„Die Luft ist raus“

Bange Blicke: Wie geht es mit der Fußballsaison weiter, was ist das richtige Rezept? Uelzens Fußballer (hier der VfL Suderburg) sind sich uneinig. Die einen wollen weitermachen, andere möchten noch später oder lieber früher loslegen als im September. Und dann gibt s auch das Lager der Befürworter des sofortigen Saisonabbruchs.
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Bange Blicke: Wie geht es mit der Fußballsaison weiter, was ist das richtige Rezept? Uelzens Fußballer (hier der VfL Suderburg) sind sich uneinig. Die einen wollen weitermachen, andere möchten noch später oder lieber früher loslegen als im September. Und dann gibt s auch das Lager der Befürworter des sofortigen Saisonabbruchs.

Uelzen/Landkreis – VON BERND KLINGEBIEL UND AREK MARUD. Seit dem Wochenende ist es das Gesprächsthema Nummer 1 unter Fußballern und Fans. Der Plan, die seit dem 13. März wegen der Corona-Pandemie ausgesetzte Saison möglichst zwischen dem 15. August und 1. September wiederaufzunehmen, hat an der Basis bei den Uelzener Klubs ein Erdbeben ausgelöst.

Am Freitagabend sickerte durch, dass der Verbandsbeirat des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV-Präsidium sowie die Vorsitzenden der 33 Kreise) in einer Telefonkonferenz einstimmig dafür votierten, mit der ausgesetzten Spielzeit von der Oberliga abwärts nach der Sommerpause durchzustarten (AZ berichtete).

Diese Lösung gelte als „alternativlos“, ein Saisonabbruch aus (haftungs-)rechtlichen Gründen als ausgeschlossen. Das Meinungsbild in den Vereinen soll die Grundlage bilden für die endgültige Entscheidung des Verbandsvorstandes, die Ende dieser Woche erwartet wird. Im Heide-Wendland-Kreis ist am Mittwoch eine Videokonferenz mit den Klubvertretern geplant.

Nach der dreimonatigen Winterpause ab Dezember haben die meisten Teams Anfang März noch ein oder zwei Punktspiele bestritten. Oder auch keines, wie der TSV Wriedel (1. Kreisklasse) und Sperber Veerßen (2. Kreisklasse), die bei einer Fortsetzung ab September neun bzw. fast zehn Monate (!) ohne Pflichtspieleinsatz wären.

Beim abgeschlagenen Landesliga-Schlusslicht und designierten Absteiger SV Emmendorf trifft das Konzept nicht auf Gegenliebe. „Ich persönlich bin der Meinung, dass man diese Corona-Saison komplett beenden sollte. Nach einer fast neunmonatigen Spielpause würden sich vermutlich alle darauf freuen, eine reguläre Saison ab Herbst spielen zu können“, erklärt Vorsitzender Thomas Kellmer. Der Verein würde einen Saisonabbruch mit Abstieg klaglos hinnehmen. Kellmer: „Der SV Emmendorf wäre aufgrund der sportlichen Ergebnisse in der bisherigen Saison mit einem Abstieg in die Bezirksliga einverstanden.“

Auch Römstedts Trainer Torben Tutas kann sich mit dem NFV-Vorschlag nicht anfreunden. „Ich finde das nicht so besonders. Die Luft ist raus. Ich wäre dafür, dass man die Saison deshalb vorzeitig beendet. Wieso muss der Fußball eine Sonderstellung haben?“ Andererseits kann Tutas die Pläne auch nachvollziehen. „Es ist verständlich, dass der Verband Rechtsfragen aus dem Weg gehen will.“ Trotzdem befürchtet Tutas weitere Komplikationen. „Spielt man weiter, hat man eventuell das Problem, dass man wieder abbrechen muss.“

SV Eddelstorfs Vorsitzendem Michael Strzalla geht die Unterbrechung sogar nicht weit genug. Er plädiert dafür, die Saison bis Februar 2021 einzufrieren und dann mit der Rückrunde zu beginnen. Bis dato solle es keine Spielerwechsel und Transfers geben. „Sonst gibt es ein Hickhack.“ Das September-Vorhaben wirft bei ihm Fragen auf. Denn dann wäre die Saison eventuell schon Ende 2020 fertig: „Was macht man im Winter? Spielt man ab März eine verkürzte Saison?“

Suderburgs Teammanager Hubertus Kopp würde am liebsten früher loslegen. Sein Credo: abwarten, ob Fußball im Sommer möglich ist, und dann in gestraffter Form und mehreren Spielen pro Woche weitermachen. „Ich hätte es besser gefunden, wenn man die Saison in englischen Wochen bis August absolviert.“ In puncto Saison-Fortsetzung stimmt er dem NFV zu. „Es ist zwar nicht unsere Wunschlösung. Aber vom Fair Play-Gedanken her ist es gut, dass man nicht annulliert.“ Die Suderburger stecken im Aufstiegskampf und würden gern die Meisterschaft in der Bezirksliga eintüten. Denn im kommenden Jahr wird es deutlich schwerer, Meister zu werden. Teams wie TSV Bardowick, allen voran aber der TuS Neetze rüsten mächtig auf. Kopp: „Nächstes Jahr ist ein Titel für Uelzener Teams kaum zu wuppen.“

Abbruch keine Option

Doch es gibt auch das Lager der Befürworter der September-Pläne des NFV. Einer davon ist Barums Spielertrainer Nicolai Bäsler. Er finde es gut, dass die Saison später beendet wird. „Bevor man eine neue Saison anfängt, muss man erst mal die alte abschließen. Abbruch wäre nicht der richtige Weg, weil man in der Tabelle eine krumme Situation hat. Sie ist nicht zu 100 Prozent aussagekräftig. Manche Vereine haben mehr Spiele absolviert. Bei uns stehen in den ausbleibenden elf Partien gleich sieben Heimspiele aus.“ Bäslers Meinung ist bemerkenswert. Barum wäre ein Nutznießer des Saisonabbruchs. Die Mannschaft steckt im Abstiegskampf, steht aber aktuell über dem Strich. „Wir wollen aber nichts geschenkt bekommen“, erklärt der Spielercoach.

Solange wie kaum ein anderer Verein kann sich der SC Kirch-/Westerweyhe bei einer Saisonfortführung ein Dreivierteljahr lang über die Herbstmeisterschaft freuen. Carsten Behnke, Trainer des Spitzenreiters der 2. Kreisklasse Süd, hält eine Restsaison ab dem 1. September ebenfalls für eine „gute und gerechte Lösung“. Nun gelte es, die Spieler auch mental bei Laune zu halten. Personell hat Behnke auf dem möglicherweise lang gezogenen Weg zum Titel keine Sorgen: „Alle Spieler bleiben!“

Ein sportlich großes Ziel verfolgt auch der Heide-Wendland-Ligist SV Holdenstedt, der als Tabellenvierter auf den Durchmarsch hofft. Trainer Martin Lübkert: „Wir profitieren von dem Plan. Aber auch wenn wir im Mittelfeld stehen würden, halte ich eine Fortsetzung für die richtige Entscheidung. Es ist fairer, wenn die Saison zu Ende gespielt wird.“

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