Spitzenreiter siegt in Uelzen durch ein Tor in der späten Nachspielzeit / Abstiegsrivalen punkten

Die Uhr war längst abgelaufen

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Eine vergebene Torchance, die schlaflose Nächte bereiten und folgenschwer sein kann: Nils Brüggemann kommt nach Rückpass von Kristian Krieger zwei Meter vor der Linie unbedrängt zum Schuss, doch FC-Torwart Yannick Becker zuckt irgendwie noch mit dem Fuß an den Ball und wehrt zur Ecke ab.

Uelzen. Wie viele Tiefschläge muss Teutonia Uelzen wohl noch verkraften?! Nach dem verlorenen Bezirkspokalfinale und 20 Gegentoren in den letzten fünf Pflichtspielen schien der Landesligist gestern auf den letzten Metern eines sich dramatisch zuspitzenden Abstiegskampfes die Kurve zu bekommen.

Stattdessen ist er nach der eigenen Niederlage und den Ergebnissen der Konkurrenz noch dichter an den Abgrund gerückt.

Teutonia hatte das Scheuentor im Nachholspiel gegen Spitzenreiter FC Hagen-Uthlede endlich verriegelt und schien mit einem torlosen Remis einen ganz wichtigen Bonuspunkt zu verbuchen. Doch in der Nachspielzeit der Nachspielzeit traf der designierte Meister nach Ecke per Kopf durch Michel Klimmek zum 0:1-Endstand. Was für ein Tiefpunkt für die aufopferungsvoll kämpfenden Uelzener, was für Finale furioso für die Hagener auf dem Weg zum Titelgewinn! Trainer Frank Heine: „Es gab heute in der Mannschaft keinen Ausfall, das war ein Klassespiel! Diese Leistung müssen wir jetzt eins zu eins auch gegen Ahlerstedt und Ottersberg zeigen!“

Es dauerte 55 Sekunden bis zum ersten Eckball für die Gäste. Und deren 97, bis die Kugel nach einem Kopfball von Christoph Müller das erste von insgesamt drei Mal an Teutonias Aluminium klatschte. Den Uelzener Fans im Sportpark war schon jetzt das Herz in die Hose gerutscht, denn der Spitzenreiter trat auf wie einer: als Team, das die paar noch fehlenden Punkte zur Meisterschaft schnellstmöglich einsacken will. Extrem viel Ballbesitz, exaktes Diagonalspiel hinter Teutonias Kette, Pressing. Die Platzherren suchten irgendwie ihr Heil, und sei es mit lang nach vorn geschlagenen Blindgängern. Die frühe Auswechslung des verletzten Malte Bertram trieb weitere Befürchtungen hervor. Doch zunehmend fehlten Hagen die Ideen und Räume im letzten Drittel. So bot sich Teutonia gegen die schlecht abgesicherte Gästedefensive plötzlich die Tormöglichkeit, als der eingewechselte und stark spielenden Alberto Mendes Mittelstürmer Philipp Hatt zentral auf die Reise schickte, der Uelzener hart bedrängt aber an FC-Keeper Yannick Becker scheiterte (19.).

Ab sofort stand Teutonias Abwehr überraschend stabil. Mehr noch: Die Uelzener durchflutete so etwas wie Begeisterung. Sie gewannen Zweikämpfe im Mittelfeld. Sie setzten Akzente und sogar ein mammutgleiches Ausrufezeichen: Der auf links durchgebrochene Nils Brüggemann spielte den Ball an Torwart Becker vorbei quer durch den Strafraum auf den freien Kristian Krieger, allerdings flog die Kugel einen Tick zu weit. Krieger erlief das Spielgerät, passte von der Grundlinie zurück auf Brüggemann, der zwei Meter vor dem Kasten unbedrängt die freie Auswahl hatte: oben, unten, rechts, links. Doch Brüggemann zog die Niete, scheiterte an der Fußabwehr des insgesamt überragenden Becker (41.).

Von Bernd Klingebiel

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