jena – sind Spielerinnen und Umfeld vollprofessionell?

Das Umfeld in Jena ist nach den Vorgaben zur Flyeralarm-Bundesliga schon ziemlich professionell. Meine Mitspielerinnen sind Studentinnen, Schülerinnen, Azubis oder anders berufstätig.

Und wie genau sieht Ihr Alltag aus?

Der ist schon stressig. Da ich noch nebenbei eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau mache, fängt mein Tag schon um 6 Uhr im Fitnessstudio an. Nach Feierabend geht es oft gleich zum Training. Abends gegen 19 Uhr ist der Tag dann ,gelaufen’.

Die Tabellensituation ist nicht gut für Ihr Team. Was gibt noch Hoffnung auf den Klassenerhalt in der Bundesliga?

Unsere Stärken, mit denen wir den Aufstieg schafften, haben wir zu selten ausgespielt. In vielen Situationen und Spielen waren wir zu blauäugig. Diese Stärken – Zweikampfverhalten, schnelles Umschaltspiel mit der mannschaftlichen Geschlossenheit – gilt es nun wieder zu verbessern. Und so lange man es rechnerisch noch schaffen kann, heißt es kämpfen, kämpfen, kämpfen!

Rückblickend auf 2021, überwiegen bei Ihnen die positiven oder negativen Gefühle?

Das einzig Negative in 2021 waren die drei Monate Verletzung. Ansonsten war 2021 schon sehr positiv für mich.

Im Mai 2021 veröffentlichte unter anderen National-Torhüterin Almuth Schult ein Positionspapier für mehr Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball. Zunächst mal: Kennen Sie sie persönlich, Schult spielt ja schließlich bei Ihrem Ex-Klub VfL Wolfsburg und stammt aus Lüchow-Dannenberg?

Almuth kenne ich nur aus einzelnen Trainingseinheiten damals in Wolfsburg.

Wie wichtig sind diese Themen im Positionspapier für Sie im täglichen Fußballgeschäft?

Bei uns sind sie aktuell im Team kein Thema. Für uns Spielerinnen liegt der Fokus mehr auf den Spielen und Training. Wahrscheinlich weil wir als einziger Verein der Bundesliga mit Anne Pochert bereits eine Frau als Trainerin haben.

Der Blick nach vorn, was erwarten Sie von 2022?

Zunächst ist mein primäres Ziel, in Jena im Team eine feste Größe zu werden. Und wenn das erreicht ist, sich dann für die U-Nationalmannschaften wieder zu empfehlen. Das Ertönen der Hymne ist schon ergreifend. Man ist einfach stolz, für sein Land spielen zu dürfen. Doch das entscheiden andere. Ich muss nur Leistung abrufen.

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