Nach Online-Meeting: Fußballfamilie des Heide-Wendland-Kreises in der Beziehungskrise

„Kommunikation ist keine Einbahnstraße“ - Funktionäre kontern die Kritik der Fußballvereine

Ein Fußball ohne Luft liegt am Torpfosten.
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Dicke Luft im heimischen Fußball: Die Funktionäre kontern die Kritik der 35 Vereinsvertreter, die an dem privaten Videomeeting teilnahmen.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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  • Arek Marud
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Nach dem Videomeeting von 35 Vereinsvertretern, in dem sie Kritik am Festhalten des Verbandes an einer Saisonfortsetzung übten, kontern die Funktionäre. Sie bemängeln „die Art und Weise“ dieses Vorgehens.

Die Fußballfamilie im Heide-Wendland-Kreis ist in einer tiefen Beziehungskrise. Die virtuelle Sitzung, zu der die Bezirksliga-Trainer André Kobus (SV Eddelstorf) und Frank Kathmann (TuS Barendorf) eingeladen hatten, endete am Mittwochabend mit einem Paukenschlag (AZ berichtete). Alle Klubs votierten wegen der sich wieder zuspitzenden Corona-Pandemie gegen eine Saisonfortsetzung im Frühjahr. Sie wollen annullieren oder im Herbst weiterspielen.

Jürgen Stebani leitet die Spielausschüsse im NFV und Bezirk Lüneburg. Er kritisiert „die Art und Weise“, in der Kobus und Kathmann vorgingen: „Das ist unmöglich! Ich hätte ihnen geraten, vorher mit uns zu sprechen. Sie hätten mich oder Hartmut Jäkel (kommissarischer Vorsitzender des Heide-Wendlandkreises, Anmerkung der Redaktion) jederzeit anrufen können. Kommunikation ist keine Einbahnstraße!“

NFV-Sitzung: Nächste Woche Klarheit?

Genauso sieht es Christian Röhling, der NFV-Bezirksvorsitzende und frühere Boss des Heide-Wendland-Kreises: „Hinterher von einem Treffen zu erfahren! Das war schon letztes Jahr Thema im Heide-Wendland-Kreis, was ich nicht gut fand.“ Röhling kündigte eine NFV-Vorstandssitzung in der kommenden Woche zum Thema Saisonfortsetzung an. „Dann gibt es eine geschlossene Aussage von uns dazu. Die neuen Zahlen (Coronalage / Anm. d. Red.) fallen da mit rein.“

Stebani betont, dass die 35 Vereinsvertreter und darunter keiner aus Lüchow-Dannenberg „nicht repräsentativ“ für die 109 Fußballklubs im Heide-Wendland-Kreis seien. Der Melbecker: „Der NFV kennt das Stimmungsbild an der Basis, wir haben relativ regelmäßig Telefon- und Videokonferenzen in den jeweiligen Bereichen.“ Hartmut Jäkel (Ebstorf) bestätigt: „Bei mir ist zuvor kein Gesprächswunsch eingegangen.“ Daher sei das jetzige Vorgehen „bei weitem nicht in Ordnung“.

Sollte die Saison doch noch fortgesetzt und bis spätestens 21. Juli beendet werden, würde der SV Eddelstorf mit seinen beiden Herrenmannschaften vermutlich in den sportlichen Absturz laufen. Denn der Vereinsvorstand hat entschieden, zumindest bis Mitte Mai keine Pflichtspiele mehr auszutragen.

In der laufenden Saison zurückgezogene oder wegen Nichtantretens ausgeschiedene Teams würden laut NFV-Spielordnung im Falle der Meldung zur neuen Spielserie dann jedoch der untersten Klasse zugeordnet werden – im Heide-Wendland-Kreis ist das die 4. Kreisklasse. Auch Ordnungsstrafen drohen. Stebani hält den Ball flach: „Wir wollen keinen Druck ausüben, wir würden mehr als großzügig sein.“

Hubertus Kopp vom VfL Suderburg, der an der Online-Sitzung teilnahm, kann das bisherige Vorgehen des NFV nicht nachvollziehen. „Der Trend war so, dass man sich in allen Verbänden das Feedback der Fußballvereine eingeholt hatte. Und Niedersachsen hat ohne Rücksprache die Saison bis 21. Juli verlängert und sich kein Mandat der Vereine eingeholt. Hier will man mit aller Gewalt die Saison durchziehen. Das versteht kein Mensch. Es geht zulasten der Gesundheit der Spieler“, kritisiert der Teammanager.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Freitagsausgabe der AZ.

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