Das lieb gewonnene jährliche Ritual

Auch der Medizinball wird beim Sportabzeichen benutzt. Hier von Maren Havemann in Wieren.
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Auch der Medizinball wird beim Sportabzeichen benutzt. Hier von Maren Havemann in Wieren.

Uelzen/Landkreis – Start mit Verzögerung. Wegen der Corona-Krise hat die neue Sportabzeichen-Saison mit mehrwöchiger Verspätung begonnen. Trotz der Euphorie unter Uelzens Sportlern droht ein massiver Rückgang der Absolventenzahlen.

Für viele ist es ein lieb gewonnenes jährliches Ritual.

Während der Wettkampfsport zu Zeiten von Corona ruht, können die Freizeitsportler endlich wieder auf ihren Fitnessorden hinarbeiten und ihre Leistungen fürs Deutsche Sportabzeichen erbringen.

„Es ist super, dass es endlich wieder geht, wenn auch unter anderen Voraussetzungen“, ist Gundula Lindemann erleichtert. Sie und ihr Mann Jürgen gehören zum neunköpfigen Prüferteam des TuS Wieren. Einer Sportabzeichen-Hochburg im Landkreis Uelzen. Seit Anfang Juni wird dort wieder fleißig trainiert. Die Zwangspause ist vorüber. „Es gab wichtigere Sorgen zu Corona-Zeiten. Das Sportabzeichen fällt ja in die Kategorie ,Nice to have’ (Schön, es zu haben). Trotzdem wäre es schade, wenn wir aussetzen müssten“, ist Gundula Lindemann wieder voller Tatendrang.

In vielen Uelzener Vereinen wurde nach den Corona-Lockerungen und der Aufhebung des Sportverbotes die Sportabzeichen-Saison eingeläutet. Selbstverständlich müssen sich aber auch die Absolventen an die gängigen Corona-Hygieneregeln halten.

Einbruch droht

Doch die Sportabzeichenprüfer rechnen in diesem Sommer mit einem Einbruch der Teilnehmerzahlen. 2834 Sportabzeichen wurden 2019 abgelegt. Darunter waren zahlreiche Jugendliche. Das lässt sich 2020 kaum realisieren. „Ich erwarte einen erheblichen Rückgang der Sportabzeichenzahlen, da derzeit an den Schulen kein Sportunterricht erteilt werden darf. Außerdem sind schulsportliche Veranstaltungen wie Sportabzeichentage nicht erlaubt“, begründet  Hermann Dräger, Referent für das Deutsche Sportabzeichen beim KSB Uelzen. Die gute Nachricht. „Die Anzahl der erwachsende Sportler wird, so denke ich, keinen wesentlichen Einbruch bringen“, glaubt Dräger.

Auch Gundula Lindemann geht von fallenden Zahlen aus. „Der Sportunterricht läuft nicht. Andere Dinge sind jetzt wichtiger.“ Dabei haben die Wierener gerade dort den Nachwuchs zum Mitmachen animiert. Unter den 250 abgelegten Abzeichen im Vorjahr waren allein 157 Schüler, davon 122 Grundschüler. Jürgen Lindemann und Dieter Schoop sind so etwas wie die Triebfedern des Wierener Prüferteams und trainieren seit Jahren mit den Kindern im Sportunterricht. „Es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln“, sieht Gundula Lindemann jedes Mal Fortschritte beim Nachwuchs, der mit Begeisterung dabei ist. „Jeder grüßt meinen Mann und Dieter Schoop und berichtet über die persönlichen Erfolge.“

Kein Leistungsdruck

Doch im Sommer 2020 ist alles ein bisschen anders. Gundula Lindemann hat zumindest die Hoffnung, dass sich die jungen Teilnehmer beim Training auf dem Sportplatz blicken lassen. „Sie sind herzlich eingeladen und können natürlich trotzdem zu den Terminen kommen.“ Das gilt natürlich auch bei den anderen Vereinen.

Der Vorteil des Sportabzeichens liegt für Lindemann auf der Hand. Wer mit dem Leistungsdruck beim Wettkampfsport nicht warm wird, ist beim Sportabzeichen bestens aufgehoben. „Bei uns heißt es. Ich kann, muss aber nicht. Es gibt keinen Leistungsdruck. Das Alter spielt auch keine Rolle. Und wenn man es nicht schafft, geht man trotzdem mit dem Gefühl nach Hause, sich sportlich beschäftigt zu haben und sich aufs nächste Jahr zu freuen.“

Lindemann schließt nicht aus, auch vollkommen neuen Gesichtern beim Training zu begegnen. „Ich kann mir das durchaus vorstellen, weil nicht alle Leute in diesem Sommer in Urlaub fahren werden und der ein oder andere seinen lieb gewonnenen Gewohnheiten nicht nachgehen kann.“

VON AREK MARUD

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