TVU-Frauen kämpfen um Landesligaaufstieg / Trainer Maus: Handballkräfte bündeln!

„Es muss sich etwas bewegen!“

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TVU-Trainer Maurice Maus mahnt Veränderungen an: „Wer heute noch glaubt, dass es über längere Sicht eine handballaktive Region mit vielen Vereinen und Mannschaften geben wird, ist leider ein Träumer.“

Uelzen. Landesliga-Renaissance im Uelzener Frauenhandball? Der TV Uelzen (24:8 Punkte) steht als Tabellenzweiter der Regionsoberliga vor zwei wichtigen Spielen: heute, 15 Uhr, gegen Verfolger HSG Elbmarsch (3./22:8). Und am Sonnabend, 17. März, 15 Uhr, bei Spitzenreiter SV Altencelle II (28:4).

Trainer Maurice Maus, selbst aktiver Landesligaspieler bei den TVU-Männern, nimmt im AZ-Interview dennoch eine trübe Bestandsaufnahme des Uelzener Handballs.

AZ: Herr Maus, wie hoch ist der Einsatz für Ihr Team?

Maurice Maus: Das sind die entscheidenden Spiele, die wir personell stark gebeutelt angehen.

Wieso das?

An diesem und kommenden Wochenende haben wir leider keine gelernte Torwartin, da wird unsere Co-Trainerin Angelika Hennings die Aufgabe übernehmen. Hinzu fehlen uns gegen Altencelle weitere wichtige Leute, und die 2. Mannschaft spielt zeitgleich. Aktuell haben wir gegen Altencelle keine sieben Leute zusammen. Daher hatten wir Celle vor einigen Wochen bereits um eine Verlegung gebeten, diese haben sie abgelehnt. Dies war keine besonders faire Entscheidung, zeigt aber, dass sie Angst vor einer Niederlage gegen uns in voller Besetzung gehabt haben. Und ich muss sagen: zu Recht!

Und wie sieht es gegen Pokalsieger Elbmarsch aus?

Elbmarsch werden wir einen heißen Tanz bieten, um diese Punkte in der Hansestadt zu behalten. Die Abwehr wird wieder souverän zu Werke gehen und unsere Geli im Tor so in der ungeliebten Aufgabe unterstützen. Dennoch ist zu befürchten, dass wir uns leider nach diesen Spielen gegen direkte Konkurrenten eventuell aus dem Meisterschafts- und Aufstiegsgeschehen verabschieden werden.

Aufstiegsplatz zwei nach 16 Spielen kommt dennoch überraschend, oder?

Wir haben in dieser Saison einen sehr kleinen Kader von zehn Frauen, die sind alle klasse und kämpfen füreinander. Es ist in diesem Jahr ein durchgängiges Leistungsniveau vorhanden. Es ist egal, wer ausfällt, die nächste Spielerin kann die Aufgabe ohne Leistungsverlust übernehmen. Ein absolutes Topteam!

Ist der Aufstieg in die Landesliga sportlich machbar oder müssten Sie das Team dann neu aufstellen?

Leider hat dieser Kader einige Jahre zu spät zusammengefunden, um tatsächlich nochmal realistisch in der Landesliga anzugreifen. Meine Mädels sind im Schnitt fast alle weit über 30 Jahre, es fehlt eindeutig an Spielerinnen im Alter zwischen 20 bis 30 Jahren.

Wo liegt denn dann die Perspektive?

Für mich als Trainer ist es aktuell ein Ziel, die Mannschaft Stück für Stück zu verjüngen und um Janine Tippe, Franziska Marrek und Kristina Dauven über die nächsten Jahre eine Mannschaft in der Regionsoberliga aufzubauen. Dazu brauche ich aber das jetzige Team, damit sie den jüngeren Spielerinnen das erforderliche Handwerkszeug mit auf den Weg geben.

Wäre so ein Aufstieg nicht auch das ersehnte Signal im Uelzener Frauenhandball nach dem Niedergang in Nettelkamp und Oldenstadt und der Krise in Ebstorf?

Vereinsübergreifend sehe ich harte Zeiten auf den Handball in der Region zukommen. Seit ich mich hier in der Region mit Handball befasse, ist meine feste Meinung, dass die Vereine gemeinsame Sache machen sollten/müssen. Eine große Spielgemeinschaft halte ich für die einzige Möglichkeit, Damen- und Herrenhandball perspektivisch in der Landesliga anbieten zu können sowie eine „leistungsorientierte“ Jugendausbildung zu gewährleisten.

Warum klappte das bisher nicht?

Jeder versucht, seine Suppe zu kochen. Dabei wird viel Energie investiert, und im Ergebnis müssen die Vereine Teams abmelden, zuletzt Nettelkamp. Gerüchten zufolge wird auch im Sommer ein weiterer Verein seine Damenmannschaft vom Spielbetrieb abmelden.

Wie kritisch ist die Lage?

Wenn man sich allein die letzten 15 Jahre anschaut – Bodenteich (Herren), Rosche (Damen), Post SV (Damen), Teutonia (Damen), Oldenstadt (Damen), Nettelkamp (Damen und Herren), TV Uelzen (Herren von der Oberliga in Landesliga), Ebstorf (Herren aus der Landesliga in die Regionsklasse), keine Jugendmannschaft mehr im Bereich Oberliga im Landkreis – dann muss man sehen, dass sich etwas bewegen muss!

Und falls das nicht passiert, was dann?

Wer heute noch glaubt, dass es über längere Sicht eine handballaktive Region mit vielen Vereinen und Mannschaften geben wird, ist leider ein Träumer. Also Fazit: Ja, die Kräfte sollten gebündelt werden, denn so hätten wir bereits bei den Damen Landesliga in der Region.

Von Bernd Klingebiel

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